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09:08 18 Juli 2019
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    EU-Zerfall (Symbolbild)

    Drei Wege zum Zerfall Europas: Bericht erläutert Perspektiven der EU

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    Politik
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    Ob es für ihr Land gut ist, in der EU zu sein, sehen viele einfache Bürger anders als das europäische Establishment. An eben dieser Spaltung entscheidet sich die Zukunft der EU, wie die Onlinezeitung Gazeta.ru schreibt.

    Ein Vierteljahr lang haben britische Analysten EU-Bürgern zugehört und deren Meinung zur Europäischen Union ermittelt. Die Ergebnisse dieser Studie haben die Briten kürzlich in einem Bericht vorgestellt – und gleich Alarm geschlagen: Bleibt die Lage unverändert, werden weitere Länder dem Brexit-Beispiel folgen und der EU den Rücken kehren.

    „Chatham House“, eine Denkfabrik aus Großbritannien, hat von Dezember 2016 bis Februar 2017 eine Umfrage in zehn EU-Ländern durchgeführt, darunter Deutschland, Frankreich, Griechenland, Polen und Großbritannien. Über 10.000 einfache Bürger und rund 1.800 Entscheider aus Wirtschaft und Politik haben an der Befragung teilgenommen.

    Das Ergebnis der Analysten: Die EU ist von Bruchlinien durchzogen. Das Hauptproblem: Es klafft ein Graben zwischen dem, was die meisten europäischen Bürger von der Entwicklung der EU halten, und dem, wie das Establishment diese Entwicklung einschätzt. Dass die Politiker sich darum kümmern, was die Bürger sagen, glauben laut der Umfrage nur acht Prozent der gewöhnlichen EU-Bürger.

    Die erste Bruchlinie ist augenfällig: Die Elite spürt die Vorteile der EU-Mitgliedschaft und blickt optimistischer in die Zukunft der Europäischen Union als es gewöhnliche Bürger tun, wie die Zeitung schreibt. 71 Prozent des Establishments gaben bei der Umfrage an, von der EU-Gründung profitiert zu haben. Hingegen glauben nur 34 Prozent der Normalbürger, dass ihre Länder Vorteile von einer Mitgliedschaft in der Europäischen Gemeinschaft haben. Und über die Hälfte (54 Prozent) sagt, das Leben in ihrem Land sei vor 20 Jahren besser gewesen.

    Auch an der Flüchtlingskrise und ihrer Bewältigung scheiden sich die Geister. Die meisten Vertreter bessergestellter Schichten glauben laut der britischen Studie: Die Migranten haben einen positiven Effekt für die Gesellschaft, stärken die Kultur und üben keinen Einfluss auf die Kriminalitätsrate aus. Normalbürgern ist diese Idee der Umfrage zufolge fremd: Die meisten sehen in den Migranten keine Bereicherung für ihre nationale Identität.

    In einem Punkt ist sich die Gesellschaftsspitze mit den Bürgern einig: Die Kernaufgabe der EU als eines internationalen Projekts ist die Wohlstandsverteilung. Reichere Länder müssen schwächere Staaten finanziell stützen – dieser Meinung ist laut der Studie exakt die Hälfte der EU-Bürger. Nur 18 Prozent stimmen dem nicht zu. Beim Establishment haben sich in der Umfrage gar 77 Prozent dafür ausgesprochen.

    Eine weitere Bruchlinie verläuft nicht zwischen Normalbürgern und dem Establishment, sondern durch die Elite selbst – und dies bei der Frage der weiteren EU-Integration. Laut der Studie wollen 37 Prozent der Bessergestellten Brüssel mehr Rechte über die Nationalstaaten einräumen, ein Drittel will am derzeitigen Stand festhalten, ein anderes Drittel will größere Unabhängigkeit für sein Land innerhalb der EU.

    Über die Hälfte der Normalbürger meint: Innerhalb der nächsten zehn Jahre werde mindestens ein weiteres Land die Europäische Gemeinschaft verlassen. Unter den Eliten glauben dies 43 Prozent.

    Um diesen Zerfall zu verhindern, seien Wirtschaftswachstum und relative politische Stabilität notwendig, mahnen die Autoren der Studie. In dieser Hinsicht werde die kommende Wahl in Deutschland die Zukunft der EU mitentscheiden. Fast die Hälfte der EU-Bürger, 48 Prozent, glaubt an eine positive Rolle Berlins in der EU. Noch mehr sind davon die Eliten überzeugt – 62 Prozent. Anderer Meinung über Deutschlands Rolle in der Europäischen Union sind 28 respektive 23 Prozent.

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    Bevölkerung, Zerfall, Umfrage, Denkfabrik Chatham House, EU-Länder