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    Sanktions Unsinn (Symbolbild)

    Freibad, Ahmed und Lego: Wer will noch Sanktionen, wer hat noch nicht?

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    Politik
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    Wenn es um Sanktionen geht, dann ist „absurd“ das richtige Stichwort. Das Portal „Lenta“ erinnert an die kuriosesten Maßnahmen gegen Staaten und ihre manchmal witzigen Folgen.

    Bei einem Freibad denken sie an Wasserspass und Erholung an heißen Sommertagen? Wie naiv. Lassen Sie sich nicht täuschen! Hinter einem Freibad kann sich eine gefährliche Organisation verbergen, die weltweit Unruhe stiftet.

    Anders lässt sich kaum erklären, warum Washington das Moskauer Freibad „Die Möwe“ (im Russischen: „Tschaika“) auf seine Sanktionsliste gesetzt hat.

    „Das ist so ein lustiger Fall mit dieser Sanktion, eine echte Steilvorlage. Was genau will man denn verbieten? Dass die Eintrittspreise in Dollar verlangt werden“, scherzte Andrei Kostin, Chef der russischen Staatsbank VTB. Die Bank hatte das Badehaus lange vor Verhängung der Sanktion besessen.

    Sanktionen sind an sich ein unberechenbares Mittel, wie das Portal schreibt. Meistens wirken sie gar nicht oder nicht so, wie sie sollen. Punktuelle Sanktionen, solche gegen Staatschefs und ihre Freunde, sind da keine Ausnahme. Folgende Beispiele zeigen es.

    Iwanows, Uns und Ahmeds

    Die US-Sanktionen gegen Sergei Iwanow, den früheren Chef der russischen Präsidialverwaltung, trafen nicht ihn allein. Man muss wissen, dass der Name „Iwanow“ in Russland etwa genau so selten ist wie „Müller“ in Deutschland. Und ruft man in Moskau einmal laut „Sergei“, drehen sich ganz bestimmt vier von zehn Männern nach einem um.

    Kaum waren die Sanktionen gegen Sergei Iwanow also in Kraft getreten, schon hatte so mancher Russe ein Problem. Einer erhielt seinen Onlineeinkauf aus den USA nicht mehr, einen anderen traf es härter: Visa-Karte und PayPal-Konto gesperrt – sieh zu, wie du klarkommst.

    Noch weniger Glück hatte die 45-jährige Südkoreanerin Kim Jong-yn. Sie hat erfahren müssen, was es heißt, wenn der eigene Name so klingt wie jener des nordkoreanischen Diktators.

    In 2016 hatte sie ihrer Schwester in Südafrika 27.000 Dollar überwiesen, für den Kauf einer Immobilie. Das Geld wurde abgefangen: Offenbar dachten die Behörden, Kim Jong-un wolle südafrikanischen Terroristen persönlich unter die Arme greifen.

    Alles Zureden half nichts – auch nicht die Erklärung, dass die Namen ja unterschiedlich geschrieben werden: Kim Jong-yn aus Südkorea ist nicht der „böse“ Kim Jong-un aus Pjöngjang. Das Geld der 45-Jährigen ist jedenfalls weg, wie das Portal schreibt.

    Richtig Pech wegen Sanktionen hatte aber wohl der in Somalia geborene Brite Ismail Ahmed. Einer der Hamas-Chefs hieß nämlich ähnlich: Ismail Ahmed Hussein. Was für den Briten daraus folgte: Verhaftungen und Verhöre auf Flughäfen, Probleme mit Banken – selbst nachdem sein Namensvetter von einer israelischen Rakete längst getötet worden war.

    Die Behörden sagen, wie das Portal schreibt, das sei das Problem aller Ismails und Ahmeds, da müssten die Araber halt durch.

    Doch ist es nicht nur den Amerikaner vergönnt, sich durch absurde Sanktionen lächerlich zu machen. Es geht auch anders.

    Gotteslästerliches Lego

    Im Jahr 2006 hatte die dänische Zeitung „Jyllands-Posten“ zwölf Karikaturen des Propheten Mohammed veröffentlicht. Am Tag darauf stürmten weltweit Massen von Muslimen – von verletzten religiösen Gefühlen getrieben – auf die Straßen der Städte. In manchen Ländern attackierte der Mob dänische Botschaften und Vertretungen.

    Einige muslimische Länder drohten, ein Importverbot gegen dänische Produkte zu verhängen. Am konsequentesten war der Sudan: Die Regierung stoppte nicht nur die Einfuhr von Waren aus Dänemark, sondern verbot auch gleich die Einreise dänischer Bürger ins Land.

    In nur einer Woche verschwanden dänische Produkte aus den Supermarktregalen arabischer, asiatischer und nordafrikanischer Staaten – und auch aus den kleinen muslimischen Ländern in den Städten Europas. Das bedeutete auch: Kein Lego mehr. Die Mullahs erklärten, die frommen arabischen Kinder würden ohne das „Teufelszeug“ auskommen.

    Erst nachdem die Zeitungsredaktion sich offiziell entschuldigt hatte, wurde das Boykott aufgehoben und die diplomatischen Beziehungen kamen wieder in Gang. Ein Nachgeschmack ist jedenfalls geblieben.

     

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    Tags:
    absurd, Freibad, Lego, Sanktionen, Sergej Iwanow, Dänemark, USA, Russland