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    CDU-MdB zu Homo-Ehe: „Äpfel und Birnen kann man einfach nicht vergleichen“

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    Der CDU-Abgeordnete Martin Patzelt hat am Freitag gegen die Gesetzesvorlage zur „Ehe für alle“ gestimmt. Er gehörte damit zu der 226-stimmigen Minderheit im Bundestag, die gegen die gleichgeschlechtliche Ehe gestimmt hat. Sputnik hat mit ihm gesprochen.

    Herr Patzelt, warum haben sie bei der Abstimmung mit „nein“ gestimmt?

    Weil ich der tiefen Überzeugung bin, dass die Ehe in Richtung Familie wesensmäßig etwas anderes ist als die Lebensgemeinschaft von Gleichgeschlechtlichen. Äpfel und Birnen kann man einfach nicht vergleichen. Mit der heutigen Entscheidung geht die Welt zwar nicht unter, aber der Begriff für das Zusammenleben von Mann und Frau, aus dem natürlicherweise Kinder geboren werden, bleibt immer etwas anderes. Dafür wird sich vielleicht ein neuer Begriff finden lassen, denn es ist einfach etwas anderes.

    Haben Sie sich bestätigt gefühlt dadurch, dass die Bundeskanzlerin auch mit „nein“ gestimmt hat?

    Das habe ich erwartet. Ich habe auch diese ganze Diskussion über die Gewissensfreiheit überhaupt nicht verstanden.  Nicht jede Entscheidung ist von einer solchen Tragweite, dass das Gewissen tief befragt werden muss. Ich habe mich immer frei gefühlt und bei Abstimmungen auch schon mal gegen Frau Merkels Vorlage gestimmt. Ich bin es gewohnt, in Minderheiten zu fühlen und zu denken.

    Waren sie überrascht, dass 70 CDU-Abgeordnete für die „Ehe für alle“ gestimmt haben?

    Ich war nicht überrascht, weil wir ständig darüber geredet haben. Ich hätte mir gewünscht, dass auch in unserer Fraktion im Vorfeld offener diskutiert worden wäre. Dann hätte man die Argumente besser abwägen können. Jetzt kam es durch die Attacke der SPD Knall auf Fall. Die haben sich gesagt: Jetzt nutzen wir mal die Gunst der Stunde, wenn die Kanzlerin wackelt. Ich kann das zwar nachvollziehen, aber ich finde es nicht gut, sondern schäbig.

    War das überraschend für Sie, dass die Abstimmung jetzt so schnell über die Bühne ging?

    Das ist unannehmbar und nicht fair. Wir sind überrumpelt worden. Die SPD hat sich gesagt: Dann probieren wir schon einmal rot-rot-grün. So kurz vor Toresschluss wird die CDU die Koalition schon nicht mehr aufkündigen. Und da haben die Sozialdemokraten auch Recht.

    Muss man nach dieser Entscheidung das „C“ in CDU überdenken?

    Das würde ich nicht so sehen. Das Christentum geht doch viel weiter. Das darf man nicht zu dogmatisch sehen. Das christliche Gebot ist vor allen Dingen erst einmal die Liebe – die Liebe zum Anderen, zum Schwächeren. Mein Problem bei der ganzen Entscheidung ist: Das Wort Kind ist ein einziges Mal gefallen. Die Kinder sind die Schwächsten. Sie sind uns Erwachsenen ausgeliefert. Dass wir sie zwangsweise zur Adoption freigeben, dass wir sie schon in der Retorte züchten wollen. Das ist alles gegen die wirklichen Interessen von Kindern gerichtet.

    Es gibt viele Kinder, die vergeblich nach ihren leiblichen Vätern suchen, die ihre Samen gespendet haben. Wir gehen mit dieser Identitätssuche sehr fahrlässig um. Die UN-Konvention über die Kinderrechte hat festgehalten, dass jedes Kind ein Recht hat auf seine Eltern und seine Abstammung – und das spielt bei der ganzen Sache anscheinend überhaupt keine Rolle.

    Das komplette Interview zum Nachhören:

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    Tags:
    Eheschließung, Abstimmung, Gesetz, Homosexualität, CDU, SPD, Martin Patzelt, Deutschland