14:42 14 November 2019
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    Wladimir Putin mit einem Mitarbeiter des russischen Auslandsgeheimdienstes SWR

    Moskaus Spione einst und heute: „Gegen zehn BRD-Agenten ausgetauscht“

    © Sputnik / Mikhail Klementiew
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    Man lebt jahrelang im Ausland unter einem fremden Namen, um Informationen zu sammeln. Solche Spione waren einst ein effizientes Instrument der Sowjetunion. Ist die Methode schon veraltet? Mit dieser Frage beschäftigt sich die Onlinezeitung vz.ru mit Blick auf Wladimir Putins Besuch im Hauptquartier des russischen Auslandsgeheimdienstes SWR.

    Vz.ru schreibt, die Agententätigkeit dieser Art gelte als sowjetische Erfindung. Im Westen habe man nicht einmal versucht, etwas Ähnliches zustande zu bringen: „Tatsächlich ist es äußerst schwierig, sich einen gebürtigen Engländer vorzustellen, der in die Sowjetunion eingeschleust wird. Selbst im gegenwärtigen Russland, dessen kapitalistische Lebensordnung für den Westen viel verständlicher ist, wäre so etwas praktisch unmöglich. Dies hat einst eine Serie von Witzen über einen Dunkelhäutigen ausgelöst, der mit dem Fallschirm in einem sibirischen Dorf abgesetzt wird.“

    „Einem Russen fällt es, wie sich empirisch herausstellte, viel leichter, sich in einen Mister Smith oder einen Herrn Krüger zu verwandeln“, postuliert die russische Onlinezeitung in ihrem Kommentar. 

    „Aus Frust und Unfähigkeit, einen Gegenentwurf zu schaffen, haben die CIA und europäische Auslandsgeheimdienste eine solche illegale Aufklärung als Anachronismus gebrandmarkt, aber auch als Beleg für eine technologische Rückständigkeit und als sinnlose Geldverschwendung“, heißt es weiter.

    Als Beispiel für eine erfolgreiche sowjetische Mission verweist vz.ru auf den Fall Alexej Koslow: „In den 1970er Jahren hat er das südafrikanische Atomprogramm und die Uran-Förderung im besetzten Namibia aufgedeckt.“

    Ein sowjetischer Überläufer habe Koslow verraten. Dieser sei festgenommen worden: „Zwei Jahre lang wurde er in einer Todeszelle in Pretoria festgehalten und gefoltert. Erst 1982 wurde er gegen zehn in der DDR und in der Sowjetunion festgenommene BRD-Agenten ausgetauscht sowie gegen einen in Angola gefangengenommenen südafrikanischen Soldaten. Koslow hatte eine legale deutsche Staatsbürgerschaft, die er erhielt, indem er sich jahrzehntelang als einen deutschen Geschäftsmann ausgab, der Ausrüstungen zur Trockenreinigung verkaufte.“

    „Die von Koslow gesammelten und von Moskau veröffentlichten Daten haben die USA und manche europäische Länder dazu gezwungen, die Regierung in Pretoria mit Sanktionen zu belegen, was das Apartheid-System in Südafrika wesentlich unterhöhlte“, schreibt die Onlinezeitung.

    Sie betont, die Agenten-Tätigkeit sei kein bloßes Spielzeug, sondern ein wichtiges Instrument des russischen Staates, und zitiert Wladimir Putin mit den Worten: „Wir werden auch weiterhin das Potenzial der Aufklärung sowie deren technische und operative Möglichkeiten festigen und erhöhen.“

    Laut Putin ist das eine Reaktion auf die aktuellen Herausforderungen für Russland: „Generell ist es offensichtlich, dass die gegen Russland und unsere Verbündeten gerichteten Aktivitäten westlicher Geheimdienste zunehmen. Dabei werden neue Methoden verwendet, um Informationen zu sammeln und zu verbreiten; Cyber-Attacken werden verübt, Menschen angeworben, um Zugriff auf Daten bezüglich des russischen Verteidigungs-, Wirtschafts- und Rohstoff-Potenzials zu bekommen.“

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    Tags:
    Jahrestag, Russlands Auslandsgeheimdienst SWR, Bundesnachrichtendienst (BND), CIA, Wladimir Putin, DDR, UdSSR, Deutschland, Russland