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    Britische Soldaten in Gasmasken (Archivbild)

    Drei Gefahren für nukleare Abschreckung

    © AFP 2019 / MOD
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    Die Entstehung neuer Atommächte, die Gefahr zufälliger militärischer Zusammenstöße, die Krise der Rüstungskontrolle – all dies unterhöhlt die nukleare Abschreckung, warnt Auslandsexperte Alexej Arbatow, Mitglied der Russischen Akademie der Wissenschaften.

    In einem Gastbeitrag für die „Nesawissimaja Gaseta“ schreibt Arbatow, die nukleare Abschreckung werde derzeit durch eine Reihe neuer Faktoren und Probleme erodiert – sowohl weltweit als auch im russisch-amerikanischen Verhältnis.

    „Erstens geht es darum, dass die neue nukleare Weltordnung nicht bipolar, sondern polyzentrisch sein wird (…) Das Vorhandensein einer stabilen strategischen Abschreckung ist dabei keine Regel, sondern eine Ausnahme in den Beziehungen von Atommächten“, so Arbatow.

    Er erläutert, diese stabile Abschreckung auf Grund einer Parität bestehe nur zwischen Russland und den USA: „Es gibt jedoch keine Gründe, mit demselben Effekt zu rechtet, wenn es um andere Atommächte geht – wie beispielsweise um Indien und Pakistan und erst recht um Nordkorea und mögliche künftige Besitzer von Atomwaffen, falls deren Weiterverbreitung weltweit nicht aufhört.“

    Zwar werde in allen Atommächten beteuert, dass ein nuklearer Erstschlag nur als Reaktion auf eine mit anderen Waffenarten verübte Aggression in Frage komme: „Doch die Kubakrise im Oktober 1962 hatte anschaulich demonstriert, dass ein Atomkrieg nicht nur infolge einer durchgeplanten Aggression möglich wäre, sondern auch infolge eines Kontrollverlusts über die Geschehnisse. Auch später gab es ähnliche – wenn auch nicht so gefährliche – Situationen.“

    Zweitens seien zufällige militärische Zusammenstöße nicht auszuschließen: „Die Wahrscheinlichkeit ihrer blitzschnellen Eskalation bis hin zu einem globalen nuklearen Ausmaß wird geschürt durch die gegenwärtige Aufstockung der Streitkräfte auf den beiden Seiten der neuen Grenze zwischen Russland und der Nato sowie durch die groß angelegten Militärübungen der beiden Seiten.“

    „Eine solche Gefahr besteht auch in Syrien, wo Russland und die USA erstmals in der Geschichte Kampfhandlungen in einem und demselben Land offen führen, ohne dabei Militärverbündete zu sein oder eine klare Übereinstimmung in Bezug auf gemeinsame Gegner zu haben“, warnt der Experte.

    Drittens sei eine stabile nukleare Abschreckung nur im Rahmen eines Rüstungskotroll-Systems möglich. Dieses erlebe derzeit jedoch eine beispiellose Krise. Das schwächste Glied sei dabei der INF-Vertrag über nukleare Mittelstreckensysteme. Im Jahr 2021 laufe unterdessen der New-START-Vertrag über die Reduzierung strategischer Atomwaffen ab. Dann werde ein Vakuum in Sachen Kontrolle entstehen. Es bleibt immer weniger Zeit, um einen Nachfolgevertrag zu schließen. Dabei bekunde die neue US-Administration kaum Interesse daran, hieß es.

    Arbatow befürchtet ein neues nukleares Wettrüsten, das durch eine Rivalität im Bereich von konventionellen, weltraumgestützten und Cyber-Waffen ergänzt werden könnte. Seiner Meinung nach drückt dies die „nukleare Schwelle“ bei eventuellen Konfliktsituationen nach unten und untergräbt die Aussichten der Rüstungskontrolle: „Dazu noch wird das Wettrüsten multilateral sein, indem es neben den USA und Russland auch China, die Nato-Länder, Indien und Pakistan, Nord- und Südkorea, Japan und weitere Staaten involvieren wird.“  

    Im Hinblick auf all diese Befürchtungen mahnt der Experte: „Bei aller Wichtigkeit der Regelung aktueller Konflikte sollten Russland und die USA eine Rettung des Systems und der Modi der Rüstungskotrolle ganz oben auf ihre Agenda setzen.“

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    Tags:
    Atomarsenal, Atombombe, Abschreckung, Risiken, Pakistan, Indien, Südkorea, Nordkorea, USA, Russland, China