02:48 22 Februar 2020
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    Zunächst hat er die arabische Medienlandschaft revolutioniert, dann aber viele enttäuscht: der TV-Sender Al Jazeera. Nun fordern Saudi-Arabien, Ägypten, die VAE und Bahrain seine Schließung – das ist ein Schwerpunkt ihres Ultimatums an Katar. Die russische Zeitschrift „Profil“ beschäftigt sich mit den Hintergründen.

    Die Zeitschrift versorgt ihren Bericht mit der Unterschrift: „Wie Al Jazeera eine Revolution in der arabischen Welt vollzog.“ Sie schreibt, die Forderung von Katars Opponenten, den Sender zu schließen, sei kein Zufall: „Diese Medien-Ressource hat Katar ermöglicht, die Geschehnisse in der Region wesentlich zu beeinflussen. Den Sender einzubüßen, käme einem politischen Selbstmord gleich.“ Mittlerweile wurden die Al-Jazeera-Sendungen in Ägypten, Saudi-Arabien, den VAE und Bahrain laut „Profil“ bereits blockiert.

    Im Hinblick auf die Al-Jazeera-Gründung im Jahr 1996 berichtet die Zeitschrift, der damalige Emir von Katar habe versprochen, sich nicht in die Redaktionspolitik einzumischen: „Dabei gehörten Mitglieder der Königsfamilie immer dem Direktorium des Senders an. Auch dessen Etat wurde mit katarischem Geld aufgefüllt.“

    „Al Jazeera war lange die einzige Oppositionsstimme in der ganzen arabischen Welt. Der Sender nahm kein Blatt vor den Mund, indem er arabische Regierungen kritisierte und Themen ansprach, die zuvor tabu gewesen waren: Korruption unter Staatschefs, politische Repressalien, Hunger. Kein Wunder, dass seine Popularitätswerte unter den Zuschauern sehr schnell zunahmen“, so der Bericht.

    Ursprünglich habe der Sender also tatsächlich das arabische Mediengeschäft revolutioniert, doch mit der Zeit sei eine Enttäuschung bei vielen Zuschauern aufgekommen, postuliert die Zeitschrift und zitiert einen nicht namentlich genannten arabischen Journalisten in Moskau: „Zuvor hatten sich alle TV-Nachrichten auf offiziöse Meldungen beschränkt: Ein König kommt zu Besuch, dann reist er ab. Al Jazeera zeigte, was reale Nachrichten bedeuten. Doch dann änderte sich alles. Es wurde immer offensichtlicher, dass der Sender ein Sprachrohr der ‚Muslimbrüder‘ ist.“

    Die Zeitschrift schreibt weiter: „Nach 2011 – mit dem Beginn des ‚Arabischen Frühlings‘ – haben die Vorwürfe wegen Voreingenommenheit deutlich zugenommen. Der Sender trat als unmittelbarer Teilnehmer an den ‚Revolutions-Ereignissen‘ auf – er fixierte nicht bloß die Protestaktionen, sondern forderte die Menschen auch auf, auf die Straße zu gehen, spielte mit Zahlen und verzerrte häufig die Fakten.“

    „Nicht zuletzt auf Grund von Al-Jazeera-Reportagen – darunter über einen Luftangriff auf friedliche Demonstranten in Kyrenaika sowie über 6.000 Todesopfer – wurden die Resolutionen des UN-Sicherheitsrats Nr. 1970 und 1973 verabschiedet, die der internationalen Koalition einen Militäreinsatz gegen das Regime von Muammar Gaddafi ermöglichten. Später stellte sich dann aber heraus, dass die Angaben zu den Todesopfern um ein Mehrfaches übertrieben worden und nicht alle Demonstranten friedlich gewesen waren, wobei der Sender viele seiner Reportagen überhaupt in Katar gedreht hatte“, heißt es in der Zeitschrift „Profil“.

    Ferner schreibt sie, Al Jazeera sei später mit weiteren Vorwürfen konfrontiert worden. Der Sender habe sie zurückgewiesen. Nach dem jüngsten Ultimatum arabischer Länder habe er in einer Erklärung sein Recht betont, einen „professionellen Journalismus zu betreiben, ohne dem Druck einer jeglichen Regierung nachzugeben“.

    „Profil“ kommentiert: „In Bezug darauf, dass die Menschen das Recht auf Wissen haben, kann man den Al-Jazeera-Journalisten nur zustimmen. Es ist aber auch offensichtlich, dass der Fernsehsender bereits zu einem Instrument der ‚großen Politik‘ geworden ist.“

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    Tags:
    Instrument, Massenmedien, Al Jazeera, Vereinigte Arabische Emirate (VAE), Ägypten, Katar, Saudi-Arabien, Russland