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12:15 14 Oktober 2019
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    Trump in Polen: Warschaus Wichtigtuerei wird ausgebeutet – FT

    © REUTERS / Kacper Pempel
    Politik
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    Warschau bemüht sich darum, als Führungskraft in Mittel- bzw. Osteuropa aufzutreten und dem „alten Europa“ die Stirn zu bieten. Im bevorstehenden Besuch des US-Präsidenten Donald Trump sieht es ein Zeichen der Unterstützung. Die USA wollen ihrerseits Polen nutzen, um Russland vom europäischen Gasmarkt zu verdrängen, schreibt die "Financial Times".

    US-Präsident Donald Trump geht in dieser Woche auf seine zweite Auslandsreise. Im Vorfeld des G20-Gipfels in Hamburg wird er Polen besuchen. Das wird nicht nur Washingtons Politik gegenüber Europa zeigen, sondern auch von seiner Position in der heimlichen Konfrontation zwischen den östlichen und westlichen Ländern des Kontinents zeugen, so die Zeitung.

    Am Donnerstag wird sich Trump an einem Gipfeltreffen der so genannten „Initiative der drei Meere“ in Warschau beteiligen, deren Ziel in der Integrationsförderung der mitteleuropäischen Länder zwischen der Ostsee, der Adria und dem Schwarzen Meer besteht.

    Das Weiße Haus hat bereits erklärt, dass dieses Treffen für Trump eine Plattform sei, wo er „unsere festen Verbindungen mit Mitteleuropa“ unter Beweis stellen werde. Polen betrachtet das aber anders und beansprucht die Führungsrolle in der mittel- bzw. osteuropäischen Allianz, die es Westeuropa nicht erlaubt, ihr die „Spielregeln“ aufzuzwingen. Und Trumps Besuch sei nach Auffassung Warschaus eine Art Lob für seine solche Politik, so die "Financial Times".

    Dass Polens Ambitionen im Vorfeld des Trump-Besuchs stärker geworden sind, findet auch die "New York Times".

    „Polnische Beamte sind äußerst stolz, dass Trump auf dem Weg zum G20-Gipfel ausgerechnet nach Polen kommt und nicht zu den stärkeren Verbündeten der USA wie Deutschland, Frankreich oder Großbritannien“, so die Zeitung. „Wir haben einen neuen Erfolg – den Besuch Trumps“, erklärte der Vorsitzende der Regierungspartei „Recht und Gerechtigkeit“, Jaroslaw Kaczynski, in der vorigen Woche. Nach seinen Worten sind andere europäische Länder deswegen neidisch auf Polen.

    Trumps Polen-Reise könnte allerdings die Spaltung zwischen den USA und dem restlichen Europa noch tiefer machen. Nach seinem jüngsten Aufenthalt in der Alten Welt im Mai waren Washingtons Verbündete sehr unzufrieden. Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel sagte sogar, sie mache sich auf sehr schwierige Verhandlungen mit dem US-Staatschef in Hamburg gefasst.

    Dabei sei eines der Ziele der „Initiative der drei Meere“, die mangelhaft entwickelten Verbindungen zwischen den nördlichen und südlichen Ländern Mitteleuropas zu festigen, erinnerte die "Financial Times". Unter anderem gehe es dabei um einen Gaskorridor, der das Flüssiggas-Terminal an der polnischen Ostseeküste mit einem geplanten Depot auf einer der kroatischen Adria-Inseln verbinden soll. Damit rechnen die USA mit einem Ausbau ihres Gasexports nach Europa, was zu Trumps größten Prioritäten gehört. Darüber hinaus könnte dieses Projekt eine Alternative zur russischen Pipeline Nord Stream 2 werden, die zwischen Russland und Deutschland unter Umgehung Polens und der Ukraine gebaut werden könnte.

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    Tags:
    Besuch, G20-Gipfel in Hamburg, Jaroslaw Kaczynski, Angela Merkel, Donald Trump, Deutschland, Polen, USA