20:27 21 November 2019
SNA Radio
    Matthias Platzeck (Archivbild)

    „Wie Julian Draxler bei Confed Cup“ – DRF-Chef Platzeck hofft auf positive Signale

    © AP Photo / Sven Kaestner
    Politik
    Zum Kurzlink
    3320
    Abonnieren

    Vom G20-Gipfel in Hamburg und vom angekündigten Treffen Putin-Trump erwartet der Vorsitzende des Deutsch-Russischen Forums, Matthias Platzeck, Signale in Richtung Entspannung. In erster Linie sollten sich die Top-Politiker „solchen Themen wie Rüstungsbegrenzung und gemeinsame Terroristenbekämpfung“ hinwenden.

    „Wir sollten uns wichtigen Entwicklungsproblemen auf dieser Welt wieder mehr gemeinsam widmen und nicht im Gegeneinander“, sagte er im Interview mit Sputnik-Korrespondent Nikolaj Jolkin. „Wer Außenpolitik mit offenen Augen beobachtet hat, hat schon unter Barack Obama deutlich wahrnehmen können, dass die Tendenz in der amerikanischen Politik auch Elemente der Abwendung von Europa deutlich in sich trägt. Er hat ja seine berühmte Rede vor einigen Jahren in Australien gehalten, wo er deutlich gesagt hat, das Zentrum amerikanischer Bemühungen wird künftig im pazifischen Raum liegen.“

    Bereits unter Obama und jetzt extrem verstärkt unter Donald Trump seien isolationistische Tendenzen in den USA wahrzunehmen. „Deshalb heißt das alles für uns in Europa, was Jean-Claude Juncker mal in den Satz gekleidet hat:,Wir müssen eine klare Sprache lernen und unsere Interessen auch deutlicher formulieren.‘ Das würde ich mir sehr wünschen. Und wenn wir das tun, werden wir automatisch auch wieder ein Stück mehr Partnerschaft mit Russland entwickeln müssen.“

    „Wie Draxler bei Confed Cup“

    In diesem Zusammenhang erinnerte sich Platzeck an die „traumhaft schöne Stimmung“ bei der jüngsten deutsch-russischen Städtepartnerkonferenz im Juni im südrussischen Krasnodar.

    „Uns ging so ähnlich wie Julian Draxler, dem Kapitän der Fußball-Nationalmannschaft, der in einem offenen Brief geschrieben hat, dass das wunderschöne Tage während des Confed Cups in Russland gewesen wären. Und ich habe dann gedacht, es wäre schön, wenn von diesem Geist, der dort zwischen den russischen und deutschen Kommunalpolitikern geherrscht hat, einiges sich auf andere Ebenen übertragen ließe.“

    Der DRF-Chef verwies auf die Initiative, die die Außenminister beider Länder, Sigmar Gabriel und Sergei Lawrow, in Krasnodar verkündet hätten, nämlich die kommunalen und regionalen Partnerschaften zwischen beiden Ländern. „Das ist ein Signal, dass das Thema,Was können wir gemeinsam machen? Wo können wir kooperieren?‘ wieder mehr in den Mittelpunkt rückt und dass wir das Trennende, wo wir unterschiedlicher Meinung sind, erst mal in Teilen, ohne dass diese Meinungsunterschiede aufgehoben sind, ein Stück zur Seite stellen und uns den verbindenden Themen wieder mehr widmen.“

    Dem Beispiel von Willy Brandt und Egon Bahr folgen

    Dafür wirbt der DRF-Vorsitzende nach seinen Worten überall, wo er ist. „Da sage ich immer, Geschichte wiederholt sich nicht, aber wir können aus der Geschichte lernen. Egon Bahr und Willy Brandt haben in einer ganz komplizierten Zeit, auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges, nach dem Mauerbau, der Kuba-Krise und auch der Besetzung der Tschechoslowakei durch die Truppen des Warschauer Paktes quasi eine antizyklische, eine paradoxe Denkweise entwickelt, indem sie gesagt haben, wir müssen aus diesem Zirkel raus, der immer mehr zur Eskalation führt, und müssen versuchen, unsere Partnerschaft oder wenigstens eine friedliche Koexistenz (darum ging es ja damals), auf eine neue Basis zu stellen.“

    Und letztlich sei diese neue Ostpolitik unter dem Motto „Wandel durch Annäherung“ und dann auch der Ausgangspunkt für die Helsinki-Konferenz 1975 gewesen, so Platzeck weiter. „Ich würde mir wünschen, dass wir diesen Mut, den Willy Brandt damals beschrieben hat — es gibt Momente in der Politik, wo man sein Herz in die Hand nehmen und über die Hürde werfen muss — dass wir davon einiges, auch in dieser schwierigen Situation, in der wir uns im Moment befinden, übernehmen.“

    Bei allem, was uns an unterschiedlichen Sichten trenne, bleibe die Erkenntnis, die Egon Bahr mal in den Satz gefügt habe: „Unsere Beziehungen zu den amerikanischen Verbündeten sind für uns unverzichtbar, und Russland auf dem europäischen Kontinent ist unverrückbar. Das heißt, wir brauchen einander“, schlussfolgert Matthias Platzeck.

    Das komplette Interview zum Nachhören:

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren

    Zum Thema:

    Matthias Platzeck: Dann wirft man mir wieder vor, dass ich mit RT und Sputnik rede
    Platzeck über SPD-Krise und Hintergründe des „Nationalen“ – Sputnik-Interview
    Platzeck über Trump: Sanktionen werden nicht mehr verlängert
    Wagenknecht, Platzeck & Co: US-Thinktank warnt vor „Putins Polit-Trojanern”
    Tags:
    Zusammenarbeit, Annäherung, Internationale Beziehungen, Deutsch-Russisches Forum, G20, Willy Brandt, Matthias Platzeck, USA, Russland, Deutschland