12:07 30 Oktober 2020
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    Steht ein Handelskrieg zwischen den USA und Europa bevor? Oder werden sich die beiden Wirtschaftsmächte doch noch auf einen Zweckfrieden einigen? Der russische Außenpolitikexperte Boris Schmeljow hat die Lage im Vorfeld des G20-Gipfels für das Portal „rueconomics“ analysiert.

    "Es gibt Dinge, wo wir große Sorgen haben, dass die Vereinigten Staaten in einen Handelskrieg gegen Europa eintreten", sagte der deutsche Außenminister Sigmar Gabriel am Donnerstag im Deutschlandfunk.

    In der Tat könnte das Gebaren der Vereinigten Staaten gegenüber der Europäischen Union als Erpressungsversuch gelesen werden. „Donald Trump gibt den Europäern zu verstehen, dass sie mehr in die US-Wirtschaft investieren sollen“, sagt Boris Schmeljow, Professor für internationale Beziehungen an der Diplomatischen Akademie des russischen Außenministeriums.

    „Er besteht darauf, die Handelsbilanz ausgeglichener zu gestalten: Die Europäer sollen mehr verbrauchen und mehr in den USA kaufen, mehr Investitions- und Konsumgüter, auch mehr Rüstung und vor allem Gas.“

    Von einem Handelskrieg könne aber keine Rede sein – zu groß sei die Kluft zwischen Trumps Worten und Trumps Taten. „Dafür gibt es zahlreiche Beispiele“, betont der Professor.

    Und selbst wenn der US-Präsident Europa den Wirtschaftskrieg erklären wollte: „Wer würde es ihm erlauben?“ fragt Schmeljow. „Das Handelsvolumen zwischen USA und EU beläuft sich auf 750 bis 780 Milliarden US-Dollar in beide Richtungen, eine gewaltige Summe.“ Ebenso gewaltig wären die Verluste aus einem Handelskrieg – für beide Seiten.

    „In so einem Handelskrieg würde es keine Sieger geben“, betont der Professor. Trump jedenfalls deute an, dass Europa mehr kooperieren, sich mehr nach den USA ausrichten solle – vor allem im Energiesektor.

    Dieser Anspruch sei ja schon unter Obama deutlich geworden: „Barack Obama sagte seinerzeit, von einer Selbstständigkeit Deutschlands und seiner Kanzlerin zu sprechen, sei nicht ganz zutreffend“, erinnert der Professor. „Wie man es dreht und wendet: Deutschland unterliegt einer starken Kontrolle durch die Vereinigten Staaten.“

    Dennoch seien die Unterschiede in den Ansichten zwischen Berlin und Washington heute gravierend: „Angela Merkel ist eine Verfechterin der Globalisierung, Trump hingen ist – jedenfalls in seinen Erklärungen – ein Globalisierungsgegner.“ Wie diese ideologische Kluft sich weiterentwickeln werde, sei derzeit schwer vorherzusagen, sagt der Professor abschließend.

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    Tags:
    Handelskrieg, Erpressung, Donald Trump, Sigmar Gabriel, Angela Merkel, Deutschland, USA