12:13 22 Oktober 2018
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    Polen Präsident Andrzej Duda (L) und Deutschlands Präsident Frank-Walter Steinmeier (R) (Archivbild)

    Duda droht Deutschland mit Gas-Hub

    © AP Photo / Czarek Sokolowski
    Politik
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    Ein Flüssiggas-Terminal hat Polen schon, zwei weitere müsste das Land bauen, um auf russisches Gas ganz und gar zu verzichten. Dann könnte es seinen Bedarf durch flüssiges Schiefergas aus den USA decken. Das Portal „rueconomics“ hat Experten befragt, ob Polen das Zeug zur neuen Energiemacht Europas hat.

    Die Infrastruktur für das Flüssiggas aus den USA fehlt noch, auch wäre dieser Brennstoff doppelt so teuer wie das Pipelinegas aus Russland. Trotzdem hat Polens Präsident Andrzej Duda auf einer gemeinsamen Konferenz mit Donald Trump angekündigt: Warschau sei bereit, einen langfristigen Liefervertrag für Flüssiggas aus den USA abzuschließen.

    Mehr noch: Polen sei in der Lage, bald schon zu einem Energie-Hub zu werden, um Mitteleuropa mit US-Gas zu versorgen.

    Wie „bereit“ und „in der Lage“ Polen ist, verdeutlichen folgende Zahlen: „Fünf Milliarden Kubikmeter fasst Polens LNG-Terminal in Świnoujście. Derzeit verbraucht das Land aber 13 Milliarden Kubikmeter Gas pro Jahr“, rechnet der Wirtschaftswissenschaftler Igor Juschkow vor. Er ist Dozent an der Finanzuniversität der russischen Regierung.

    LNG-Terminal in Świnoujście
    © REUTERS / Cezary Aszkielowicz
    LNG-Terminal in Świnoujście

    Zum Vergleich: Deutschland hat im vergangenen Jahr laut Statista 80,5 Milliarden Kubikmeter Erdgas verbraucht. Um sich selbst und Deutschland mit Flüssiggas aus den USA zu versorgen, müsste Polen noch 17 LNG-Terminals bauen.

    Derweil bezieht Deutschland Erdgas aus Russland unter anderem über den Nord Stream. Rund 40 Milliarden Kubikmeter fließen durch die Ostseepipeline jährlich, wie der Experte erklärt. Bei Bedarf kann die Liefermenge um 15 Milliarden Kubikmeter erhöht werden. Weitere 40 Milliarden kommen über die Gasleitung Jamal-Europa – die übrigens auch Polen versorgt. 

    Wie ist Dudas Ankündigung angesichts dieser Tatsachen einzuordnen?

    „Die Vereinigten Staaten suchen händeringend nach neuen Absatzmärkten für ihr Schiefergas. Nach dem Treffen mit Trump hat Duda dann auch als erstes Gaslieferungen an die Ukraine versprochen, als Alternative zum russischen Gas“, erklärt der Branchenkenner Alexei Belogorjew vom russischen Institut für Energie und Finanzen.

    „Um seine Loyalität gegenüber Washington zu unterstreichen, könnte Kiew das US-Gas natürlich kaufen. Wirtschaftlich wäre dieser Ansatz sinnlos: Das Gas aus den USA ist doppelt so teuer wie das russische“, stellt der Experte fest.

    „Aber noch geht man auch in Warschau von wirtschaftlicher Zweckmäßigkeit aus“, sagt der Wirtschaftswissenschaftler Juschkow. Das wäre den Europäern jedenfalls zu wünschen.

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    Tags:
    LNG, Erpressung, Nord Stream, Andrzej Duda, Igor Juschkow, Polen, Deutschland, USA