18:34 19 November 2018
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    Folgen der Luftangriffe von NATO, Belgrad, Serbien (Archivbild)

    EU-Hilfszentrum in Serbien geplant – ausgerechnet am 1999 von Nato zerbombtem Ort

    © AFP 2018 / Andrej Isakovic
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    Ein Hilfszentrum in Serbien? Diese Idee hat sich Brüssel wohl von den Russen abgeschaut. Der Gedanke drängt sich auf, denn Russland betreibt bereits im Südosten Serbiens eine solche Einrichtung – von US-Diplomaten gerne auch als „Spionagenest“ verunglimpft. Experten kommentieren die Situation im Sputnik-Interview.

    Die EU will ein Hilfszentrum auf einem Flugplatz in Ponikve im äußersten Nordosten Serbiens einrichten, die USA machen da möglicherweise mit, wie die serbische Zeitung „Danas“ berichtet.

    Serbiens Präsident Alexander Vucic sagte dazu: Noch hätten die USA keine offizielle Anfrage an die serbische Regierung wegen eines Hilfszentrums auf einem Flugplatz gerichtet. Aber Washington habe ja schon einen Stützpunkt auf serbischem Boden: Bondsteel. Und damals, als es gegründet wurde, habe auch niemand Serbien gefragt.

    Diese Erklärung ist politisch scharfsinnig und trifft den Nagel auf den Kopf: Die US-Luftwaffenbasis Bondsteel befindet sich im Kosovo – jenem Gebiet, das sowohl von Serbien als auch von Russland und anderen BRICS-Staaten ausschließlich als eine serbische Teilrepublik angesehen wird. Gegründet wurde der US-Stützpunkt, nachdem die Nato Jugoslawien im Jahr 1999 angegriffen und bombardiert hatte.

    Der Bau eines EU-Hilfszentrums auf dem serbischen Flugplatz wäre schlicht eine Provokation, sagt der Sicherheitsexperte Milan Mijalkovski, Professor an der Belgrader Universität: „Wir bräuchten ein Dutzend solcher Zentren, aber vielleicht nicht in Ponikve. Die Nato zerbombte diesen Flugplatz 1999 vollständig, jetzt will die Allianz dort mit einer Hilfsmission auftauchen?“ Das würde doch nur zeigen, wer in Serbien wirklich das Sagen habe.

    Sein Kollege Alexander Pavic, ein Politologe aus Belgrad, sieht den Bau eines Hilfszentrums als einen diplomatischen Schachzug: „Sollte es zu einer Vereinbarung kommen, könnte Belgrad versuchen, dadurch Druck rauszunehmen – nach dem Motto: Ihr könnt ein Hilfszentrum auf serbischem Boden gründen, was habt ihr dann gegen das russische Zentrum in Serbien?“

    Man könnte ein Hilfszentrum der EU auch so deuten: „Belgrad versucht entsprechend seiner Politik der Neutralität zu balancieren“, sagt der Politologe. „Doch dann kommt sofort die Frage auf: Warum haben wir mit Russland weniger Militärmanöver als mit der Nato? Oder warum gibt es keine Initiative, einen Stützpunkt zu gründen, der mit Bondsteel vergleichbar wäre?“

    "Ob Serbien überhaupt noch so ein Hilfszentrum brauche?" fragt der Experte weiter. „Das russische Hilfszentrum hat seine Möglichkeiten ja noch gar nicht ausgeschöpft.“

    Und der Verdacht, die USA und Nato würden das Hilfszentrum für Spionage nutzen, liegt sowieso nahe, wie serbische Medien schreiben. Von dort aus könnten nämlich Flugdrohnen ganz Osteuropa bis zur russischen Grenze überwachen.

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    Zentrum, Spionage, G20-Gipfel in Hamburg, EU, NATO, Aleksandar Vučić, USA, Serbien, Russland