08:08 20 August 2017
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    G20-Proteste in Hamburg (Archivbild)

    Politische Folgeschäden für die Linke durch Gipfel-Krawalle in Hamburg?

    © REUTERS/ Pawel Kopczynski
    Politik
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    Die schweren Auseinandersetzungen während des G20-Gipfels am Wochenende bringen vor allem der politischen Linke Probleme, meint der Politologe Werner Patzelt. Er kritisiert die vermeintliche öffentliche Nachsicht mit der linksextremen Szene in Deutschland. Autor Wolfgang Bittner widerspricht und warnt vor Instrumentalisierungen.

    Den Gipfel in Hamburg auszurichten sei kein Fehler gewesen, so Patzelt, Gründungsprofessor des Instituts für Politikwissenschaft an der Technischen Universität (TU) Dresden, im Interview mit Sputnik-Korrespondent Bolle Selke.

    „Ein Fehler war es, lange Zeit der linksextremen Szene mit all zu viel öffentlicher Nachsicht zu begegnen. So ist es nachgerade erwartbar geworden, dass Linksradikale und Linksextreme den Gipfel zu ihrer eigene Showveranstaltung gemacht haben.“

    Für Bundeskanzlerin Angela Merkel sei es gewiss unangenehm gewesen, ihren ausländischen Gästen eine Hamburger Silhouette zeigen zu müssen, die von schwarzen Rauchsäulen gekennzeichnet war. Dies würde den Anschein erwecken, die deutsche Regierung werde im eigenen Land einer Menge von gewaltbereiten Chaoten nicht Herr, so Patzelt. Ansonsten sei Merkels Position aber nicht im Mindesten erschüttert.

    Die größten Schwierigkeiten nach dem Gipfel in Hamburg würde die deutsche Linke haben. Nun ließe sich nicht länger behaupten, dass die Sache mit Linksterrorismus und linksextremer Gewalt in Deutschland einfach aufgebauscht würde. Der Politologe betonte:

    "Eindeutig hat die Partei Die Linke politischen Schaden davongetragen. Alle, die linksextreme Gewalt verharmlost oder beschönigt oder gerechtfertigt haben – dass sei doch notwendig, um sich gegen die Zumutungen der Globalisierung des Neoliberalismus oder weiß der Teufel was zu wehren –, haben es nun schwerer. Man lasse sich nur einmal kurz auf das Gedankenspiel ein, es hätten sich Pegida oder AfD-Sympathisanten so aufgeführt, wie sich das Menschen geleistet haben, die ihren politischen Standort auf der linken Seite haben. Wir könnten uns in Deutschland vor Gegendemonstrationen, Lichterketten und Friedensgebeten kaum mehr retten.“

    Nun werde die Linke sich schwer tun, weiterhin über linksradikale Gewalt zu schweigen, erklärte Patzelt. Ganz anders sieht der Jurist und Autor Wolfgang Bittner den Fall. Seiner Meinung nach würde das Thema nun gegen die linke Szene instrumentalisiert: „Es ist ja ein Unterschied, ob Demonstrationen unter Beteiligung linker Organisationen gegen den G20-Gipfel stattfinden oder ob da Verbrechen verübt werden. Jetzt wird das allgemein in den Medien so dargestellt, dass die linke Szene das zu verantworten hat. Das ist aber natürlich Unsinn."

    Bittner meint ebenfalls, dass Bundeskanzlerin Merkel gestärkt aus dem Gipfel hervorgehe. Für ihn sind die Auftritte mit den Präsidenten verschiedener Staaten der Welt auch Wahlkampf. Das sei eine bestimmte Strategie der CDU-Bundesvorsitzenden und ihrer Partei, die sicherlich erfolgreich sein werde.

    Das Interview mit Professor Werner Patzelt zum Nachhören:

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    Tags:
    Proteste, G20-Gipfel in Hamburg, Die LINKE-Partei, Angela Merkel, Bolle Selke, Deutschland
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