05:32 20 Juni 2019
SNA Radio
    Hetze und Agression (Symbolbild)

    Fotos vermeintlicher Rechter: „Die Zeit“-Blogger löst Hetzjagd auf Unschuldige aus

    CC0
    Politik
    Zum Kurzlink
    1711105

    Der freie Journalist und (offenbar schon suspendierte) Blogger bei „Zeit-Online“ Sören Kohlhuber‏ hat während der G20-Proteste in Hamburg Fotos vermeintlicher Mitglieder der „Identitären Bewegung“ publik gemacht und somit ganz bewusst Antifa-Anhänger dazu provoziert, unschuldige Menschen zusammenzuschlagen.

    „Am Fischmarkt zum Beginn der ‚Welcome to hell‘ – Demonstration fiel mir eine Gruppe von vier Personen mit Kameras auf. Eine Frau und drei Männer“, berichtet Kohlhuber in einer Stellungnahme auf seiner Website. Alles spielte sich am  6. Juli 2017 am Rande des G20-Gipfels in Hamburg ab.

    Die Frau habe ein blaues Shirt der „Identitären Bewegung“ getragen, so Kohlhuber, was ihn dazu veranlasst habe „wie immer“ Fotos von „solchen Personen“ zu machen und diese anschließend mit „entsprechenden Infos“ auf Twitter zu veröffentlichen.

    Screenshot
    © Foto : twitter
    Screenshot

    Kurze Zeit später werden die Passanten von anderen Usern identifiziert.  Zum Anlass der Hetzjagd wird die junge Frau im verhassten T-Shirt, die als kanadische Journalistin und Youtuberin Lauren Southern erkannt wird. Southern ist Mitglied der libertarianischen Partei, die im Grunde jenseits eines politischen Rechts-Links-Schemas liegt, jedoch offenbar tatsächlich eine Sympathisantin der Identitären Bewegung ist.

    Screenshot
    © Foto : twitter
    Screenshot

    Zu weiteren Zielscheiben der Antifa werden neben der Kanadierin aber auch der US-Journalist und Blogger Tim Pool, der einst den Shorty Award als „Bester Journalist des Jahres“ gewann und wohl eher als apolitisch gilt, Marcus DiPaola von heavy.com, der US-Blogger Luke Rudkowski, der als unabhängiger  Reporter über Proteste weltweit berichtet und der junge Dresdener Journalist Max Bachmann von eingeschenkt.tv. Alle vier haben nur eines wirklich gemeinsam  – investigativer Journalismus und würden sich nur kollegial kennen, wie sie später einräumten.

    Der Fehler von Southern, ein T-Shirt der Identitären anzuziehen, wird der gesamten Gruppe, die nur zeitweise zusammen unterwegs war, jedoch fast zum Verhängnis – es beginnt eine Hetzjagd im Live-Ticker-Modus: Sobald jemand von der Seite der Antiglobalisten die Gruppe sichtete, wurden auf der Stelle Standortangaben getweetet, um gewaltbereite Demonstranten auf die Spur der Reporter zu bringen. 

    Die Journalisten, die die Verfolgung bemerkt haben, teilen sich in zwei Gruppen auf.  Während Sothern und Pool es noch schaffen, sich in ihr Hotel zurückzuziehen, und im Nachhinein die ganze Nacht hindurch Tweets mit Morddrohungen erhielten, werden die anderen von gewaltbereiten Demonstranten aufgesucht, angegriffen und massiv bedroht  — alles wird in mehreren Videos festgehalten.

    Die Aufnahmen zeigen, wie DiPaola geschlagen wird, sich hinkniet, die Hände hebt und auf Englisch erklärt, dass es ihm leid tue und er kein Nazi sei. Rudkowski und Bachmann werden leicht verletzt, die Kameras und Technik entwendet. Nach mehreren Drohungen sehen die Journalisten sich gezwungen, den Protestzug zu verlassen.  

    „Ihr kennt mich, ihr kennt meine Berichte. Ich bin gegen das Establishment, ich bin gegen Autorität, ich bin gegen das System. Aber dieser ‚Journalist‘ zog es vor, mich ohne Überprüfung der Tatsachen als Faschist und Nazi zu bezeichnen“, teilte Rudkowski später in einer Youtube-Stellungnahme zu dem Zwischenfall mit. „Das ist Fake News. Ich bin weder noch. Ihr wisst das von meinem Kanal. Ich stelle Politiker zur Rede und konfrontiere die Mächtigen der Welt. Ich bin weder rechts noch links.“

    Auch Bachmann meldet sich zu dem Vorfall in einem Youtube-Video selber zu Wort:

    Im Internet schlägt dieser Vorfall mittlerweile große Wellen, wobei sich sogar Linke und Anti-Globalisten von Kohlhuber distanzieren. Der Journalist  sieht sich jedoch selber als Opfer eines „Shitstorms“ und einer „Kampagne“ gegen ihn:

    „Offenbar wurde die Gruppe bei Anti-G20-Protesten am Folgetag von Antifaschisten bedrängt und attackiert, weswegen eine Person ein Video erstellte und dabei mich samt Foto outete“, schreibt diesbezüglich Kohlhuber, der kurze Zeit davor ja selbst Fotos ihm völlig unbekannter Menschen publik machte.

    Screenshot
    © Foto : twitter
    Screenshot

    In einem Statement des „Störungsmelders“, des Online-Portals, für das Kohlhuber gearbeitet hat, ließ die „Zeit-Online“ am Montag nun Folgendes verlauten: „Die Verharmlosung oder Rechtfertigung von Gewalt ist nicht mit einer Mitarbeit beim Störungsmelder vereinbar. Wir werden daher mit beiden Autoren (offenbar war Kohlhuber nicht allein unterwegs, Anm. d. Red.) in Zukunft nicht mehr zusammenarbeiten.“

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren
    Tags:
    Zeit Online, Die Zeit, Sören Kohlhuber, Hamburg