19:58 24 April 2019
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    A police badge is pictured as French police protest near the Justice Ministry in Paris, France, October 14, 2015

    In Sicherheitsdienste infiltrierte Extremisten bedrohen Frankreich

    © REUTERS / Jacky Naegelen
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    Extremisten haben sich in die Armee, Polizei und Gendarmerie Frankreichs infiltriert, berichten französische Behörden und Medien. Welche Folgen das für das Land und Europa haben kann, hat Claude Tchicaya vom Istitut für strategische Forschungen Europas (Institut de Prospective et Sécurité en Europe, IPSE) in einem Gespräch mit Sputnik erklärt.

    Laut dem jüngsten Bericht des Ausschusses für Verteidigung und Militär der Nationalversammlung Frankreichs vom 22. Juni 2017 sind in der Armee des Landes etwa 50 Menschen auf die Verdächtigenliste geraten, Verbindungen zum Extremismus zu haben. In den meisten Fällen seien unter dieser Formulierung radikale Islamisten zu verstehen.

    Der französische Fernsehsender BFMTV teilte mit, Islamisten hätten vor, in die Streitkräfte des Landes einzudringen, um Terroranschläge zu verüben. Eine nicht weniger beunruhigende Situation gebe es auch bei der Polizei und der Gendarmerie, äußerten die Journalisten Christophe Dubois und Eric Pelletier. In ihrem im Januar veröffentlichten Buch „Wo stecken unsere Spione?“ („Où sont passés nos espions?“) schrieben sie, dass von 2012 bis 2015 in der französischen Polizei insgesamt mindestens 17 Radikale aufgedeckt worden seien. Der Leiter der Nationalgendarmerie soll im Januar gesagt haben, es gebe Dutzende solcher Fälle.

    „Es besteht eine reale Gefahr, denn sie können alle ihr zu Verfügung stehenden Mittel (Datenbanken oder Waffen – Anm. d. Red.) benutzen, um Komplizen von grausamen Taten in unserer Gesellschaft zu werden“, so Tchicaya.

    Konkrete Fälle, in denen Extremisten in solche Strukturen wie Armee oder Gendarmerie eingedrungen seien, seien veröffentlichet worden. Eine Radikalisierung habe es in diesen Berufen aber schon seit mehreren Monaten, wenn nicht Jahren gegeben.

    „Im Jahr 2016 gab es mehr als hundert Fälle. Das Gleiche war auch in den vergangenen Jahren zu verzeichnen. Ab den 1990er Jahren betraf es Berufe aus dem Lehr- und Verkehrsbereich. Wenn man zur Arbeit kommt, lässt man ja seine Überzeugungen nicht hinter der Tür“, sagte der Experte.

    Das Problem betreffe alle Hierarchie-Ebenen und nicht nur Polizisten in einem Revier oder Absolventen. Darüber hinaus sei es schwierig, einen echten Radikalen aufzudecken, da diejenigen, die sich ziemlich auffallend benehmen würden, nicht immer tatsächlich radikalisiert seien.

    „Ihre Handlungen können auch andere Berufe beeinflussen, durch die sie Informationen für ihre rechtswidrigen Aktivitäten bekommen können. Sie können sowohl private als auch nationale und sogar internationale Interessen schädigen“, so Tchicaya.

    Dieser Trend dürfe sich nicht verbreiten und müsse so schnell wie möglich gestoppt werden.

    Zuvor hatten Medien berichtet, dass im August 2016 in Frankreich etwa zehn Lehrer vorübergehend entlassen worden seien, weil sie angeblich auf der sogenannten Liste potenzieller Terroristen stünden. Im Dezember 2015 wurde wegen Radikalisierung etwa 70 Mitarbeitern der Flughäfen von Roissy und Orly der Zutritt in den Flugbereich untersagt.

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    Tags:
    Gendarmerie, Radikale, Islamisten, Extremismus, Sicherheit, Polizei, Armee, Institut de Prospective et Sécurité en Europe, IPSE, Claude Tchicaya, Roissy, Orly, Frankreich