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    Luftangriffe gegen IS, Mossul, Irak

    Der Westen ist ahnungslos: Was kommt nach Mossul?

    © AP Photo / Felipe Dana
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    Der IS im Irak ist praktisch vernichtet. Heißt das jetzt, die Amerikaner und ihre irakischen Verbündeten können siegestrunken feiern? Der israelische Publizist Avigdor Eskin warnt vor Folgen, die im Westen kaum gesehen werden.

    Es entspreche zwar nicht den gängigen Erklärungsmustern, doch:

    „Die Einwohner von Mossul wehrten sich nicht gegen Al-Baghdadi und seine Anhänger, als diese die nordirakische Stadt stürmten. Viele fassten den Sieg des IS in Mossul als eine Vergeltung an den Schiiten auf, die mit Hilfe der US-Amerikaner an die Macht gelangt waren“, schreibt Eskin.

    „Der IS konnte Mossul einnehmen, weil die Bevölkerung dieser nordirakischen Stadt sich mit Al-Baghdadis Horden solidarisierte. Die Amerikaner haben ja nach ihrem Einmarsch in den Irak die Armee Saddam Husseins – größtenteils aus Sunniten bestehend – aufgelöst. Die ehemaligen Soldaten waren in den Reihen radikaler Gruppierungen höchst willkommen. So waren einige von ihnen zum IS gelangt und stürmten später Mossul.“

    Die Amerikaner verstünden noch gar nicht, was in naher Zukunft in Mossul auf sie zukomme. Die Lage dort sehe ja so aus, als hätten die IS-Kämpfer sich in der Stadt verstreut und würden jetzt friedlich weiterleben.

    „Doch man kann mit Sicherheit sagen, dass sie ihren Unterschlupf schon bald verlassen werden, um Anschläge gegen die US-Amerikaner und die Iraner zu verüben“, ist der Publizist überzeugt. Kürzlich erst habe sich eine IS-Anhängerin zusammen mit ihrem einjährigen Baby in die Luft gesprengt, schreibt er.

    Dass Mossul eine sunnitische Stadt sei, die sich mit einer schiitischen Macht nicht abfinden werde, sei in den westlichen Medien indes nicht zu hören, betont der israelische Journalist.

    „Diese Experten denken nicht darüber nach, dass dort bald auch die Amerikaner dran sind, wie es im Irak schon häufig der Fall war. Die USA dachten ja schon einmal, im Irak werde Frieden einziehen, wenn sie dort erstmal einmarschiert sind und die Armee Saddam Husseins aufgelöst haben.“ „Sie dachten ja auch, mit dem Arabischen Frühling und den Muslimbrüdern würden Frieden und Ruhe auch in Ägypten und Libyen einziehen.“

    Doch die USA wiederholen ihre Fehler aus früheren Kriegen, die sie ohne ernsthafte Planung und Aufarbeitung vorantrieben, wie Eskin schreibt.

    Und es gebe einen weiteren wichtigen Aspekt, den die westlichen Strategen nicht angemessen berücksichtigt haben: „Die verbliebenen Terroristen erstarken in Libyen und anderen afrikanischen Ländern wieder. Sie bereiten sich darauf vor, dort neue Gebiete zu erobern“, so der Publizist.

    Einige Strategen in Washington hätten das durchaus begriffen. „General Michael Flynn hatte einen weitreichenden Libyen-Plan ausgearbeitet. Dessen Ablösung aber und das Einfrieren gemeinsamer Programme mit Russland führte jedoch dazu, dass der Wiederaufbau eines normalen Lebens in Libyen und der Kampf gegen die dortigen Terroristen ausgeblieben ist“, so Eskin.

    Auch wenn das in die gängigen Muster westlicher Medien gar nicht passe: „Wichtige humanitäre und Anti-Terror-Arbeit leistet dort derzeit nur Russland“, schreibt der israelische Publizist weiter.

    Überhaupt: „Wären Moskaus Bomben nicht gewesen, hätte der IS höchstwahrscheinlich sowohl Damaskus als auch Bagdad eingenommen“, zitiert Eskin einen israelischen Nahostexperten.

    Nach westlicher Lesart sei Russland nur damit beschäftigt gewesen, die gemäßigte syrische Opposition zu schwächen, während die glorreiche Anti-IS-Koalition den Großteil der Arbeit erledigt habe.

    „Doch haben die Vereinigten Staaten wieder einmal etwas aus dem Blick verloren, etwas nicht berücksichtigt und nicht bedacht. Und als dann einer berücksichtigt und bedacht hat, wurde sein Programm einfach auf Eis gelegt. Derweil können nur Washington und Moskau gemeinsam die weitere Ausbreitung der Terroristen verhindern“, mahnt der Publizist.

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    Tags:
    Sieg, Folgen, Zukunft, IS, Michael Flynn, Russland, Irak, USA