14:23 15 November 2019
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    Glaube an russische Fake-Stadt: US-Politiker brauchen Geografie-Nachhilfe

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    Der TV-Sender Russia Today hat Teile eines Berichts des US-Außenministeriums zum Kampf gegen Menschenhandel veröffentlicht. Darin wird den russischen Behörden vorgeworfen, einer kirchlichen Unterkunft für Obdachlose in Kitesch die Hilfe verweigert zu haben. Doch eine Stadt namens Kitesch gibt es gar nicht.

    Fragment eines Dokuments, in dem über ein Obdachlosenheim in Kitesch berichtet wird
    © Foto : Screenshot
    Fragment eines Dokuments, in dem über ein Obdachlosenheim in Kitesch berichtet wird

    In dem Dokument heißt es:

    „In der beschriebenen Periode begann das Obdachlosenheim der Russisch-Orthodoxen Kirche in Kitesch Opfer aufzunehmen und ihnen Lebensmittel und Aufenthalt zu bieten, doch sie erhielten keine psychologische und medizinische Hilfe. Die Regierung hat dem Heim keine Finanzhilfe geleistet.“

    Es ist nicht verwunderlich, dass die russischen Behörden die im Bericht erwähnte Einrichtung nicht finanzierten, weil sie sich nach Angaben des US-Außenministeriums in Kitesch befindet. Doch das ist eine mythische Stadt, die einer Legende zufolge am Swetlojar-See im Gebiet Nischni Nowgorod liegt.

    Danach versank das legendäre Kitesch zufolge im 13. Jahrhundert im Swetlojar-See, um eine Schändung durch die tatarisch-mongolischen Eroberer zu verhindern. Diese Legende gilt bis heute. Der See wird manchmal „Russische Atlantis“ genannt. Laut Pilgern kann man an ruhigen Tagen am Swetlojar-Ufer die Glockenspiele der mythischen Stadt hören.

    Es ist zu vermuten, dass die Verfasser des Berichts in Unkenntnis der russischen Kultur und Geografie den Namen der Wohltätigkeitsorganisation mit dem Namen der Stadt verwechselten. Doch im Bericht gibt es keine weiteren geografischen Verweise. Es ist merkwürdig, dass US-Diplomaten und Menschenrechtler, die Objektivität bei den Angaben beanspruchen, einen solchen peinliche Fehler in einem Bericht zu einem ernsthaften Thema machten – falls die im Bericht angegebenen Informationen einfach erfunden wurden.

    Durcheinander bei G20-Gipfel

    Dieser Fall ist einfach eines von vielen Beispielen für geografische Irrtümer in öffentlichen Erklärungen von US-Politikern. Senatoren, Minister und auch Präsidenten der USA verwechseln seit vielen Jahrzehnten die Bezeichnungen von Ländern, ihrer Hauptstädte und machten Fehler bei ihrer Verortung auf der Karte.

    Solche Fehler gab es ebenfalls beim G20-Gipfel in Hamburg. Vor dem Treffen der Präsidenten der USA und Chinas nannte das Büro des Sprechers des Weißen Hauses Xi Jinping „Präsident der Republik China“, womit die offizielle Bezeichnung der teilweise anerkannten Republik Taiwan genannt wurde. Das Weiße Haus verwechselte ebenfalls den Präsidenten Indonesiens Joko Widodo, der sich mit Trump traf, mit dem Premier Singapurs Lee Hsien Loong, und nannte Shinzo Abe den Präsidenten Japans.

    Koreanische Krim

    Das Mitglied des Repräsentantenhauses von Kalifornien, Maxine Waters, sagte im Februar, dass gegen Trump ein Amtsenthebungsverfahren eingeleitet werden soll, weil er zu stark mit Putin sympathisiert, der „weiter nach Korea vorrückt“. Die Parteikollegen Waters sagten Journalisten, dass Waters wohl eher die Halbinsel Krim meinte, deren Bezeichnung auf Englisch der von Korea ähnelt. Doch auch wenn ein solcher Fehler passieren kann, ist nicht ganz klar, was Waters unter „Vorrücken“ meinte, weil die Krim und Sewastopol russische Gebiete nach einem Referendum vom März 2014 wurden und ihren Status seit der Zeit nicht änderten.

    Waters Irrtum ist kein einmaliger Fall. In Interviews von US-Politikern kommen gravierende Lücken bei den Geografie-Kenntnissen ans Licht, auch wenn dies aktuelle politische Fragen betrifft. So wurde der Präsidentschaftskandidat der Libertarian Party, Gary Johnson, 2016 mit einer Frage über das syrische Aleppo verwirrt. Der Moderator diskutierte mit Johnson die Syrien-Krise. Damals gab es in der Stadt erbitterte Kämpfe zwischen den Regierungskräften und den Extremisten, die den östlichen Teil der Stadt erobert hatten.

    „Aleppo. Was ist Aleppo?“, fragte Johnson. Der Journalist war von der Antwort des Politikers so überrascht und fragte sogar, ob das kein Scherz war. Als Johnson bestätigte, dass er wirklich nicht weiß, was es ist, musste der Moderator ihm helfen. „Aleppo liegt in Syrien. Das ist ein Brennpunkt der humanitären Katastrophe.“ Johnson darauf: „Ja, ich habe verstanden. Verstanden.“

    Auffallend ist, dass die Zeitung „New York Times“ dann, sich über diesen Fehler lustig machend, Aleppo als Hauptstadt von Syrien bezeichnete.

    Hier ist nur die Frage zu stellen: Wie entwerfen US-Politiker ihre außenpolitische Agenda, wenn ihre Gedanken statt auf der Krim in Korea oder in dem versunkenen Kitesch sind.

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    Tags:
    Obdachloser, Mythen, Fake-Berichte, G20-Gipfel, US-Außenministerium, Xi Jinping, Syrien, Russland, USA