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    Proteste in Hamburg 08.07.2017

    „Wir hatten mehr Angst vor den Maschinengewehren der Polizei“ – Hamburger Einwohner

    © RIA Novosti . Ilona Pfeffer
    Politik
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    Einige Geschäfts- und Gewerbetreibende des von den Krawallen betroffenen Hamburger Schanzenviertels haben eine Stellungnahme auf Facebook veröffentlicht: Polizei und Politiker ratlos, schwarz gekleidete Menschen hilfsbereit.

    In dem Schreiben schildern die Geschäftsleute die Ereignisse der Nacht vom 7. zum 8. Juli. Sie merken an, dass es kein politisches Statement und „noch viel weniger die Idee einer neuen, besseren Welt“ in den Plünderungen und Straßenkämpfen zu erkennen gewesen sei. Andererseits kritisieren sie das Verhalten der Polizei, die tagelang oft grundlos die Wasserwerfer eingesetzt habe und unangemessen gewaltsam gegenüber den Demonstranten vorgegangen sei. 

    Dass der sogenannte Schwarze Block in dieser Nacht auf den Straßen tobte, bezweifeln die Geschäftsleute. Sie haben lauter Schaulustige und Jugendliche wie „beim Fußballspiel oder Bushido-Konzert“ beobachtet, die sonst auch ihre Lokale besuchen. Im Gegenteil versuchten die vermummten, schwarz gekleideten Menschen die Menschen von Gewalt abzuhalten. Die Gewerbetreibenden halten es auch für falsch, von linken Protesten zu sprechen, und schlagen ihre eigene Version vor:

    „Es war eher die Mischung aus Wut auf die Polizei, Enthemmung durch Alkohol, der Frust über die eigene Existenz und die Gier nach Spektakel – durch alle anwesenden Personengruppen hindurch –, die sich hier Bahn brach.“  

    In einem allerdings sind die Geschäftsleute sich sicher: „Wir bekommen seit vielen Wochen mit, wie das ‚Schaufenster moderner Polizeiarbeit‘ ein Klima der Ohnmacht, Angst und daraus resultierender Wut erzeugt“, heißt es in der Stellungnahme.

    Die Vorwürfe der Ratlosigkeit gelten auch der in der Stadt regierenden Rot-Grünen Koalition, die sich auf der internationalen Bühne etablieren wollte, innenpolitisch aber versagt hat. Die Organisation des Gipfels sei vollkommen der Polizei überlassen worden, obwohl im Fall einer Millionenmetropole ein konsequenter gesellschaftlicher Dialog gefragt sei. Die Regierung betrachte jedoch jegliches abweichende politische Statement als „pauschal kriminalisiert“. 

    Die Einwohner des Viertels geben schließlich zu, dass sie mehr Angst vor den polizeilichen Maschinengewehren als vor den Protestierenden hatten: „Die sind dumm, lästig und schlagen hier Scheiben ein, erschießen dich aber im Zweifelsfall nicht.“ 

    „Wir leben seit vielen Jahren in friedlicher, oft auch freundschaftlich-solidarischer Nachbarschaft. (…) Daran wird auch dieses Wochenende rein gar nichts ändern“, lautet das optimistische Fazit dieser Stellungnahme.

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