00:52 23 November 2017
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    Soldaten kanadischer Armee während Nato-Übungen in Lettland

    Nato im Baltikum: "Militär wartet auf Kommando 'Fass!'"

    © REUTERS/ Ints Kalnins
    Politik
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    Die Nato-Kriegsmaschinerie rollt immer weiter auf Russland zu: Fünf Mal schon hat die Allianz allein in diesem Jahr im Baltikum geübt, wie Alexej Kondratjew vom Verteidigungs- und Sicherheitsausschuss des Föderationsrates feststellt. Die Onlinezeitung „Swobodnaja pressa“ hat mit Experten gesprochen, um die Lage einzuschätzen.

    „Die Lage im Baltikum ist höchst instabil“, mahnt das Mitglied des russischen Oberhauses. Die NATO übe eine Offensive gegen Kaliningrad und verstärke ihr Heereskontingent in Polen und Litauen. Auch habe die Allianz bei den Manövern Schiffe eingesetzt, deren Marschflugkörper nicht nur Kaliningrad, sondern auch St. Petersburg treffen könnten. Die sei aus russischer Sicht besorgniserregend.

    In der Tat bereitet die Nato einen Angriff auf Russland vor, wie aus einer Vielzahl von Faktoren ersichtlich ist. Dies sagte Viktor Litowkin, Militärbeobachter und ehemaliger Oberst der russischen Armee, der Onlinezeitung. „Im Baltikum werden eifrig Straßen bis an Russlands Grenzen gebaut, Militärflugplätze und weitere Armeeinfrastruktur modernisiert“, sagt der Experte.

    Besonders aktiv im Nordosten des Nato-Gebiets seien die USA: „In Polen sind schon eine motorisierte Infanteriebrigade und eine schwere Panzerbrigade stationiert. Nach Polen und Litauen werden Patriot-Raketen geschickt. Außerdem werden Truppenverlegungen nach Polen und in die baltischen Staaten geübt“, zählt der Experte auf. Es entstehe der Eindruck, das US-Militär warte nur auf das Kommando „Fass“.

    Aber so könne eben das Gefühl einer „russischen Bedrohung“ am Kochen gehalten und die EU weiter dazu gebracht werden, zwei Prozent ihres Haushalts für die Allianz auszugeben.

    Sorglos mitansehen, wie dies alles vor den Stadttoren St. Petersburgs passiert, kann Moskau auch nicht: Die USA zwingen Russland in ein Wettrüsten, wie der Experte sagt.

    „So große Rüstungsausgaben wie zu Sowjetzeiten haben wir jetzt natürlich nicht. Dennoch mussten wir zusätzliches Geld in die Hand nehmen: Wir müssen Brigaden zu Divisionen ausbauen, neue Infrastruktur errichten – Fahrzeugdepots und Kasernen in der Oblast Leningrad zum Beispiel.“

    Derweil lässt Russlands atomares Abschreckungspotential den USA keine Ruhe „Russische Raketensilos hinter dem Ural bleiben für die Amerikaner bislang unerreichbar.“ Eben deshalb sind die Ostsee und das Schwarzmeer für Washington so wichtig: Von dort aus können seine Tomahawks russische Interkontinentalraketen in der Oblast Twer und der Oblast Kaluga treffen – in unmittelbarer Nähe von Moskau, so der Experte.

    Aber sind die Nato-Bodentruppen wirklich so schlagkräftig, wie sie tun?

    „Was wir in Afghanistan, im Irak und in Libyen gesehen haben, ist nicht gerade beeindruckend. Es steht auch in den Sternen, ob die Allianzmitglieder im Falle eines Krieges gegen Russland eine Einheitsfront bilden würden“, sagt der Militärkenner Litowkin. Doch er warnt sogleich vor voreiligen Schlüssen: „Den Gegner unterschätzen würde ich nicht. Manchmal kann selbst ein kleiner Biss sehr schmerzhaft sein.“

    Der russische Politologe Igor Nikolaitschuk ist aber überzeugt: Eine militärische Aggression wird die Nato gegen Russland nicht wagen. Denn: „Worum es der Allianz wirklich geht, ist Eigenlegitimation. Die Allianz ist sehr besorgt, dass es in der Welt keine wirkliche Bedrohung gibt, die die Existenz eines solchen gewaltigen Militärbündnisses rechtfertigen würde“, sagt er.

    Die Ukraine-Krise und die Krim sei eben ein willkommener Anlass gewesen, die „russische Bedrohung“ an die Wand zu malen.

    „Denn seien wir mal ehrlich: Russland könnte die baltischen Staaten innerhalb weniger Tage, wenn nicht Stunden, einnehmen. Doch was hätten wir davon? Zusätzlichen Vorteil jedenfalls nicht. Wir sind im Baltikum schon präsent, durch Petersburg und Kaliningrad“, sagt der Politologe.

    Der Experte ist sich sicher: „Die Nato versteht sehr gut, dass Russland diese beiden Städte um jeden Preis halten wird – und im Falle einer Bedrohung für Petersburg oder Kaliningrad auch Atomwaffen einsetzen.“

    Insgesamt gesehen ist das Baltikum auch weniger für die USA als für die Briten innerhalb der Nato von Bedeutung, wie der Politologe sagt. „Sie haben sich schon im Ersten Weltkrieg in den Kopf gesetzt, dass weder Russland noch Deutschland großen Einfluss in dieser Region haben dürfen, weil sie dadurch Zugriff zum gesamten Osteuropa bekämen“, sagt der Experte abschließend.

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    Tags:
    Vorbereitung, Grenzen, Truppenkonzentration, Angriff, Atomwaffen, NATO, Osteuropa, Baltikum, Polen, Russland
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