18:57 18 Januar 2018
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    Katars Zentralbankchef Scheich Abdullah Saud al Thani (Archivbild)

    Katar hält Blockade stand – Linken-Politiker warnt vor „heißem Konflikt“

    © REUTERS/ Hamad I Mohammed
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    Während die arabischen Nachbarn Katar bedrohen, signalisiert das isolierte Emirat Stärke. Das Gas fließt, die Notenbank sitzt auf milliardenschweren Dollarreserven. Doch was passiert, wenn Saudi-Arabien weiter an der Schraube dreht? "Das kann zu einem richtig heißen Konflikt werden", glaubt der Linken-Politiker Tobias Pflüger.

    Katars Zentralbankchef Scheich Abdullah Saud al Thani verkündete in dieser Woche, sein Land habe genug Geld, um jede Art von Schock zu verkraften. Die Botschaft: Dem kleinen Golfstaat können die Drohungen aus Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten nichts anhaben. Der Vizevorsitzende der Partei Die Linke, Tobias Pflüger, ist mit Blick auf die Region jedoch höchst besorgt:

    „Was wir da gerade erleben, ist ein geostrategischer Konflikt in dieser Golfregion. Saudi Arabien wirft der Führung von Katar zu viel Nähe zum Iran vor. Das Interessante ist tatsächlich, mit welcher Härte der Konflikt ausgetragen wird.“

    Geostrategisch habe Katar aufgrund eines gemeinsamen Gasfeldes mit dem Iran ein Interesse daran, weiter mit seinem Nachbarn zusammenzuarbeiten. Eigentlich gehe es um einen Konflikt zwischen Saudi-Arabien und dem Iran, so Pflüger.

    Während Deutschland in vielen internationalen Krisen gerne und oft eine Vermittlerrolle einnimmt, will sich die Bundesregierung in diesen Konflikt jedoch nicht einmischen. Für Pflüger ist der Hintergrund offensichtlich:

    „Die Bundesregierung ist zu nah an Saudi-Arabien dran. Man kann kein Vermittler in einem Konflikt sein, wo man so eindeutig auf einer Seite ist. Saudi-Arabien ist quasi der engste Freund in der Region und es ist das Verbrecherregime, auf das die Bundesregierung in der Region setzt.“

    Als Vermittler müsste Berlin Riad auf eigene Fehler aufmerksam machen, was aber laut Pflüger von der Bundesregierung unerwünscht sei.

    Die vier benachbarten Regionalmächte Saudi Arabien, Bahrain, die Vereinigten Arabischen Emirate und Ägypten werfen Katar Terror-Unterstützung und enge Kontakte zum Iran — dem Erzfeind Saudi-Arabiens — vor. Könnten Deutschland und Europa überhaupt zu einer Entspannung beitragen? Pflüger ist sich sicher:

    „Zum Beispiel könnte die Europäische Union Saudi-Arabien sagen, sie soll mit der Bombardierung von Zivilbevölkerung im Jemen aufhören. Da gibt es nach wie vor keine Stellungnahme und keine Reaktion vernünftiger Art dazu. Dann gibt es eine ganze Reihe von engsten Kooperationen mit Saudi-Arabien, in den Bereichen Geheimdienst, Polizei, Militär“.

    Diese könnte die Bundesregierung laut dem Linken-Politiker sofort beenden. Es gäbe eine ganze Reihe von Möglichkeiten, die aber politisch nicht gewollt seien.

    Bislang perlten alle Beschuldigungen und Forderungen an Katar ab. Erst vergangene Woche ließ Doha ein Ultimatum seiner arabischen Nachbarn verstreichen. Man werde keine Bedingungen akzeptieren, die man für eine Verletzung des Völkerrechts halte, hieß es. Sollte Riad aber den Druck erhöhen, könnte dies schlimme Folgen haben, befürchtet Pflüger:  

    „Dann hat es ein richtiges Potential nicht nur für einen Regionalkonflikt. Auch auf der rein militärischen Ebene. Die Türkei schickt jetzt Truppen nach Katar, Saudi-Arabien rüstet in der Region direkt an der Grenze auf. Da wird jetzt gerade richtig hochgefahren und das kann auch zu einem richtig heißen Konflikt werden.“

    Deshalb wäre es umso wichtiger, dass die Bundesregierung Vermittlungen anbiete, meint der Politiker.

    Die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) sind bereits einen Schritt weitergegangen und haben mit weiteren Sanktionen gedroht. US-Außenminister Rex Tillerson hofft zwar nach seinen jüngsten Unterredungen mit den Konfliktparteien, dass diese nun miteinander ins Gespräch kommen. Doch aus den Reihen von Katars arabischen Rivalen kommen weiter ablehnende Töne.

    Marcel Joppa

    Das Interview zum Nachhören:

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    Tags:
    Geld, Die LINKE-Partei, Zentralbank, Tobias Pflüger, Marcel Joppa, Katar, Deutschland
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