22:43 17 Dezember 2017
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    Trotz Widerstandes von Pentagon: Kongress setzt Aufstellung von „Weltraumkorps“ durch

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    Der US-Kongress dürfte demnächst ein Gesetz über die Aufstellung der sogenannten Weltraumtruppen verabschieden. Die Intrige besteht darin, dass mehrere US-Generäle, darunter Pentagon-Chef James Mattis, kategorisch gegen die Bildung dieser Struktur sind, schreibt die russische Zeitung „Wsgljad“ (Blick) in ihrer Onlineausgabe (vz.ru).

    Folgt denn der Kongress einem Beispiel Russlands, das seine Weltraumtruppen bereits vor Jahren aufgestellt hat? Und warum ist Mattis dagegen?

    Die Kongressabgeordneten gehen mit allem Ernst vor und wollen ihre militärischen Ambitionen im Weltall befriedigen. Am vergangenen Mittwoch lehnten sie eine Gesetzesänderung ab, mit der die Regierung (sprich Pentagon) versuchen wollte, die Initiative zur Aufstellung eines Weltraumkorps der USA zu blockieren.

    US-amerikanische Weltrauminfanterie-Bataillone

    Die Idee wurde von Mitgliedern des Unterausschusses für strategische Kräfte des Repräsentantenhauses im Juni unterbreitet. Laut Gesetzesvorlage soll das US-Verteidigungsministerium die neue Teilstreitkraft bereits zum 1. Januar 2019 ins Leben rufen. 

    „Wir sollen jetzt Schritte zur Festigung der nationalen Sicherheit im All unternehmen und eine Grundlage zum Schutz des Weltraumes als eines wichtigen Elements der nationalen Sicherheit schaffen“, betonten die Urheber der Initiative – der Republikaner Mike Rogers und der Demokrat Jim Cooper. Ihren Angaben zufolge ist das Verteidigungsministerium derzeit nicht in der Lage, effektiv auf Herausforderungen der nationalen Sicherheit im Weltall zu reagieren. Mehr noch. Das Pentagon sei sich nicht einmal über das Ausmaß des Problems im Klaren.

    Strukturmäßig wird der Weltraumkorps in die Luftwaffe integriert, bleibt de facto aber eigenständig. Die Autoren vergleichen das mit dem Status des Korps der US-Marineinfanterie, der nominell zu den Seestreitkräften gehört.

    Die neue Teilstreitkraft ist für die Abwendung von Bedrohungen aus dem All bestimmt. Science-Fiction-Freunde würden sich sofort Bataillone von Weltrauminfanteristen vorstellen, die das Universum mit ihren Raumschiffen patrouillieren. Aber in diesem Fall geht es um das Personal auf dem Boden, das Aufklärungsapparate in den Orbit startet und sie steuert.

    Warum ist das Pentagon dagegen?

    Auf den ersten Blick dürfte die Idee den Erwartungen der US-amerikanischen Militärführung Rechnung tragen. Zugleich kann dadurch zusätzliche Finanzierung durchgesetzt werden. Aber in der Struktur des Verteidigungsministeriums, vor allem in der Luftwaffe, gibt es bereits Truppenteile, die für den Weltraum zuständig sind. Eben deshalb bezeichnete Pentagon-Chef Mattis die Aufstellung eines eigenständigen Weltraumkorps als verfrüht.

    Auch US-Luftwaffenchefin Heather Wilson bezeichnete den Vorstoß als überflüssig. Die Fliegerkräfte hatten bereits ohnehin schon eine höhere Finanzierung von Weltraumprogrammen aus dem Etat vorgeschlagen. Zudem wurde ihre Reform angekündigt, die die Erhöhung der Effizienz und eine bessere Koordinierung zum Inhalt hat.

    Eigenständige Teilstreitkraft uneffektiv

    Die Kongressabgeordneten weisen darauf hin, dass das Pentagon den Weltraumprogrammen nicht genug Aufmerksamkeit schenkt. Das für die Förderung von Weltraumprogrammen der US-Luftwaffe bestimmte Geld werde mitunter zweckentfremdet verwendet.

    Der frühere Vize-Befehlshaber der russischen Luftwaffe, Generalleutnant Aitetsch Bischew, hält die Idee des US-Kongresses ebenfalls für logisch und zeitgemäß. „In den USA gibt es schon lange bestimmte Elemente der Weltraumtruppen. Jetzt sollen sie zentralisiert werden“, sagte er in einem „Wsgljad“-Interview.

    Andererseits sei die Position des Pentagons nicht zu ignorieren. „Die Aufstellung der neuen Truppen wird die ohnehin schon nicht einfache Struktur der US-Streitkräfte noch mehr verkomplizieren. Dagegen will Mattis die Streitkräfte reorganisieren und optimieren. Und die Initiative des Kongresses steht ihm dabei im Wege“, sagte Bischew.

    Militärexperte Viktor Murachowski hält die Idee eines eigenständigen Weltraumkorps für nicht zweckmäßig. „Die bisher gesammelten Erfahrungen zeigen, dass dies nicht effektiv wäre. Solche Truppen können kaum aktiv sein, wenn sie nur auf sich selbst angewiesen werden. In jedem Fall werden sie sich gezwungen sehen, die Boden-Infrastruktur, das Kommunikations- und Steuersystem und das System der materielltechnischen Versorgung anderer Teilstreitkräfte zu nutzen, vor allem der Luftwaffe“, sagte der Experte dem Blatt.

    Murachowski erinnerte daran, dass die US-Militärs auch ohne diese Idee bereit sind, ihre Weltraumprogramme zu realisieren. „Handlungen des Kongresses resultieren höchstwahrscheinlich aus Aktivitäten von Lobbyisten von Luft- und Raumfahrtunternehmen, denen die Aufstellung des Weltraumtkorps nur in die Hand spielen würde“, sagte der Experte.

    Erfahrungen Russlands und Chinas kaum nutzbar

    Der Kongress weist aktiv an die Erfahrungen Russlands und Chinas hin, die bereits ihre Streitkräfte reorganisiert und sie der Abwendung von Bedrohungen aus dem Weltraum angespasst haben. Es sei aber daran erinnert, dass Russland nicht auf die Schaffung einer selbstständigen Teilstreitkraft gesetzt, sondern die bereits bestehenden Weltraumkräfte 2015 mit der Luftwaffe zu den Luft- und Weltraumkräften zusammegelegt hat.

    Murachowski zufolge waren die russischen Weltraumkräfte seinerzeit zu einer eigenständigen Struktur ausgegliedert worden, was sich als uneffektiv erwies. „In diesem Fall sollten nicht die Urheber des Projekts, sondern eher Mattis für die Nutzung russischer Erfahrungen plädieren“, sagte der Experte.

     

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