13:39 25 September 2017
SNA Radio
    Das erste bilaterale Treffen von Emmanuel Macron und Angela Merkel in Berlin

    „Deutschland wird zu einem Problem“: Macron und Merkel als Rivalen

    © REUTERS/ Hannibal Hanschke
    Politik
    Zum Kurzlink
    3072009925

    Frankreichs Präsident Macron ist offenbar unzufrieden mit der deutschen EU-Dominanz. Falls es ihm gelingt, die französische Wirtschaft anzukurbeln, könnte er genug Chancen für eine Rivalität mit Kanzlerin Merkel bekommen. Diese Prognose liefert die russische Zeitschrift „Expert“.

    Die Zeitschrift titelt in ihrer Onlineausgabe: „Deutschland wird zu einem Problem.“ Im Kommentar heißt es: „Vor seinem Treffen mit Angela Merkel hatte Emmanuel Macron öffentlich Deutschlands Politik kritisiert, die aus seiner Sicht Interessen der übrigen EU-Länder widerspricht. Damit machte er sacht seine Ansprüche auf jene Rolle des EU-Spitzenreiters geltend, die eigentlich Deutschland vorbehalten zu sein scheint.“ 

    In einem Interview mit der „WAZ“ hatte Macron gesagt: „Ich möchte, dass die Eurozone einheitlicher wird und dass es mehr Übereinstimmungen gibt. Sie funktioniert nicht gut, weil die Schere immer weiter auseinandergeht (…) Es gibt Gewinner: Deutschland zählt dazu, da es in der Lage war, Reformen durchzuführen. Ich begrüße die Anstrengungen, die es dazu unternommen hat. Aber Deutschland profitiert auch von den Missständen in der Eurozone.“

    Der „Expert“ kommentiert nun weiter, Macrons Interview enthalte Anklänge an Donald Trumps Vorwürfe gegen Deutschland: „Auch ihm missfällt das zunehmende Handelsdefizit gegenüber ‚Europas Lokomotive‘. Trump hält die steigende wirtschaftliche Mächtigkeit Deutschlands ebenfalls für ein Problem, mit dem etwas getan werden soll. Im Unterschied zu seinem amerikanischen Amtskollegen sprach Macron allerdings nicht aus der Position eines Nationalisten heraus, sondern aus der eines Befürworters der EU-Einheit.“

    „Im Gegensatz zu seinen Amtsvorgängern Nicolas Sarkozy und François Hollande gab der gegenwärtige französische Präsident ziemlich klar zu verstehen, dass die Rolle der ‚Nummer zwei‘ im Tandem mit Deutschland ihm nicht recht ist. Seine Rolle will Macron sowohl bei den Gesprächen mit Russland spielen (offenbar hätte er nichts dagegen, als ‚böser Bulle‘ zu agieren) als auch bei der Lösung jener Probleme, mit denen die EU nach Trumps Wahlsieg konfrontiert wird, aber auch bei der EU-Reformierung“, schreibt die russische Zeitschrift.

    Diese Reformierung sei angesichts des britischen EU-Ausstiegs kaum zu vermeiden: „Die Briten hatten den wirtschaftlichen und politischen Einfluss Deutschlands gewissermaßen eingeschränkt. Nun wird Berlin die EU ungeteilt dominieren, was bei weitem nicht nur Macron missfällt.“

    Frankreichs Anspruch auf eine herrschende Rolle in Europa sehe vorerst allerdings unbegründet aus. Wegen seiner wirtschaftlichen Probleme sei das Land derzeit nicht in der Lage, es mit Deutschland aufzunehmen. Macron habe jedoch einen erheblichen Vertrauensvorschuss bekommen – nicht nur von den Wählern, sondern auch von der französischen Elite. Dies könne ihm ermöglichen, die notwendigen Reformen durchzusetzen, um die stotternde französische Wirtschaft anzukurbeln, hieß es.

    Falls Macron Erfolge erziele, sei eine Rivalität zwischen Frankreich und Deutschland zu erwarten: „Macrons Vorteile sind sein Jungsein, seine ideologische Beweglichkeit, die ihm ermöglicht, ideologische Ansätze sowohl bei den Rechten als auch bei den Linken abzugucken, aber auch die Tatsache, dass die Europäer von Berlins Führung einigermaßen müde sind. Zu Merkels Vorteilen zählen indes ihre Erfahrung sowie die stärkste Wirtschaft der EU. Die Chancen sind also vergleichbar.“

    Zum Thema:

    Merkel und Macron vereinbaren Bau von neuem Europa-Kampfjet
    Putin bemängelt in Gespräch mit Merkel und Macron „Stocken“ der Minsker Abkommen
    Merkel und Macron neigen zur Verlängerung der Russland-Sanktionen - Quelle
    „Rettung Europas“ vor Trump durch Merkel und Macron fraglich
    Tags:
    Führungsrolle, Internationale Beziehungen, Streit, Kampf, Eurozone, EU, Nicolas Sarkozy, Emmanuel Macron, François Hollande, Angela Merkel, Großbritannien, Deutschland, Frankreich
    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren