06:50 25 November 2017
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    Maurizio Marrone, Mitglied des Gebietsrates und der Stadtverwaltung von Turin

    Konferenz „Donbass-Krieg auf dem Gewissen Europas“ im italienischen Parlament

    © Foto: fornita da Maurizio Marrone
    Politik
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    Warum wird der Ukraine-Konflikt, der sich im Zentrum Europas abspielt, von italienischen Medien ignoriert? Was geschieht in der Ukraine und wie sich die Krise weiter entwickelt, die Europa und Russland infolge der Verhängung von Sanktionen gegen Moskau entzweit hat?

    Dazu äußerte sich Maurizio Marrone, Mitglied des Gebietsrates und der Stadtverwaltung von Turin, auf der Konferenz „Donbass-Krieg auf dem Gewissen Europas“, die in der Abgeordnetenkammer des italienischen Parlaments stattfand.

    „Die Konferenz ist ein wichtiges Ereignis, weil das Thema Donbass-Krieg im italienischen Parlament zum ersten Mal diskutiert wurde. Wir wollten die italienische Politik auf einen Konflikt aufmerksam machen, der bislang kein Gesprächsthema war. Das ist ein Krieg, der auch Länder Europas indirekt tangiert: Es geht um ökonomische Sanktionen“, sagte der Politiker in einem Sputnik-Interview.

    Ihm zufolge wird über diesen Konflikt in Medien nur wenig berichtet. Offenbar resultiere diese Selbstzensur daraus, dass die Europäische Union und die Regierungen einzelner Länder mit diesem Krieg zu tun hätten. „Die EU ist sich darüber im Klaren, dass die Union auf falscher Seite in diesem Konflikt steht und mitverantwortlich ist. Deshalb werden Versuche unternommen, so wenig wie möglich über den Konflikt zu berichten.“ Er sei mehrmals im Donbass gewesen und habe gesehen, wie die Kiewer Artillerie Wohnviertel unter Beschuss nimmt, bei dem friedliche Zivilisten immer wieder sterben müssen, sagte Marrone.

    „Die italienische Regierung weiß Bescheid, welchen Schaden die antirussischen Sanktionen dem Export und italienischen Unternehmen zugefügt haben. Zudem sah sich Italien gezwungen, seine Militärs im Rahmen einer NATO-Mission nach Lettland zu entsenden. Auf politischer Ebene hat Rom keinen Mut, auf die Beiträge an die NATO zu verzichten“, fuhr der Politiker fort.

    US-Drohne „Global Hawk“
    © AP Photo/ Erik Hildebrandt
    „Mit unserem Projekt ‚101 life‘ wollen wir die Öffentlichkeit über die in diesem Konflikt getöteten Kinder zu informieren, deren Zahl bereits mehr als 100 beträgt. Vor kurzen hatte das UN-Menschenrechtskommissariat einen Bericht vorgelegt, der 16 schwere Vorwürfe an die Ukraine enthält. Es geht um Folter, gesetzwidrige Verhaftungen und die Behinderung der Freizügigkeit von Bürgern. Wir befürchten, dass die Ukraine von der EU und den USA als ein Brückenkopf für die Belagerung der sogenannten ‚russischen Welt‘ missbraucht werden könnte. Wir hoffen darauf, dass die Regierung Italiens früher oder später aus diesem Konflikt aussteigt und ihre Einstellung zur NATO ändert.“

    Marrone äußerte auch die Hoffnung darauf, dass Italien den Kurs auf eine Annäherung an Russland steuern wird, dass „unsere Länder wieder Handelspartner und geopolitische Partner im Kampf gegen den Terrorismus werden. Wir als Teil der westlichen Welt sehen, dass Moskau im Grunde genommen allein gegen die Terrormiliz Daesh (Islamischer Staat) kämpft. Wir müssen erkennen, dass unser Feind nicht Russland, sondern der islamistische Terrorismus ist“, sagte Marrone.

     

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    Tags:
    Donbass-Krieg, Gewissen, Maurizio Marrone, Europa, Donbass, Italien
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