21:29 06 Dezember 2019
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    Putin und Gabriel, St. Petersburger Wirtschaftsforum

    Weshalb Gabriel Gespräche mit Putin schätzt

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    Politik
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    In einem Focus-Interview teilte der deutsche Außenminister Sigmar Gabriel mit, aus welchem Grund er die Gespräche mit Wladimir Putin schätzt und ob sich ein „deutsch-russischer Frühling“ anbahnt.

    „Er vertritt russische Interessen und hat eine eigene Sicht auf den Konflikt. Aber man kann mit ihm Meinungsverschiedenheiten klar und ohne Umschweife austragen. Ich schätze die Gespräche mit ihm deshalb“, sagte der Außenminister.

    Wenn man sich die Reden des russischen Präsidenten aus dem Jahr 2000 und danach in Deutschland durchlese, so Gabriel, gehe einem der Gedanke durch den Kopf: „Mein Gott, wir waren schon mal viel weiter!“.

    Dies sei jedoch noch vor den Ereignissen auf der Halbinsel Krim gewesen. Auf die Frage, ob sich mit Blick auf die häufigen Treffen Gabriels und Putins ein „deutsch-russischer Frühling“ anbahne, antwortete der deutsche Außenminister: „Warum treffen wir uns wohl so häufig? Weil wir so viele Probleme haben. Ich wünsche mir ein entspannteres Verhältnis.“ 

    Im Hinblick darauf, dass es im politischen Diskurs nur Putin-Versteher oder –gegner gebe, äußerte Gabriel: „Ich empfehle jedem, mal zu versuchen, die Sichtweise des anderen zu verstehen. Das heißt nicht, sie zu übernehmen oder zu rechtfertigen. Putin fühlt sich vom Westen enttäuscht.“ Die  Assoziierung der  Ukraine sei nämlich ohne Russland verhandelt worden.

    Gabriel vergleicht dies mit einer Art „enttäuschter“ Liebe zu Deutschland. „Die Zuneigung der russischen Bevölkerungen zu Deutschland empfinde ich aber genauso, deshalb bedrücken mich die gespannten Beziehungen.“

    Der Außenminister sprach sich auch über das Nordstream-Gasprojekt und die Sanktionen, die die USA gegen Russland einführen und die der EU schaden könnten, aus. Laut Gabriel ist das nicht zumutbar, da es sich hier auch um europäische Interessen handelt – immerhin sei Russland ein sicherer und preiswerter Gastransporteur.

    „Die US-Außenpolitik darf nicht zum verlängerten Arm der US-Wirtschaftspolitik werden. Russland weiter in die Ecke zu drängen, indem man russisches Gas aus Europa verdrängt und die Europäer amerikanisches Gas kaufen müssen, das geht nicht.“

    Das letzte Mal hatten sich Gabriel und Putin Anfang Juni beim St. Petersburger Wirtschaftsforum getroffen, wo sie die bilateralen Beziehungen beider Länder besprachen. Seit seinem Amtsantritt als deutscher Außenminister im Januar  hat sich Gabriel bereits drei Mal mit dem russischen Staatschef getroffen.

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    Tags:
    Nord Stream 2, Sigmar Gabriel, Wladimir Putin, Deutschland, Russland