05:42 16 Dezember 2019
SNA Radio
    Von den USA unterstützte Oppositionelle im Raum von At Tanf im Süden Syriens

    Darum leakte Türkei Geheiminfos zu US-Basen in Syrien

    © AP Photo / Hammurabi's Justice News
    Politik
    Zum Kurzlink
    5766
    Abonnieren

    Die türkische Nachrichtenagentur Anadolu hat diese Woche den Standort von drei Stützpunkten der internationalen Koalition in Syrien offengelegt, wo Spezialeinheiten der USA und Frankreichs stationiert sind. Zwei Experten haben gegenüber Sputnik erklärt, was hinter diesem Leak steht.

    Der Bericht von Anadolu hat laut Emre Demir, dem ehemaligen Chefredakteur der türkischen oppositionellen Wochenzeitung „Zaman“, einen ziemlich ernsten Charakter. „Man sollte bedenken, dass 90 Prozent der Medien in der Türkei von der Regierung kontrolliert werden. Und solche Staatsmedien wie die Agentur Anodolu werden direkt von Erdogans Familie und seiner Umgebung kontrolliert“, so Demir.

    Die Tatsache, dass die geheimen Informationen über die Militärbasen in Syrien von der Agentur veröffentlicht wurden, zeuge davon, dass die türkische Regierung die Militäroperation im syrischen Rakka sabotieren und zugleich ein Signal an die USA senden wolle.

    „Ich glaube, Ankara will auf diesem Weg seinem Unmut über die Militärallianz zwischen den Amerikanern und den Kurden Luft machen“, so Demir weiter. „Aus Ankaras Sicht stellen die Kurden eine Gefahr für die eigentliche Existenz der Türkei dar. Und zwar eine weitaus ernstere Gefahr, als der ‚Islamische Staat‘, selbst wenn man dies in Europa oder in Washington nicht ganz nachvollziehen kann.“

    Erdogan könne nicht einfach zusehen, wie die Kurden ihren eigenen Staat gründen, ihre eigene Armee bilden und sich mit den USA und Frankreich verbünden – das sei für ihn ein zu großes Risiko. „Er hat den Wunsch, die Militäroperationen zu behindern, die Kurden mit der Unterstützung der Koalition führen.“

    Aus Sicht von Jacques Hogard, einem französischen Offizier der Reserve und Gründer der Beratungsfirma im Bereich der strategischen Aufklärung „EPEE“, könnte der türkische Leak ernste Folgen nach sich ziehen. Die öffentliche Enthüllung der Militärstruktur sei ein Tiefschlag, der sich für die Amerikaner und Franzosen als sehr gefährlich erweisen könne.

    „Die islamistischen Gruppierungen Daesh und andere sammeln Informationen, und unsere Feinde werden zweifelsohne die Quellen der internationalen Medien bei der Vorbereitung von Terroranschlägen nutzen“, so Hogard.

    „Welches Spiel spielt da die Türkei? Erdogan ist damit äußert unzufrieden, dass ausländische Truppen in einer nach seiner Ansicht sehr verwundbaren Zone präsent sind. Das ist mit der Präsenz der Kurden verbunden, die von den USA und deren Verbündeten unterstützt werden.“

    „Ich glaube, das gibt eine erschöpfende Antwort auf die Frage, warum es diesen bedauernswerten Leak gegeben hat“, schlussfolgert der Experte.

    Die türkische Nachrichtenagentur Anadolu hatte am vergangenen Dienstag geheime Angaben über die amerikanischen Militärstützpunkte in Syrien veröffentlicht.

     

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren

    Zum Thema:

    USA wegen Türkei-Annäherung an Russland besorgt – Moskau staunt
    Türkischer Botschafter in USA wirft Washington „Partnerschaft mit Terroristen“ vor
    Erdogan-Trump-Treffen: Rächen sich USA an Türkei? - Experte
    Experte: US-Beschluss zur Waffenversorgung der Kurden eine Ohrfeige für die Türkei
    Tags:
    Kurden, Leaks, Medien, Recep Tayyip Erdogan, Frankreich, USA, Türkei