06:31 16 Juni 2019
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    „Wir verlieren sie“: Polen bangt um seine „Pufferzone“ Ukraine

    © AFP 2019 / Wojtek Radwanski
    Politik
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    Die Polen machen sich Sorgen: Die Bevölkerungszahl in der Ukraine droht in Zukunft drastisch zu sinken. Das Land könnte sich in eine „unbesiedelte Steppe“ verwandeln. Dann stünde nichts mehr zwischen Polen und „dem Feind“ – sprich Russland.

    Polnische Experten sind über die jüngsten UN-Prognosen zu den Bevölkerungszahlen beunruhigt. Andrzej Talaga, Direktor der strategischen Abteilung des Warsaw Enterprise Institute und Berater von polnischen Rüstungsfirmen, hat in einem Artikel für die Zeitung „Rzeczpospolita“ die UN-Daten als katastrophal bezeichnet. Der Ukraine drohe ein demographischer und wirtschaftlicher Kollaps. Das Land könne sich bald in eine „Wüste“ verwandeln.

    Polen kann aus Sicht des Experten das Problem der Entvölkerung schon bewältigen. In mehreren Jahren werde die Wirtschaft des Landes eine der größten weltweit sein. Hauptsache, diese Äußerungen erreichen die EU-Führung nicht, sonst könnte es ein Ende der Finanzhilfen bedeuten. Eine Verringerung in der Bevölkerungszahl könnte zudem durchaus durch ukrainische Zuwanderer kompensiert werden: Derzeit arbeiten mehr als eine Million Ukrainer in Polen.

    Die Ukraine könne hingegen weder auf Finanzspritzen noch auf Zuwanderer hoffen. Deshalb könnte diese „Pufferzone“ zwischen Polen und Russland sehr bald verschwinden, betont Talaga.

    Der Experte macht sich dabei in erster Linie um sein eigenes Land Sorgen. Die Ukraine betrachtet er offenbar nur als ein Territorium, das den Anmarsch des Gegners etwas aufhalten soll. Und wenn Russland diese Wüste besetzt? Und zwar ohne jeglichen Kampf, weil da niemand wäre, gegen den man kämpfen könnte? Dann sei alles vorbei.

    „Die Besetzung der Ukraine und ihre Unterwerfung durch Moskau wird auch für Polen ein schmerzhafter Schlag sein, weil dann die letzte Pufferzone zwischen uns und Russland weg wäre“, so Talaga.

    Protestaktion in Kiew gegen die Korruption im Bankwesen (vor dem Gebäude der Nationalbank der Ukraine)
    © Sputnik / Alexander Maximenko
    Der Gerechtigkeit halber sollte man hier anmerken, dass die Ukrainer den Experten sehr wohl interessieren. Denn wenn es sie in 20 Jahren nicht mehr gebe, wem würde Warschau seine moralische Überlegenheit beweisen und den Völkermord an Polen vorwerfen? Er vergleicht die Ukraine mit einem „bettlägerigen Kranken“, mit dem Warschau diskutieren müsse.

    Am Ende macht der Pole seine eigene Prognose: In knapp 30 Jahren könnte sich die Ukraine in die endlose Steppe verwandeln, die es vor 300 Jahren war.

    Marija Baljabina, Kommentatorin für Radio Sputnik 

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    Tags:
    Bevölkerung, Polen, Ukraine, Russland