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22:59 13 Oktober 2019
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    Start einer Hyperschall-Rakete

    Hyperschallraketen und Roboter: Russland will um Überlegenheit auf See kämpfen

    © Sputnik / Ildus Gilyazutdinov
    Politik
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    Russlands Präsident Wladimir Putin hat am 20. Juli einen Erlass über die Grundsätze der Marine-Politik des Landes bis 2030 unterzeichnet. Die russische Flotte soll mit hochpräzisen Raketen großer Reichweite, mit Hyperschallraketen, robotisierten Komplexen und unbemannten U-Booten ausgerüstet werden. Das Hauptaugenmerk gilt Hightech-Lösungen.

    Die Weltmächte testen immer öfter ihre militärischen Neuentwicklungen – Laserkanonen, Flugapparate mit Hyperschallgeschwindigkeit, Drohnen und Waffen, die neue physikalische Prinzipien nutzen. Der amerikanische TV-Sender CNN berichtete  unlängst über den Test einer Laserwaffe durch die US Navy im Persischen Golf: das Laserwaffensystem (LaWS) soll Objekte „mit Lichtgeschwindigkeit“ treffen können und 50.000 Mal schneller als Interkontinentalraketen sein.

    Das Mitglied des Marine-Kollegiums bei der russischen Regierung, der frühere Befehlshaber der Nordflotte, Admiral Wjatscheslaw Popow, meint, dass jene Zeiten, als die Stärke der Flotte nach der Anzahl und Größe ihrer Schiffe gemessen wurde, der Vergangenheit angehören würden.

     „War früher für wichtige Aufgaben ein ganzes Geschwader erforderlich, so können dies jetzt zwei bis drei Schiffe mit guter IT-Ausstattung und funkelektronischem Schutz bewältigen. Heute besitzt alles eine enorme Bedeutung was mit Hightech verbunden ist:  Aufklärung, Zielerfassung,  Systeme für den funkelektronischen Kampf, hochpräzise Raketen und anderes. Diese Elemente sind ausschlaggebend“, erklärte Wjatscheslaw Popow im Gespräch mit RIA Novosti.

    Außerdem ist der Experte überzeugt, dass der Aufbau einer wirklich effektiven und kampffähigen Flotte eine komplexe Herangehensweise verlange, nicht aber die Bevorzugung einzelner Kräfte, egal ob es U-Boote oder Überwasserschiffe sind.

    Flugzeugträger für die Luftabwehr

    Die russische Marine verfügt heute über zahllose Überwasserschiffe und U-Boote verschiedener Zweckbestimmung – über Flugdeck-, Mehrzweck-, Raketen-, Landungs- und Minenräumschiffe sowie über strategische U-Boot-Raketenkreuzer und Mehrzweck-U-Boote.

    In Bezug auf das Kräfteverhältnis auf den Meeren in den nächsten zehn bis 15 Jahren vermutet Admiral Popow, dass es für Russland schwer sein werde, ohne Flugzeugträger auszukommen. Es gehe aber nicht um solche, wie sie die USA besitzen, sondern um universelle, deren Hauptaufgabe die Gewährleistung der Luftabwehr an den Seegrenzen sein soll. Somit könnten sie sich gut in Russlands vom Verteidigungscharakter geprägte Militärdoktrin einfügen.

    „Wir brauchen universelle Flugzeugträger für beide Flotten – die Nordflotte und die Pazifikflotte. Diese Schiffe sollen vor allem Aufgaben der Luftabwehr erfüllen, aber zusätzlich die Möglichkeit für Schläge gegen Seeziele und Landziele an der Küste besitzen“, meint der Admiral.

    Laut früheren Meldungen plant das Verteidigungsministerium, zum Jahr 2025 einen neuen Flugdeckkreuzer für eine der Flotten auf Kiel zu legen. Die russische Marine besitzt gegenwärtig nur einen Flugdeckkreuzer – das Flaggschiff der Nordflotte „Admiral Kusnezow“.

    Nach Erachten des Admirals Popow sind die in den Grundsätzen der Marine-Staatspolitik aufgezeigten Ziele bis 2030 durchaus real, umso mehr, wo Russland nach den Möglichkeiten seiner Flotte auf dem zweiten Platz hinter den USA liegt und in manchen Aspekten sogar die Parität bewahrt, insbesondere in Bezug auf die Kernwaffen-Komponente.

    Russland setzt auf Hyperschallwaffen

    Aus den Grundsätzen der Marine-Staatspolitik folgt, dass die globale Konkurrenz in der Welt zunehmen wird und bei anderen Staaten Gebietsansprüche an Russland auftauchen können. Auf der Liste möglicher Bedrohungen stehen Terrorismus, Piraterie, Wilderer, Waffen- und Drogenhandel.

    Um all diese Erscheinungen bekämpfen zu können, sind starke Flotten mit Angriffswaffen und einem entwickelten Stützpunktsystem erforderlich. Sie müssen fähig sein, dem Gegner mit konventionellen Waffen kritische Verluste zuzufügen, aber auch Kernwaffen einsetzen können.

    Der Experte des Zentrums für strategische Konjunktur, Oleg Pomomarenko, erklärte im Gespräch mit Sputnik, dass es durchaus reale Perspektiven für die Entwicklung von Hyperschallwaffen für die Flotte gebe. Allerdings meinte er, dies könnte unzureichend sein.

    „Was die technische Seite der Frage betrifft, so ist diese Aufgabe lösbar. Eine Rakete mit Hyperschallgeschwindigkeit zu besitzen, ist aber nur eine Aufgabe unter anderen. Natürlich kann die Technik, die Mitte des nächsten Jahrzehnts kommen wird, kraft ihrer Kompliziertheit nicht massenhaft sein“, so Oleg Ponomarenko.

    Die einheimische Industrie  demonstriert tatsächlich kein schlechtes Tempo bei der Entwicklung solcher Raketen. Russland bleibt diesbezüglich nicht hinter anderen führenden (hochtechnologischen) Ländern der Welt zurück. Die Tests der russischen seegestützten Hyperschallrakete Zirkon 3M22 dauern an, ihre Serienproduktion soll in der nächsten Zeit starten.

    Ponomarenko betrachtet die russische Marine als eine der stärksten Flotten der Welt, ruft aber dazu auf, vom sowjetischen Erbe zu Neuentwicklungen überzugehen. Er erinnerte an die wachsende Stärke der chinesischen Seestreitkräfte, die uns buchstäblich „auf die Fersen treten“.
    Daran, dass China seine Seestreitkräfte aufstockt, besteht kein Zweifel. Die Entwicklung der chinesischen Flotte ist die notwendige Bedingung für kontinuierliche Lieferungen von Kohlenwasserstoffen aus den Ländern Nordafrikas, des Nahen und Mittleren Ostens, also letztendlich eine Bedingung für das Wirtschaftswachstum des Landes.

    Auf dem Schelf des südchinesischen Meeres befinden sich reiche Öl- und Gasvorkommen, die die Volksrepublik China konsequent erschließt. Peking hatte im Jahr 2014 offiziell seine Rechte auf die Spratly-Inseln (chinesischer Name — Nánshā Qúndǎo) geltend gemacht und ein Jahr später eine neue Militärstrategie verkündet, laut der die chinesischen Seestreitkräfte vom ausschließlichen Schutz der Küstengebiete zur Gewährleistung der Sicherheit im Ozeangebiet übergehen. China hat sich das Recht vorbehalten, bei Auftauchen einer Gefahr für die Verteidigung oder die Landesgrenzen lokale Präventivschläge gegen Gegner zu führen.

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    Tags:
    Kernwaffenkomponente, Überwasserschiffe, Minenräumschiffe, Hyperschallwaffen, Mehrzweck-U-Boote, Geschwader, Raketenkreuzer, US-Navy, Russische Regierung, Nordflotte Russlands, RIA Novosti, CNN, Oleg Ponomarenko, Wjatscheslaw Popow, Wladimir Putin, Mittlerer Osten, Naher Osten, Nordafrika, Südchinesisches Meer, Persischer Golf, USA, Russland, China