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18:08 20 Oktober 2019
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    Kanzlerin Angela Merkel und Präsident der Türkei Recep Tayyip Erdogan (Archivbild)

    Kanzlerin Merkel vs. Sultan Erdogan: Moskau sieht und siegt

    © AFP 2019 / Tobias SCHWARZ
    Politik
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    Die Gräben zwischen Berlin und Ankara vertiefen sich – Moskau könnte davon am meisten profitieren. Dies erklärt der Politologe Geworg Mirsajan in seinem Beitrag für Sputnik.

    Während Deutschland und die Türkei durch den derzeitigen Konflikt taktische Aufgaben lösen wollen, sieht Russland darin die Chance, seine strategischen Ziele zu erreichen. Denn die Verschärfung der Gegensätze zu Europa und ganz besonders zu den USA stellt die Türkei ins internationale Abseits: Ankaras einziges Fenster zur Welt bleibt Moskau, wie der Politologe schreibt.

    Moskau ist für Ankara der Kanal für einen Dialog mit Teheran. Indes halten sich beide, Russland und der Iran, aus den inneren Angelegenheiten der Türkei raus – anders als ihre westlichen Partner.

    Recep Tayyip Erdogan und Angela Merkel bei G20-Gipfel in Hamburg
    © REUTERS / Pool/Michael Kappeler
    Für Moskau bedeutet dies vor allem, dass Erdogan die russischen Interessen respektieren und in Syrien nicht dazwischenfahren wird. Und das ist wichtig, besonders jetzt, wenn protürkische Kämpfer stillhalten und die syrischen Regierungstruppen bei ihrer Offensive auf Deir ez-Zor nicht behindern sollen. Zudem versuchen die syrischen Diplomaten derzeit, einen Plan zur Befriedung Syriens mit den protürkischen Kräften auszuhandeln.

    Auch in einer anderen Konfliktregion könne Erdogan Moskau den Rücken stärken: In Bergkarabach. Russland käme es sehr gelegen, würde der Gebietsstreit in der Südkaukasusregion endlich eingefroren werden.

    Doch stärkt der Konflikt zwischen Berlin und Ankara nicht allein Russlands Beziehung zur Türkei – der Streit stärkt Moskaus Position auch gegenüber der EU, vor allem beim leidigen Thema „Gas“.

    Jahrelang versuchten die Russen, ihre europäischen Kollegen von der Unzuverlässigkeit der türkischen Gasroute zu überzeugen. Ankara werde den Gastransit als politischen Hebel einsetzen, lautete die Mahnung. Doch weder Brüssel noch Berlin – beide von der Idee der Diversifikation besessen – hörten darauf: Alle Aufmerksamkeit galt nicht-russischen Lieferwegen, etwa aus vom Kaspischen Meer über die Türkei weiter in die EU.

    Die andauernde Fehde zwischen Berlin und Ankara führt nun dem letzten Traumtänzer in Deutschland vor Augen: Die Türkei ist als Gastransitland unzuverlässig. Manch einer dürfte da mächtig bereuen, Bulgarien dazu getrieben zu haben, den South Stream abzusägen. Eine Rückkehr zu diesem Pipelineprojekt kann es nicht geben, nicht mal hypothetisch.

    „South Stream sah eine Jahreskapazität von 63 Milliarden Kubikmetern Gas vor. Das russische Gasnetz aus Russlands Norden bis ans Schwarze Meer schafft derzeit 31,5 Milliarden Kubikmeter. Die Hälfte davon geht in die Türkei. Also könnte Moskau 15,75 Milliarden Kubikmeter Gas nach Bulgarien liefern – vorausgesetzt, dass Brüssel eine Nicht-Einmischung garantiert“, erklärt Igor Juschkow, Analyst von der russischen Stiftung für nationale Energiesicherheit.

    Die ganze Hoffnung ruht also auf Nord Stream 2, wie der Politologe Mirsajan weiter schreibt. Und diese Pipeline ist ja ein Gemeinschaftsprojekt Russlands und Deutschlands. Wenn es zwischen Berlin und Ankara weiter brodelt, werden die Deutschen noch mehr am Erfolg von Nord Stream 2 interessiert sein. Dann wird Berlin, für das Geheul osteuropäischer Nachbarn taub, die Ostseepipeline in Brüssel schon durchsetzen.

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    Tags:
    Chancen, Konflikt, Nord Stream 2, EU, Geworg Mirsajan, Recep Tayyip Erdogan, Angela Merkel, Türkei, Iran, Deutschland, USA, Russland