15:49 20 August 2017
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    Russisch-chinesisches Manöver in der Ostsee

    Erstes russisch-chinesisches Manöver in der Ostsee: Wer muss sich bedroht fühlen?

    © Sputnik/ Igor Sarembo
    Politik
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    Alexander Chrolenko
    1860532014

    In der Ostsee findet vom 24. bis zum 27. Juli die aktive Phase des russisch-chinesischen Manövers „Maritimes Zusammenwirken 2017“ statt. Am Freitagabend traf ein chinesischer Schiffsverband in Baltijsk ein. Es ist der erste Besuch eines Verbandes der chinesischen Marine in der Ostsee.

    Insgesamt werden bei dem Manöver rund zehn Schiffe verschiedener Klassen, mehr als zehn Flugzeuge und Hubschrauber beider Länder eingesetzt.

    Bei den gemeinsamen Übungen geht es vor allem um die Organisation der Anti-U-Boot- und Flugabwehr und Antischiffsverteidigung. Die Hauptziele der Übungen sind die Erhöhung der Effizienz des Zusammenwirkens des Militärs Russlands und Chinas, der gemeinsame Widerstand gegen Sicherheitsbedrohungen und die Einübung koordinierter Handlungen der Besatzungsmitglieder.

    Die chinesische Nachrichtenagentur Xinhua spricht von der „Festigung und Erweiterung der strategischen Partnerschaft und Koordinierung zwischen China und Russland, der Vertiefung der Freundschaft und gegenständlichen Kooperation beider Flotten“. Die Kooperation ist nicht rein symbolisch, weil das größte Schiff der chinesischen Seestreitkräfte (außer Flugzeugträgern) – der mit lenkbaren Raketenwaffen bestückte Mehrzweck-Zerstörer Changsha – von den Chinesen als „eines der weltweit besten“ bezeichnet wird. Die Fregatte Yuncheng hat ebenfalls eine Reihe von Raketenwaffen an Bord und nahm früher an der internationalen Anti-Piraten-Mission im Golf von Aden teil – also ein Schiff mit Kampferfahrung.

    Die gemeinsamen Manöver der Marineverbände Chinas und Russlands bedrohen niemanden, zeigen aber das immense Potential des Zusammenwirkens der beiden Seiten im Verteidigungsbereich auf und kühlen wohl die hitzköpfigen Admiräle und Generäle in Brüssel und Washington. Das Thema Raketen bei den Übungen lässt fast keine Zweifel daran, dass russisch-chinesische Übungen ein Signal an die Nato und die USA sind, deren Herrschaftszeit allmählich zu Ende geht.

    Transparente Ziele

    Der chinesische Schiffsverband aus dem Zerstörer Changsha, dem Raketen-Wachschiff Yuncheng und dem Versorgungsschiff Luomahu legten Abertausende Kilometer zurück, um speziell in der Ostsee am Manöver „Maritimes Zusammenwirken“ teilzunehmen. Es steht noch viel Arbeit bevor.

    Angekündigt sind gemeinsame Rettungsoperationen und die Gewährleistung der Sicherheit der Wirtschaftstätigkeit im Meer. Die Hauptaufgabe der russischen Marine ist die Vorbereitung verschiedener Kräfte auf Kampfhandlungen – sowohl selbstständig als auch im Verbund mit anderen Gruppengattungen. In den vergangenen Jahren fanden solche Übungen im Mittelmeer, im Japanischen und im Südchinesischen Meer statt, wo russisch-chinesische Gruppierungen (Dutzende Kampfschiffe und Flugzeuge) aller Typen die Verteidigung, Anlandungen an unpräparierten Küsten und Rettungsoperationen übten.

    In der letzten Zeit ist zu erkennen, dass die Aufklärungs- und Kommunikationssysteme, Raketen- und Artillerie-Aufgaben, Flug- und Anti-U-Boot-Abwehr und Elemente der radioelektronischen Kampfführung zunehmend komplizierter werden. Dabei wurde kein einziger Staat verletzt; kein einziger Staat wiederholte das Schicksal Afghanistans, des Irak, Libyens oder Jugoslawiens.

    Warum schlagen die westlichen Zeitungen dann Alarm? „China und Russland  fordern die Nato in der Ostsee heraus“, „In militärischen Muskelspielen Russlands und der Nato taucht ein neuer Teilnehmer auf: China“ – so lauten mehrere Schlagzeilen. In den Artikeln wird behauptet, dass die Übungen in der Ostsee eine politische Botschaft an Trump und die Nato seien – „Russland und China unterstützen einander und werden einander schützen“. Als ob eine solche Unterstützung ein äußerst negatives Szenario für die Menschheit ist.

    Laut der Logik der USA und der Nato festigen ihre militärischen Aktivitäten an jedem Ort der Welt die Demokratie und sind keine Herausforderung für benachbarte Länder. US-Kampfschiffe fühlen sich in der Ostsee wie zu Hause. In der litauischen Hafenstadt Klaipeda traf vor Kurzem der US-Raketenzerstörer USS Hue City/CG-66 der Klasse Ticonderoga ein, was nach Angaben des litauischen Verteidigungsministeriums die „Entschlossenheit der US-Streitkräfte demonstrierte, auch weiterhin die Kooperation mit den Nato-Verbündeten in der Ostseeregion zu festigen“.

    Doch Russland und China haben jeweils nur einen Militärstützpunkt im Ausland – in Syrien bzw. in Dschibuti, während die USA über ein Netz von Militärbasen in der ganzen Welt verfügen (rund 800, dazu noch Hunderte Garnisonen in 80 Ländern). Die Verlegung und der Ausbau der Nato-Kräfte in baltischen Ländern sowie der militärpolitische Druck der USA im Südchinesischen Meer sind gegen einen konkreten Gegner gerichtet. In solch einer Situation können Moskau und Peking nicht auf systematische Sicherheitsmaßnahmen verzichten.

    Stärke der Traditionen

    Die Armeen Russlands und Chinas führen erstmals gemeinsame Übungen in der Ostsee durch, doch das ist kein Anlass für die Zuspitzung des „Post-Krim-Syndroms“ oder für Äußerungen über ein gefährliches Wachstum der Aktivitäten. Die Manöver sind zwar neu, doch sie stellen keine direkte bzw. unmittelbare Bedrohung für die Nato-Kräfte dar. Nach den Übungen in der Ostsee werden die chinesischen Schiffe nach Sankt Petersburg kommen (anscheinend zur Teilnahme an Feierlichkeiten anlässlich des Tags der russischen Seestreitkräfte). Die Etappen bei „Maritimes Zusammenwirkens 2017“, die in Gewässern des Ochotskischen und Japanischen Meeres geplant sind, gehen im Oktober zu Ende.

    Das weitere Zusammenwirken der Kriegsflotte Russlands und Chinas wird von der Roadmap 2017-2020 bestimmt. Der russische Botschafter in China, Andrej Denissow, sagte dazu: „Das Niveau der Kooperation im Militärbereich spiegelt die politische Nähe und das Vertrauen wider. Falls wir gleich und naheliegend jene Bedrohungen einschätzen, von denen wir betroffen werden, wird es logisch sein, unsere Methoden zur Abwehr dieser Bedrohungen abzustimmen“. Zugleich hob der Diplomat hervor, dass die militärische Partnerschaft auch militärische Verpflichtungen vorsehen, die es bislang bei Moskau und Peking nicht gibt.

    „Maritimes Zusammenwirken“ wurde erstmals 2012 organisiert. Seit dieser Zeit finden die Manöver regelmäßig mit einer kontinuierlichen Erweiterung der zu lösenden Aufgaben und Koordinierungsniveaus statt. Es ist ein systematischer Beitrag beider Länder zur Festigung der Sicherheit in den Weltozeanen.

    Die Versuche des Westens, Russland und China auf Konfrontationskurs zu bringen, sind aussichtslos. Gemeinsame Bedrohungen zu Land und in den Meeren erfordern hingegen gemeinsame Anstrengungen Moskaus und Pekings.

    Die militärische Kooperation beider Länder begann sich bereits zwischen 1937 und 1945 beim Kampf gegen Japan zu entwickeln. Ab den 1990er Jahren wurde China zum größten Importeur russischer Waffen. Diese Freundschaft wird sich offensichtlich fortsetzen.

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    Tags:
    Übungen, NATO, Andrej Denissow, Syrien, USA, Russland, China
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