11:00 05 August 2020
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    Einmal mehr treffen chinesische Abfangjäger auf einen US-Fernaufklärer über dem Ostchinesischen Meer – dort, wo die Handelsrouten zwischen Asien und den USA verlaufen. Peking und Washington können ihren Unmut über den Vorfall kaum verbergen, sprechen über Risiken für die Sicherheit. Dabei geht es auch und vor allem um Wirtschaftsinteressen.

    Zum dritten Mal innerhalb weniger Monate sind chinesische Kampfjets aufgestiegen, um einen Fernaufklärer der USA von Chinas Landesgrenzen zu vertreiben.

    „Nicht ungefährlich“ nannte das Pentagon den Vorfall, das Aufklärungsflugzeug habe sogar seinen Kurs ändern müssen. Das chinesische Verteidigungsministerium fand deutlichere Worte: Das Verhalten der USA berge „eine Bedrohung für die Sicherheit der Volksrepublik“ in sich.

    Und beide Seiten erinnerten: In 2001 habe ein ähnlicher Vorfall tragisch geendet, als ein chinesischer Abfangjäger beim Versuch, einen US-Aufklärer abzudrängen, das Flugzeug gerammt habe.

    Diese Spannungen sind ein deutliches Zeichen für die Probleme in den Wirtschaftsbeziehungen Washingtons und Pekings – in jenen Beziehungen, die die Weltpolitik bestimmen. „Präsident Trump ist immer noch nicht imstande, eine klare Linie hinsichtlich Chinas zu formulieren“, sagt der Sinologe Petr Mosias von der Higher School of Economics in Moskau. „Die Differenzen zwischen den beiden Ländern nehmen aber immer weiter zu“, betont er.

    Ein Streitpunkt zwischen China und den USA ist der gigantische Handelsumsatz zwischen den beiden Ländern – mehrere hundert Milliarden Dollar, das größte Handelsvolumen der Welt. Seit vielen Jahren aber exportiert China weit mehr Güter in die USA, als es dort einkauft.

    Selbst im US-Wahlkampf war dieses Missverhältnis ein Thema: Er werde dem ein Ende setzen, dass China auf Kosten der USA lebe, versprach Donald Trump. China betreibe Preisdumping, schütze seine heimische Wirtschaft durch Zölle und stehle den US-Firmen auch noch ihr geistiges Eigentum, wetterte der damalige Präsidentschaftskandidat.

    Am Ruder der Macht angelangt, musste der US-Präsident Trump feststellen, nicht genug Kompetenzen in der Hand zu haben, um all seine Wahlkampfversprechen einzulösen. Aber davon ablassen kann er auch nicht. Also nutzt er jede Gelegenheit, um Peking unter Druck zu setzen – zum Beispiel das nordkoreanische Atomprogramm oder den Gebietsstreit im Ostchinesischen Meer.

    Also droht Trump China mit Strafzöllen, geht auf Annäherung mit Taiwan oder schickt eben Militärflugzeuge an Chinas Grenzen. „Die Aufteilung der Einflusssphären zwischen Peking und Washington hat schon begonnen. Aber hoffen wir mal, dass die Handelsbeziehungen die Wogen zumindest ein wenig glätten“, sagt der Sinologe Mosias.

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    Wege, Schiffe, Abfang, Aufklärungsflugzeuge, Auseinandersetzungen, Streit, Militär, Konflikt, Handel, Südchinesisches Meer, China, USA