Widgets Magazine
14:16 18 Oktober 2019
SNA Radio
    Nazi-Besatzer in Warschau

    „Gallige Reaktion”: Moskau zu Aussage Warschaus über „Geschichtsfälschung“

    © Sputnik /
    Politik
    Zum Kurzlink
    271464
    Abonnieren

    Das russische Verteidigungsministerium hat die Erklärung des Polnischen Instituts für nationales Gedenken (IPN) über eine Fälschung der Geschichte des Zweiten Weltkrieges im Zusammenhang mit der Publikation von Archivdokumenten durch das Ministerium als „gallige Reaktion“ bezeichnet.

    „Ein anderer Kommentar konnte kaum erwartet werden“, zitiert rbc den Sprecher des Verteidigungsministeriums, Generalmajor Igor Konaschenkow.

    Ihm zufolge können die IPN-Mitarbeiter die vom Verteidigungsministerium veröffentlichten Dokumente, laut denen die Bevölkerung und die Geistlichen in Polen sich gegenüber den sowjetischen Soldaten wohlwollend verhalten hatten, durch nichts widerlegen.

    Das Verteidigungsministerium will nach eigenen Worten mit der Publikation von Archivdokumenten, die den Großen Vaterländischen Krieg und andere Geschichtsperioden betreffen, fortfahren.

    Laut der Erklärung, die auf der Webseite des IPN erschienen war, stellten die vom russischen Verteidigungsministerium präsentierten Dokumente über die Befreiung des polnischen Territoriums von den Faschisten durch die Rote Armee eine Geschichtsfälschung dar. IPN behauptete, sämtliche veröffentlichten Papiere seien eigens ausgewählt worden, um die „vorgefasste These“, laut der die sowjetischen Soldaten als Befreier gehandelt hatten, zu beweisen.

    Wie Oleg Budnizki, Professor für Geschichte an der Moskauer Wirtschaftshochschule, gegenüber rbc äußerte, offenbart die Publikation nur eine Seite der genannten Ereignisse.

    „Die Dokumente sind echt, und es steht außer Zweifel, dass die Rote Armee Polen von der Nazi-Okkupation befreit hat. Eine andere Sache ist, dass die Auswahl von Dokumenten nur eine Seite der Geschehnisse herausrückt. Unumstritten ist auch, dass die sowjetische Führung danach strebte, Polen zu ihrem Satelliten zu machen, und gegen diejenigen kämpfte, die sich der Etablierung des kommunistischen Regimes in Polen widersetzten“, so Budnizki.

    Die Geschichte sei nicht schwarz-weiß, und über diese Ereignisse dürfe nicht mit einerlei Maß geurteilt werden, ergänzte er.
    IPN sieht die „Geschichtsfälschung“ darin, dass die Rote Armee schon im Januar 1944 die Vorkriegsgrenzen Polens überquert hatte, die das polnische Institut als geltend in diesem Zeitraum betrachtet. Laut Budnizki hatten die Sowjetunion und Polen die polnische Grenze aus unterschiedlicher Sicht betrachtet.

    Gute Miene zum bösen Spiel: Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko (l.) zu Gast beim polnischen Amtskollegen Andrzej Duda in Warschau
    © Foto : Presseamt des ukrainischen Präsidenten

    "Die polnische Exilregierung hat sie (die Grenze) nach dem Stand vom 1. September 1939 und die sowjetische nach dem Stand vom 22. Juni 1941, das heißt nach der Teilung Polens zwischen der UdSSR und Deutschland, aufgefasst. Die neue Linie der sowjetisch-polnischen Grenze wurde durch einen Vertrag zwischen der UdSSR und der Volksrepublik Polen über die sowjetisch-polnische Staatsgrenze festgelegt, der am 16. August 1945 unterzeichnet wurde und am 6. Februar 1946 in Kraft trat“, erläuterte Budnizki.

    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren

    Zum Thema:

    Abriss von Sowjet-Denkmälern in Polen: Moskau wendet sich an EU-Parlament
    Russland und Israel treten zusammen gegen Abreißen von Sowjet-Denkmälern in Polen auf
    Polen: Andenken an im KZ getötete sowjetische Kriegsgefangene verewigt
    Tags:
    Fälschung, Kommentar, Geschichte, Agentur RBC, Institut für Nationales Gedenken IPN, Igor Konaschenkow, Polen, Russland