15:54 18 Dezember 2017
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    Kavalleristen vor dem Präsidentenpalast in New Delhi

    „Schwer, aber nicht fantastisch“: Dreieck Russland-Indien-China – Chancen und Hürden

    © AFP 2017/ Anna Zieminski
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    Eine Hochebene im Himalaya sorgt für einen Streit zwischen China und Indien, was keineswegs Russlands Interessen entspricht. Wie sollte Moskau reagieren? Mit der Frage beschäftigt sich die russische Onlinezeitung vz.ru.

    „Indisch-chinesische Gebietsstreite haben eine lange Geschichte, doch nach Indiens Beitritt zur Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit beunruhigen sie Russland besonders. Beim Gipfeltreffen dieser russisch-chinesisch-mittelasiatischen Organisation am 8. und 9. Juni war Indiens und Pakistans Mitgliedschaft besiegelt worden – und eine Woche später fingen die chinesischen Militäringenieure an, eine Autostraße auf der Doklam-Hochebene zu bauen. Dieses im Himalaya-Gebirge gelegene Gebiet sorgt für einen Streit zwischen China und dem kleinen Königreich Bhutan – und mithin auch zwischen China und Indien, dem Bhutan seine Verteidigung übertragen hatte“, schreibt vz.ru.

    Bei allen Gebietsstreiten in der Region handle es sich um eine Art „Minen“, die noch während der britischen Herrschaft in Indien gelegt worden seien. Man könne diesen Streit endlos weiter führen – oder doch mit einer Normalisierung versuchen, hieß es.

    „Sowohl in Peking als auch in Neu-Delhi gibt es genug Politiker, die begreifen, dass es für China und Indien besser wäre, keine Feinde, sondern Partner zu sein. Diese Politiker möchten die Streitfragen klären oder zumindest mildern. Zwar kann jetzt weder von territorialen Zugeständnissen noch von einem Gebietsaustausch die Rede sein, doch die beiden Länder wären in der Lage, die Gebietsstreite nicht weiter zu schüren und den Status quo zu fixieren, aber auch keinen Provokationen Dritter nachzugeben. Es ist ja klar, dass etwa die USA an antichinesischen Stimmungen in Indien sehr interessiert wären und eine Antipathie gegenüber China unter den Indern fördern – wie einst die Engländer“, so der Kommentar.

    „Doch sowohl Peking als auch Neu-Delhi wollen, dass die Asiaten in Asien über alles selbst entscheiden. Dies ist allerdings nur erreichbar, wenn man darauf verzichtet, den jeweiligen Nachbarn als Feind zu betrachten. Die beiden Zivilisationen werden durch eine gemeinsame jahrtausendlange Geschichte vereinigt und durch den Himalaya getrennt, wobei es keine ernsthaften Voraussetzungen und Gründe für einen Konflikt gibt“, postuliert die Onlinezeitung.   

    Sie schreibt weiter: „Russland möchte sowohl mit China als auch mit Indien strategische Beziehungen haben – und künftig ein Dreieck Moskau-Delhi-Peking schaffen, das das ‚Wetter‘ in Eurasien und in der Welt bestimmen würde. Diese Aufgabe ist zwar ambitioniert und schwer, aber nicht fantastisch. Die drei Länder arbeiten im BRICS-Format zusammen, indem sie seinen Kern ausmachen, und nun auch in der Shanghaier Organisation.“

    „Sowohl Neu-Delhi als auch Peking haben Vertrauen zu Moskau. Ausgerechnet deshalb könnte und sollte Russland auf einen Ausbau der geopolitischen Kooperation zwischen China und Indien hinarbeiten, aber auch darauf, Widersprüche und gegenseitige Vorwürfe zu reduzieren und Streite zu regeln. Die drei Länder haben die Möglichkeit, in Asien ein stabiles gemeinsames Sicherheits-System aufzubauen, das sowohl das afghanische als auch weitere Probleme des Kontinents lösen könnte“, prognostiziert vz.ru.

    „Beginnen sollte man aber mit einer Streitregelung untereinander. In einem Monat wird Wladimir Putin beim BRICS-Gipfel im chinesischen Xiamen mit Xi Jinping und Narendra Modi darüber reden“, so die Onlinezeitung zum Schluss.

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    Tags:
    Partnerschaft, Lösung, Grenzen, Streit, BRICS, Narendra Modi, Xi Jinping, Bhutan, Russland, Indien, China
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