09:04 17 Dezember 2017
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    Fachmann für Cybersischerheit der US-Armee bei der Arbeit

    Von hoher Priorität für Pentagon: Wie die USA ihre Cyber-Kräfte aufstocken

    © Foto: U.S. DoD/ Air Force/ Senior Airman Franklin R. Ramos
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    Die USA legen großen Wert auf Aktivitäten im Cyberraum und verfügen nicht nur über defensive, sondern auch über offensive Optionen für diese Zwecke. Eine Analyse zum Thema veröffentlichte die russische Zeitschrift „Expert“ in ihrer Onlineausgabe.

    „Informations- und Kommunikations-Technologien werden von den USA längst und aktiv zu militärpolitischen Zwecken genutzt“, heißt es in dem Artikel, der im Rahmen der Partnerschaft mit der in Moskau ansässigen Denkfabrik Russian International Affairs Council publiziert wurde.

    Ein maßgeblich wichtiger Schritt sei die Gründung des Cyber Command im Jahr 2010 gewesen – für Einsätze im Cyberraum, Schutz militärischer Netzwerke und Koordination der Cyber-Verteidigung. Im Jahr 2011 habe ein Pentagon-Sprecher bei einer Anhörung im US-Kongress bestätigt, dass Amerika über Optionen verfüge, um im Cyberraum offensiv zu agieren. Damit habe er faktisch das Vorhandensein von Cyber-Waffen eingeräumt, heißt es.

    „Die Cyber-Möglichkeiten werden im engen Zusammenwirken mit dem Privatsektor und der Zivilgesellschaft fortentwickelt. Talentierte Hacker werden aktiv angeworben und rekrutiert. Anfang 2012 schrieb die US-Luftwaffe offen einen Wettbewerb für die Entwicklung einer Palette spezieller Softwares (faktisch Cyber-Waffen) aus, die eine Reihe von Aufgaben lösen könnten. Dazu zählen residente Präsenz im Computer eines angenommenen Gegners, Beobachtung von Aktivitäten gegnerischer Informationssysteme und deren Lahmlegung“, so der Artikel.

    Die für Forschungsprojekte zuständige Pentagon-Behörde DARPA habe im Zeitraum von 2013 bis 2016 ein Projekt namens Plan X umgesetzt. Dieses ziele darauf ab, ein halbautomatisches System zu schaffen, um die Nutzung schädlicher Softwares zu vereinfachen. Im Mai 2016 sei das System im Laufe der Übungen Cyber Guard und Cyber Flag getestet worden und solle nun in die Arbeit des Cyber Command integriert werden, heißt es weiter.

    Die reichliche Finanzierung von Aktivitäten im Cyberraum sei ein Beleg dafür, dass dieser Bereich für das Pentagon von hoher Priorität sei. Der frühere US-Verteidigungsminister Ashton Carter habe während seiner Zeit im Amt dafür plädiert, die jährlichen Ausgaben für diese Zwecke auf 6,7 Milliarden Dollar zu erhöhen, so der Artikel.

    Donald Trump habe im Wahlkampf seine Thesen zur Cyber-Sicherheit formuliert, um die USA auf diesem Gebiet besser zu schützen. Unter anderem habe er mehr Koordination im Inland gegen Cyber-Bedrohungen gefordert. Eine weitere These habe die Entwicklung offensiver Kapazitäten im Cyberraum beinhaltet – zwecks Abschreckung und bei Bedarf auch Reaktion. „Offensichtlich wird Trump kein Friedensbotschafter im Cyberraum sein“, lautet der Kommentar.

    Trumps Treffen mit Wladimir Putin beim jüngsten G20-Gipfel in Hamburg habe zunächst das Interesse für eine Zusammenarbeit in Sachen Cyber-Sicherheit bestätigt. Dann habe Trump jedoch auf eventuelle Vereinbarungen verzichtet. Dies sei ein Beleg für komplizierte politische Vorgänge – vor allem in den USA. Die Situation zeuge von einem Wendepunkt, der das ganze System der internationalen Informationssicherheit beeinflussen könnte: „Einerseits könnten die USA darauf hinarbeiten, ihre Spielregeln im Cyberraum durchzusetzen – ohne Rücksicht auf die Interessen der anderen. Andererseits könnte ein pragmatischer Ansatz die Oberhand gewinnen – dann wird ein breiterer Kreis die Regeln formulieren, um Interessen von vielen zu berücksichtigen.“

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    Tags:
    Cyber-Armee, Sicherheit, G20-Gipfel in Hamburg, US-Armee, Pentagon, Donald Trump, Wladimir Putin, USA