09:42 18 Dezember 2017
SNA Radio
    Ein Mann füttert Tauben am Souq Waqif Markt in Doha, Qatar, den 6. Juni 2017

    „Katar spielt auf Zeit und besiegt Golfstaaten“: Experten zur Krise im Nahen Osten

    © REUTERS/ Naseem Zeitoon
    Politik
    Zum Kurzlink
    0 382

    Katar führe eine „eiserne“ Politik, die über die von Golfstaaten verhängte Sperre siegen wird. Diese Meinung teilten Politologen aus dem Nahen Osten im Gespräch mit Sputnik mit.

    „Jetzt spielt Katar auf Zeit“, äußerte der ehemalige Sprecher des Arabischen Parlaments der Arabischen Liga (LAS), Talaat Hamid.

    Er verglich diese Taktik mit derer, die Israel bei Verhandlungen benutzt.

    „Ständige Verhandlungen und Gespräche über die Notwendigkeit eines Dialogs. Worüber aber soll man sprechen? Darüber, was in Riad in den Jahren 2013 und 2014 besprochen wurde?“, so Hamid.

    Die Länder, die die Sperre verhängt haben, bestehen demzufolge auf der Erfüllung von früher getroffenen Vereinbarungen.

    „Katar zögert absichtlich und schafft die Gestalt eines kleinen leidenden Landes, gegen welches Nachbarn losgezogen sind“, sagt der Experte.

    Diese Politik sei darauf gerichtet, dass die ganze Welt mit Katar mitleiden und dabei Saudi-Arabien, die VAE, Bahrain und Ägypten beschuldigen werde.

    In dieser schweren Zeit habe Katar bevorstehende Schwierigkeiten vermeiden können, sagte der Politologieprofessor an der Universität Katar Ali al Heil zu Sputnik. Katar habe auf der Durchführung von vielerlei Verhandlungen bestanden, im Ergebnis hätten die Golfstaaten „ein Zugeständnis nach dem anderen“ gemacht.

    „Katar führt eine eiserne Politik und zwingt die es sperrenden Länder dazu, ihm immer neue Konzessionen zu machen“, so al Heil.

    Als Beispiel führte er die Reduzierung der Forderungsliste von 13 auf sechs Punkte und ein Treffen in Kairo an, bei dem an einer Liste von Wirtschaftssanktionen gegen Doha gearbeitet wurde. Dennoch habe ein Telefongespräch zwischen dem US-Präsidenten Donald Trump und seinem Amtskollegen Abd al-Fattah as-Sisi diese Liste aufgehoben.

    „Derzeit hat Katar eine Klage an die Welthandelsorganisation gegen die VAE, Bahrain und Saudi-Arabien eingerichtet und beschuldigt sie der Wirtschafts- und Handelssperre“, so der Politologe.

    Auch habe die Internationale Zivilluftfahrtorganisation eine außerordentliche Tagung auf Grund der von Katar erhobenen Klage abgehalten. Die Experten kommen zu der Schlussfolgerung, dass Katar sich aktiv und erfolgreich wehrt. 

    Am 5. Juni hatten Ägypten, Saudi-Arabien, Bahrain, die Vereinigten Arabischen Emirate, Libyen sowie Jemen, die Malediven und Mauritius die diplomatischen Beziehungen zu Katar abgebrochen, den Flug- und Schiffsverkehr gestoppt und die Grenzen geschlossen. Sie warfen dem Emirat „Unterstützung des Terrorismus“ und „Destabilisierung der Lage im Nahen Osten“ vor.

    Die Golfstaaten hatten Katar am 23. Juni eine Liste mit ultimativen Forderungen übergeben, die Regierung Katars wies sie kurz vor Ablauf des Ultimatums zurück. Sie verurteilte die Forderungen als unrealistisch und rief zu deren Revision auf.

    Zum Thema:

    Katar startet Manöver mit Türkei und USA
    Katars Botschafter: Moskau – bald wichtiger Handelspartner für Doha
    Druck auf Katar lässt nach: Golfstaaten verringern Forderungen
    WP nennt Schuldigen an Katar-Krise
    Tags:
    Ägypten, Bahrain, Vereinigte Arabische Emirate (VAE), Saudi-Arabien, Katar
    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren