21:50 20 November 2017
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    Odessa, ukrainische Flagge (Archivbild)

    Abspaltungs-Alarm für Odessa: Überflüssiger Vize-Minister bangt um seinen Sessel

    © Sputnik/ Denis Petrow
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    Dass die Hafenstadt Odessa sich von der Ukraine lossagen könnte, davor hatte 2015 schon der damalige Gouverneur des Gebiets Odessa, Michail Saakaschwili, gewarnt. Jetzt schlägt ein anderer ranghoher Beamter Alarm. Ist Odessa wirklich kurz davor, die Ukraine zu verlassen? Ein Experte kommentiert im Gespräch mit dem Portal rueconomics.

    Sollte Kiew die Ostukraine jetzt sich selbst überlassen, würden Abspaltungstendenzen spätestens in sechs Monaten auch andere Gebiete der Ukraine erfassen – zum Beispiel Odessa, sagte der ukrainische Vizeminister für Flüchtlingsangelegenheiten, Georgi Tuka, am Donnerstag, den 3. August.

    Zugegeben: In Odessa brodelt es. Die Menschen sind größtenteils mit den wirtschaftlichen Problemen unzufrieden, manche sind auch mit Poroschenkos politischem Kurs nicht einverstanden. Aber: „Daraus entsteht noch kein Aufstand“, sagt der Analyst Stanislaw Byschok vom Beobachtungszentrum CIS-EMO.

    Taucher (Symbolbild)
    © Sputnik/ Anton Denissow

    Es fehle schlicht die Kraft für einen sozialen Protest und die darauffolgende Abspaltung: „Nach 2014 ist der Kern prorussischer Kräfte in Odessa entweder zerschlagen, inhaftiert oder in die Flucht gezwungen worden. Wer geblieben ist, hat aus gutem Grund Angst. Wenn man sich anschaut, wer heute demonstrieren geht, dann sind das ältere Menschen – die machen keine Revolution“, erklärt der Politologe.

    „Außerdem haben die Menschen Angst, das Wenige zu verlieren, was sie haben. Sie sehen ja, dass die Volksrepubliken im Osten der Ukraine nach der Abspaltung in der Luft hängen. Deswegen denken sich andere: ‚Ja, unser Leben ist schwer, aber wenigstens werden wir nicht beschossen.“

    Warum dann die Warnung von Vize-Minister Tuka? Der Politologe erklärt dies so:

    „Man muss wissen, dass jeder Beamter immer darum bemüht ist, seinen Posten zu erhalten. Und Beamte, die in Ministerien mit unklaren Funktionen arbeiten, wollen ihre Bedeutung und Unersetzlichkeit umso mehr demonstrieren. Eben deshalb geben solche Beamten hin und wieder mal Warntöne ab, um die Führung und die Gesellschaft auf die Bedeutung der eigenen Behörde aufmerksam zu machen – auch mit Blick auf Finanzierungsfragen“, sagt Byschok.

    Der Politologe erklärt: „Byschoks Behörde ist ja auch für die Flüchtlinge aus den Volksrepubliken Donezk und Luhansk zuständig. Jetzt, wo es keine Flüchtlinge mehr gibt, hat auch Tukas Posten keine große Funktion.“

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    Tags:
    Flüchtlinge, Abspaltung, Georgi Tuka, Michail Saakaschwili, Volksrepublik Donezk, Ukraine
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