12:33 11 Dezember 2017
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    Atomexplosion (Symbolbild)

    Atomkrieg rückt näher

    CC BY 2.0 / Maxwell Hamilton / Nuclear Explosion Fantasy
    Politik
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    Während das Pentagon Hunderte Milliarden Dollar in die Modernisierung seiner strategischen Atomwaffen steckt, will der Kongress Medienberichtern zufolge den bereits mit der Sowjetunion geschlossenen INF-Vertrag über das Verbot nuklearer Mittelstreckensysteme kippen. Wozu das führen kann, beschreibt die russische Zeitung „Gazeta“.

    In dem von Ronald Reagan und Michail Gorbatschow 1987 unterzeichneten INF-Vertrag verpflichteten sich die Vereinigten Staaten und die damalige Sowjetunion, sämtliche Flugkörper mit mittlerer (1000 bis 5500 Kilometer) und kürzerer (500 bis 1000 Kilometer) Reichweite zu vernichten und keine neuen mehr zu produzieren.

    Nun will der US-Kongress nach Angaben der Zeitung „Politico“ der Industrie gesetzlich vorschreiben, die Produktion von Kurz- und Mittelstreckensystemen wiederaufzunehmen.

    Unter anderem könnte die ballistische Festtreibstoffrakete MGM-31C Pershing II mit einer Reichweite von 1770 Kilometern und einer Sprengkraft von 80 Kilotonnen wiederbelebt werden, schreibt  die „Gazeta“. Im Kalten Krieg waren diese Raketen sowie die landgestützten Marschflugkörper BGM-109 Tomahawk eine äußerst gefährliche Erstaschlag-Waffe: Sie bräuchten nämlich nur acht bis zehn Flugminuten, um wichtige Anlagen im europäischen Teil der damaligen Sowjetunion zu erreichen.

    Dabei seien ihre Startrampen in Westeuropa (Westdeutschland) stationiert gewesen, so die „Gazeta“. Unter den heutigen Bedingungen könnten sie aber viel näher — im Baltikum und sogar in der Ukraine — aufgestellt werden. „In diesem Fall würde ihre Flugzeit bis zu russischen Großstädten und wichtigen Militärobjekten praktisch auf Null schrumpfen, der russische Militär- und politischen Führung Russlands würde nicht die nötige Bedenkzeit für die Entscheidung über einen Vergeltungsschlag bleiben.“

    Eine Stationierung von Kurz- und Mittelstreckenraketen unmittelbar an den russischen Westgrenzen, die das auf Interkontinentalraketen ausgelegte russische Frühwarnsystem sinnlos machen würde, füge sich gut in das US-Strategiekonzept Prompt Global Strike (PGS) ein, schreibt Gazeta.ru weiter. Durch PGS will sich Amerika nämlich die Möglichkeit verschaffen, jeden beliebigen Ort auf der Erdkugel innerhalb einer Stunde mit nichtnuklearen Waffen zu treffen, was bisher nur mit Interkontinentalraketen möglich ist.

    Zugleich modernisieren die USA ihre weitereichenden Atomraketen. Am Dienstag testeten die US-Luftstreitkräfte — bereits zum vierten Mal in diesem Jahr — eine Langstreckenrakete vom Typ Minuteman 3. Die Interkontinentalrakete mit einer Reichweite von rund 6800 Kilometern soll den Kern der modernisierten strategischen Atomwaffen Amerikas bilden.

    Präsident Donald Trump hatte bereits nach seinem Wahlsieg eine Verstärkung des amerikanischen Atomwaffenpotenzials angekündigt. Das Pentagon will in den nächsten 15 Jahren etliche Milliarden Dollar für den Bau des neuen Langstreckenbombers B-21, neuer atomar bestückbarer U-Boote und Interkontinentalraketen ausgeben.
    Allein in den Kontinental-USA sollen künftig 400 ballistische Interkontinentalraketen in Stellung gebracht werden. Deren Entwicklungs- und Produktionskosten werden selbst vom US-Militär auf 62 Milliarden US-Dollar geschätzt.

    Früher habe es zwischen Washington und Moskau mehrere „Schlichtungskommissionen“ gegeben, um gegenseitige Besorgnisse im militärischen Bereich schnell abzubauen, schreibt die „Gazeta.ru“. Die jetzige Krise, die seit der Amtszeit von Präsident Barack Obama andauert, habe den beiden Ländern diese Möglichkeit genommen. Ein Atomkrieg rücke damit ein Stück näher, schlussfolgert die Zeitung.

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    Tags:
    USA, Russland
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