06:20 08 Juli 2020
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    Angehörige der ukrainischen Streitkräfte und der Volksmilizen der selbsterklärten Volksrepubliken Lugansk und Donezk rufen einander regelmäßig über die Frontlinie an und schließen sogar lokale Waffenstillstände, berichtet das Portal „Strana.ua“ unter Berufung auf Soldaten der ukrainischen Armee.

    „Darauf lenkt man keine Aufmerksamkeit, aber jeder Kommandeur eines Stützpunktes hat Kontakte mit der ‚anderen Seite‘. Davon sagt man den Chefs im Stab nichts, ich denke aber, dass sie es sehr gut verstehen. Niedrigere Kommandeure vereinbaren selbst auf ihrer Ebene lokale Waffenstillstände“, zitiert das Portal einen ukrainischen Soldaten.

    Die Seiten schließen demzufolge Waffenruhen oft während gemeinsamer Feiertage, beispielweise zum Neujahrfest oder zu Ostern.

    „Es ist ein paar Mal vorgekommen, dass jemand von ‚jener‘ Seite angerufen hat und unseren Kommandeuren zum Geburtstag gratulierte. Und als Geschenk hat man einen Abend oder eine Nacht Waffenruhe gegeben“, so der Ukrainer.

    Wenn aber die große Artillerie von der zweiten Staffelstellung die Positionen zu beschießen begonnen habe, habe man sofort alle Vereinbarungen vergessen.

    Ein ukrainischer Offizier, der in der sogenannten Zone der Antiterroroperation (ATO) im Donbass gedient hatte, bestätigte, dass die ukrainischen Streitkräfte ihre Handlungen mit Volksmilizen koordinieren würden.

    „Ich habe an einer Kontrollstelle im Gebiet Lugansk gedient, die täglich viele Einwohner hin und her zu Fuß und mit Autos passiert hatten. Ohne Verbindung mit Separen (Volksmilizen – Anm. d. Red.) jenseits konnte man keine normale Arbeit gewährleisten“, teilte der Militärangehörige mit.

    Die Seiten führten demnach telefonische Verhandlungen, um Staus an Kontrollstellen an der Trennungslinie zu verhüten.

    Die ukrainischen Behörden hatten im April 2014 eine militärische Operation gegen die selbsterklärten Volksrepubliken Donezk und Lugansk begonnen, die ihre Unabhängigkeit erklärt hatten. Der Anlass dafür war der nationalistisch geprägte Umsturz in Kiew, bei dem Präsident Wiktor Janukowitsch entmachtet wurde. Laut den Vereinten Nationen sind bei dem bewaffneten Konflikt in der Ostukraine bisher mehr als 9.400 Menschen ums Leben gekommen.

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    Tags:
    Donbass, Ukraine