08:20 23 Oktober 2017
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    Flüchtlinge aus dem Nahen Osten forden die Grenze zwischen Mazedonien in Griechenland wieder zu eröffnen (Archivbild)

    Festung Europa wird zur Terror-Hochburg – Teil I: Russland ist der Feind

    © AFP 2017/ Daniel Mihailescu
    Politik
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    Wenn sie aus Nahost vertrieben werden – wo gehen die Terroristen dann hin? Die EU-Spitzen machen sich darüber keinen Kopf. Sie sind damit ausgelastet, Russland als Feindbild zu bemühen.

    Und übersehen, wie Europa zur Plattform der Terror-Internationale wird, schreibt der Außenpolitikexperte Andrej Baklanow in einem Beitrag für „Nesawissimaja Gaseta“.

    Um fünf bis sieben Prozent nimmt die Zahl der Terrorzellen in der Welt jährlich zu. Trotzdem sind die EU-Spitzen nach wie vor nicht bereit, die Marschrichtung ihrer Sicherheits- und Verteidigungspolitik zu ändern – sprich: die Anti-Russland-Schablonen der Nato beiseitezulegen und endlich echte Gefahren anzugehen, auf der Grundlage einer breitaufgestellten Anti-Terror-Allianz mit Russlands Beteiligung.

    Muslime stehen im Schatten einer Moschee in Kosovo
    © AFP 2017/ Armend Nimani

    Über die Lage in den Brandherden von Nahost und Nordafrika sind die EU-Kollegen tiefgreifend informiert. Dies haben sie jüngst bei einer Expertenrunde unter der Obhut des Russlandrates für internationale Angelegenheiten in Moskau gezeigt. Dabei haben russische Fachleute mit ihren Kollegen vom European Council on Foreign Relations (ECFR), einer Denkfabrik mit Hauptsitz in London, Fragen der Sicherheit und künftiger Kooperationsmöglichkeiten erörtert.

    Dabei ist unter anderem eines deutlich geworden: Die europäischen Kollegen unterschätzen definitiv die Gefahr, die von den Terroristen im Nahen Osten und Nordafrika für die Völkergemeinschaft ausgeht. Vor allem unterschätzen sie die Wucht der Bedrohung durch den „Islamischen Staat“, die auf Europa zurollt.

    In dieses Bild passt auch, dass im jüngsten Bericht des ECFR über die Zukunft Libyens und des Iraks nach der Vertreibung des IS eine Zusammenarbeit mit Moskau im Anti-Terror-Kampf praktisch keine Erwähnung findet. Mehr noch: Auch mit Hinblick auf die Terrorbedrohung auf europäischem Boden wird die Lage in ruhigem, fast schon zuversichtlichem Ton dargelegt. Dass die Zahl der Terrorzellen weltweit zunimmt, hat in dieser Betrachtung offensichtlich keinen Platz.

    Militärpatrouille auf den Straßen von Brüssel (Archivbild)
    © AFP 2017/ BELGA/Hatim Kaghat

    Eine Ursache für die Ausbreitung des Terrornetzwerks ist die Spaltung des internationalen Terrorismus in zwei Lager: Die Verfechter des Kalifats auf der einen, die Anhänger eines dezentralen Terrors auf der anderen Seite.

    Die Fürsprecher des Kalifats sehen das Ziel des internationalen Terrorismus in der Gründung eines islamischen Staates mit einem dicht kontrollierten Gebiet. Dieser Staat würde wie ein Magnet Terrorkämpfer aus aller Welt anziehen. Die Umsetzung dieser Strategie in die Praxis hat eben den „Islamischen Staat“ hervorgebracht.

    Inzwischen gewinnen in der internationalen Terrorgemeinschaft jedoch die Befürworter der Strategie eines dezentralen Terrornetzwerks die Oberhand. Ihr Argument: Ein Gottesstaat, das Kalifat, sei für Regierungsarmeen und Geheimdienste ein leicht verwundbares Ziel. Deshalb sollen in etwa 60 wichtigen Ländern der Welt, muslimischen und nicht-muslimischen, geheime Operationszentren und Terrorzellen eingerichtet werden.

    Und hier kommen jene Terrorkämpfer ins Spiel, die das Scheitern der Kalifat-Strategie in Syrien, im Irak und in Libyen hautnah miterleben. Wo sollen sie nach all den Niederlagen hin?

    Vielleicht ja nach Afghanistan? Könnte man meinen. Nur hat sich in diesem Land, wie auch im benachbarten Pakistan, längst eine eigene Terror-Elite herausgebildet, die untrennbar mit dem Drogenhandel verbunden ist. Weitere Terror-Anführer sind diesen Leuten gewiss nicht willkommen, müsste man mit ihnen doch die Einnahmen aus dem Drogengeschäft teilen.

    Zentralasien? Die Ex-Sowjetrepubliken dieser Region haben ihre Attraktivität für IS-Kämpfer jedoch verloren – Russlands Einsatz gegen kriminelle Banden und Terroristen an dessen Südgrenzen sei Dank. Auch hat der Anti-Terror-Kampf der SOZ-Mitglieder China, Indien und Pakistan erheblich dazu beigetragen. Schließlich sollen dem Mega-Projekt der neuen Seidenstraße keine Terror-Enklaven im Wege stehen.

    Bleibt noch der Nordkaukasus. Nur werden die Menschen in den russischen Teilrepubliken dieser Region nach den bitteren Erfahrungen der Neunzigerjahre keine weitere Epidemie des internationalen Terrors mehr dulden – die IS-Anführer sind sich darüber im Klaren. Zudem ist Tschetscheniens Präsident Ramsan Kadyrow in dieser Region stark, auf die heißen Köpfe der IS-Terroristen wirkt dessen Präsenz ernüchternd. Der Nordkaukasus wird für IS-Terroristen also zusehends zu einer No-Go-Area.

    Wird also Europa zur zentralen Plattform des internationalen Terrors? Die Zahlen sprechen klar dafür. Mehr dazu im zweiten Teil des Beitrags von Andrej Baklanow.

    Fortsetzung folgt

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    Tags:
    Gefahr, Terrorbekämpfung, Terrorismus, Terrormiliz Daesh, EU, NATO, Ramsan Kadyrow, Europa, Syrien, Russland
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