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09:44 21 Oktober 2019
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    Sigmar Gabriel bei der SPD-Zentrale in Berlin (Archivbild)

    Siggi-Pop im Außenamt: Outsider Gabriel wird zum Star deutscher Politik

    © AP Photo / Markus Schreiber
    Politik
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    Vor einem halben Jahr war das unmöglich: Sigmar Gabriel ist der beliebteste SPD-Politiker der Deutschen. Als Vize-Kanzler war er auch schon ein politisches Schwergewicht, aber beim Volk noch weniger populär als seine Partei. Manch ein klares Wort und eine krasse Geste haben Gabriel geholfen, das Ruder herumzureißen, schreibt „Lenta.ru“.

    Dass Gabriel die Nachfolge von Steinmeier im Amt des Außenministers antritt, sei „ein schlechter Witz“. Der Neue werde sich auf der internationalen Bühne wie „ein Elefant im Porzellanladen“ aufführen, fürchtete Die Welt.

    Und der Spiegel war ratlos: Erst bezeichne Gabriel Israels Politik gegenüber den Palästinensern als Apartheid, dann werde er Außenminister – wer solle das verstehen?

    Und der große Neue sei ja auch wirklich ganz anders als sein Vorgänger, der taktvoll-solide Jurist Steinmeier. Gabriel hingegen habe inzwischen den Ruf, er sei für so manch einen Skandal zu haben, schreibt das Portal.

    Vielleicht ist er nicht immer diplomatisch, der Gabriel. Aber dass seine Botschaft immer ankommt, zeigte er im vergangenen Jahr bei einem Besuch in Niedersachsen. Dort wurde er von einer NPD-Meute begrüßt: „Dein Vater hat sein Vaterland geliebt. Und was machst du? Du zerstörst es!“, schrie einer aus der Gruppe. Gabriels Antwort traf den Nagel auf den Kopf – wortlos.

    Von den Medien hagelte es daraufhin Kritik. Gabriel bereute – und zwar nur, dass er die kraftvolle Geste nur mit einer Hand gezeigt habe.

    Auch in seinem Amt als Außenminister redet Gabriel oftmals Tacheles, auch dann, wenn die Bundeskanzlerin sich vielleicht zwei Mal überlegen würde, was sie sagt. Als Trump deutschen Autobauern mit 35-prozentigen Einfuhrzöllen drohte, riet der deutsche Außenminister den Vereinigten Staaten, sie sollen erstmal lernen, gute Autos zu bauen.

    Auf die jüngsten US-Sanktionen gegen Russlands Energie-Sektor reagierte Gabriel empört: "Europas Energieversorgung ist eine Angelegenheit Europas, und nicht der Vereinigten Staaten von Amerika", sagte der deutsche Außenminister. "Wer uns Energie liefert und wie, entscheiden wir, nach Regeln der Offenheit und des marktwirtschaftlichen Wettbewerbs." Den USA gehe es doch nur darum, einen Konkurrenten loszuwerden. Dies sei gar nicht „America first“, sondern „America only“, wetterte Gabriel.

    Dass sich an Sigmar Gabriel die Geister scheiden, belegt auch seine jüngst erschienene Biografie. Inspirieren und überzeugen könne er, aber auch abstoßen und enttäuschen, heißt es darin. Vielleicht ist das ein Echo seiner keineswegs einfachen Kindheit?

    Die aktive Unterstützung für Merkels Politik hat sowohl am Image der SPD als an dem des Parteichefs Gabriel gekratzt. Doch die ersten sechs Monate im Amt des Außenministers machten Gabriel sowohl im In- als auch im Ausland populärer. Wütende Auftritte wie seine Brandrede gegen Erdogan brachten dem Politiker Punkte.

    Nach Angaben des Statistik-Portals statista.com waren im Juli 66 Prozent der deutschen mit der politischen Arbeit Gabriels sehr zufrieden oder zufrieden. Damit lag der Bundesaußenminister in der Gunst der Deutschen auf Platz zwei hinter der Kanzlerin Merkel (69 Prozent).

    „Die Wut steht ihm gut“, schrieb die „Augsburger Allgemeine“ im Juli. „Dass Sigmar Gabriel in einer Brandrede dem türkischen Präsidenten Erdogan klargemacht hat, dass der deutsche Geduldsfaden gerissen ist, dürfte ihn nur noch beliebter machen. Schon jetzt ist der Außenminister populärster SPD-Politiker – und nicht etwa Kanzlerkandidat Martin Schulz.“

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    Tags:
    Skandal, SPD, Sigmar Gabriel, Angela Merkel, Deutschland