04:02 15 November 2019
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    Anti-Trump-Proteste in Berlin

    Deutsche „Gralshüter des Globalismus“ gemeinsam mit Soros & Co. als Trumps Gegner

    © AFP 2019 / Rainer Jensen / dpa
    Politik
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    Die deutsche Politik und die deutschen Medien wünschen sich, dass Donald Trump als US-Präsident scheitert. Das macht der Politologe Erhard Crome in seinem neuen Buch deutlich. Er zeigt, warum das so ist und wie der angekündigte Kurswechsel in der US-Politik auch den deutschen Macht-Interessen zuwiderläuft.

    „Deutsche Medien verschreien Trump unisono, seine politischen Positionen, seine Person. Das reicht von Spiegel und der Frankfurter Allgemeinen Zeitung bis hin zu TAZ und Neues Deutschland. So viel Übereinstimmung war nie und sollte stutzig machen.“ Das stellte der Politikwissenschaftler Erhard Crome fest und schrieb deshalb ein Buch über „Trump und die Deutschen“. Er warnt darin davor, dass „alles Psychologisieren, das die Politik Trumps aus seiner Psyche, aus seiner Kindheit usw. ableiten will, ins Nichts“ führe. 
     
    Die vom neuen US-Präsident zusammengestellte Regierungsmannschaft befinde sich „weitgehend außerhalb des Gefüges von Abhängigkeiten der üblichen Politiker von den Netzwerken jener Milliardäre, die bisher die globalistische Politik gelenkt und geschmiert haben“, stellt der Politologe klar. Jetzt habe „ein Flügel der herrschenden Klasse selbst und direkt die Macht übernommen, um den Kurs des Landes zu verändern“. Dagegen ist gerade Hillary Clinton ein Beispiel für jene bisher regierende abhängige Politiker-Kaste, die zudem „für eine Führungselite steht, der viele die Schuld am Irrweg der USA geben“, wie selbst Clinton-Sympathisant David Ignatius von der Zeitung „The Washington Post“ feststellte.
     
    Soros und Co. benutzen Anti-Trump-Demonstrationen
     
    Trump habe im Wahlkampf angekündigt, mit der Interventionspolitik  der „Neocons“ brechen zu wollen, erinnert Crome. Deshalb „– nicht seiner Sprüche wegen – „ sei er „immer hysterischer als Lügner, zum Amte ungeeignet und ‚gefährlich‘ für die USA bezeichnet“ worden. Der Politologe ergänzt allerdings zu Recht: „Ein Abschied von unaufhörlichem Interventionismus und Regime-Change-Kriegen … ist jedoch nicht identisch mit einer Friedenspolitik.“ Trumps Ankündigungen und erste außenpolitischen Aktivitäten ebenso wie der angekündigte aufgestockte Rüstungshaushalt stünden für die „Machtpolitik eines starken imperialistischen Staates“. 
     
    Allerdings liege in der innenpolitisch und wirtschaftlich orientierten „America first“-Logik kein militärisches Vorgehen gegen Russland. „Eine Verbesserung des Verhältnisses zu Russland konnte von der Gegenseite jedoch bislang verhindert werden“, stellt der Autor in dem im Juni erschienen Buch fest, was unter anderem durch die jüngsten US-Sanktionen erneut bestätigt wurde.
     
    Crome meint: „Der Gleichklang der globalistisch neoliberalen Medien auf beiden Seiten des Atlantiks ist kein zufälliges Unisono, sondern verabredet.“ Das geschehe zum Beispiel über Institutionen wie die „Atlantik-Brücke“. Das deutsche Motiv dabei: „Wenn Trump ‚America First‘-Politik macht, kann Deutschland in seiner eigenen imperialen Politik nicht mehr sicher auf die Unterstützung der USA rechnen.“ Das führt zu erstaunlichen Allianzen: „Zwischen den Herrschenden und weiten Teilen der Bevölkerung waltet Einmütigkeit: Alle gegen Trump!“ Für Erstere sei das „äußerst bequem“: „Die Demonstrierer in den EU-Ländern haben einen Feind weitab.“ 
     
    Die eigene Politik gerate dadurch ebenso aus dem Blickfeld und Linke würden ihre Kapitalismus-Kritik vergessen, betont der Politologe. Er macht darauf aufmerksam, wer zu den finanzstarken Unterstützern der Anti-Trump-Demonstranten gehört: George Soros, einer jener Finanzspekulanten, die von der Politik profitieren, welche Trump ändern möchte. Die „gutmeinenden Demonstrationen“ seien „die moralische Nebelwand, hinter der sich der gnadenlose Machtkampf innerhalb der herrschenden Klasse der USA um den künftigen Kurs des Landes abspielt“. Deutschland und die EU zeigten sich dabei „als Gralshüter des Globalismus“, „ganz im Sinne der Verabredungen zwischen Angela Merkel und anderen EU-europäischen Regierungen mit Obama vom November 2016“.
     
    Verschweigen von Fakten und eigenen Interessen
     
    Als Beispiel für die einseitige Position auch der deutschen Medien gegenüber Trump verweist Crome auf die Pressekonferenz des US-Präsidenten vom 16. Februar 2017. In den USA wie auch hierzulande sei nahezu einhellig berichtet worden, der Präsident habe die Presse beschimpft, gelogen und Fragen nicht beantwortet. Das von der Zeitung New York Times online veröffentlichte Wort-Protokoll zeige, worüber „ebenso einhellig nicht berichtet worden war“. So zum Beispiel darüber, dass Trump die Fragen über seine angeblichen russischen Verbindungen als „Trick“ bezeichnete und sagte, dass es gut wäre, wenn die USA und Russland zusammenkämen und Gemeinsamkeiten fänden. Eine Zuspitzung des Konfliktes zwischen beiden Nuklearmächten könnte zu einem „nuklearen Holocaust ohnegleichen“ führen, warnte er und sagte: „Wenn wir gute Beziehungen zu Russland hätten, wäre das eine gute Sache, keine schlechte Sache.“ Das war in hiesigen tonangebenden Medien nicht zu lesen oder zu hören. Nicht nur die deutsche Politik leidet anscheinend, sondern auch in den deutschen Großmedien „schwellen die Stoßgebete an, der ungeliebte Präsident möge doch von seinen innenpolitischen Feinden, den interventionistischen Globalstrategen, gestürzt werden“.
     
    Für Crome gehört die neue deutsche Hegemonie in Europa zu den Hintergründen der aktuellen Auseinandersetzungen. Die wechselseitige Reserviertheit zwischen Trump und Merkel habe nur zu Tage treten lassen, „was objektiv längst bestand und durch die ostentative Freundlichkeit“ zwischen der Kanzlerin und Obama nur überdeckt worden sei: „Aus der Sicht der heute in diesem Lande herrschenden Kräfte liegt die strategische Zukunft Deutschlands gerade nicht in einem engen ‚Bündnis‘ mit den USA,“ sondern darin, die Zusammenarbeit zu nutzen, um die deutschen Interessen durchzusetzen. Das geschehe bei „gleichzeitiger Distanz zu dem zu erwartenden Scheitern einer gewaltförmigen Weltpolitik, wie sie die USA verkörpern.“ Allerdings wäre es „unklug für eine deutsche Regierung, die die Interessen der geo-ökonomischen Macht umsetzt,“ das offen auszusprechen: „Für die maßgeblichen Kräfte in Deutschland war und ist klar, dass Streit mit den USA die globale Ausrichtung deutscher Wirtschaftsinteressen stört.“ Die eigenen Spielräume seien größer, wenn der schwächer werdenden Supermacht weiter das Gefühl vermittelt werde, sie führe weiter, erklärt Crome. Die Wahl Trumps habe aber die „antrainierten transatlantischen Gewissheiten“ der westdeutschen politischen Elite ins Schwanken gebracht. Sie wüssten nun nicht mehr so genau, „was die bisherige Vormacht so will“.
     
    Eigener deutscher Politikwechsel als bessere Antwort
     
    Vieles scheint seit der Wahl des neuen US-Präsidenten offener als zuvor, so das „vorläufige Fazit“ des Politologen. Deutschland sei eine „global relevante Macht“, die allerdings erneut an Bedeutung verliere, wenn sich die internationalen Auseinandersetzungen „wieder stärker auf Wettrüsten, regionale Kriege und die Drohung mit dem großen Krieg“ verlagern. Es könne den militärstrategischen Vorsprung der USA, Russlands und Chinas nicht aufholen, auch nicht im Verbund der von ihm dominierten  EU, schätzt Crome ein. Diese könne nicht „in eine kriegsführungswillige Militärmacht“ verwandelt werden. 
     
    Doch genau das scheint derzeit angelaufen zu sein, unter dem Stichwort der „strategischen Autonomie“. „Trump verstärkt den Druck“, schreibt Crome am Ende seines Buches und schlägt als Alternative vor, „seinen Ansinnen nicht zu folgen“. Der eigene Rüstungshaushalt sollte nicht wie gefordert erhöht werden, sondern müsse gesenkt werden. Danach müsse die Bundeswehr wieder zu einer Verteidigungsarmee gemacht werden statt wie derzeit zu einer weltweit agierenden „Armee im Einsatz“. Dann könne Trump beim Wort genommen werden, dass die Nato obsolet geworden sei, und die USA aufgefordert werden, „alle Militärstützpunkte in Deutschland aufzugeben“. 
     
    Das sieht der Autor als bessere „deutsche Alternative“ zum derzeitigen US-Präsidenten und seiner Politik. Besser als eine analoge Machtpolitik mit verstärkter Aufrüstung, als „brave Gefolgschaft versus eigene Hegemonialpolitik“, sei „eine zivilisierte, auf Frieden, Zusammenarbeit, Abrüstung, eine zeitgemäße Klima- und ‚Entwicklungs‘-Politik orientierte Außen- und Europapolitik“. 
     
    Das klingt am Ende des analytischen Buches etwas nach Wunschdenken aus linker Perspektive. Es ist deshalb nicht falsch und verringert den Wert des Buches nicht. Dieser liegt mit darin, dass der Autor sich nicht scheut, ganz klar zu schreiben, dass die beschriebenen Vorgänge zu „Epoche des Imperialismus“ gehören, in der wir uns wieder befinden. Sein Buch ist hilfreich, um besser zu verstehen, was vor sich geht. Es ist dafür hilfreicher als die Bücher, die sich in psychologischen Erklärungen ergehen oder an der Oberfläche wischen, auch als die eifernden blinden Anti-Trump-Pamphlete jener, die sich für links halten und Autoren wie Crome gar als „Trump-Versteher“ glauben verleumden zu können.
     
    Buchautor Erhard Crome hat kürzlich in einem Studio-Interview bei Sputnik über sein Buch gesprochen. Das Interview kann hier im Video nachgesehen und —gehört werden:

    „Trump und die Deutschen“: Wer bestimmt den deutschen Blick auf den US-Präsidenten?

     Tilo Gräser

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    Tags:
    Medien, George Soros, Donald Trump, Deutschland, USA