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    Wann die neuen amerikanischen Patriot-Flugabwehrkomplexe an Polen geliefert werden, ist vorerst unklar, wie der polnische Außenminister Witold Waszczykowski gegenüber der russischen Zeitung „Kommersant“ erklärte.

     „Vorerst besteht keine Klarheit. Wir haben eine Vorvereinbarung unterzeichnet und unsere Wünsche zur Spezifikation dieser Batterien, Radare und anderer Zusatzausrüstung dargelegt. Jetzt warten wir auf die Antwort der USA hinsichtlich der technischen Details des Vertrags und des Preises. Demnach lohnt es sich nicht, die Lieferungen morgen zu erwarten“, sagte der Minister dem Blatt.

    Das Ziel dieses Kaufes sei ihm zufolge, „dass die Flugabwehrsysteme zumindest drei Punkte schützen: erstens die Hauptstadt, zweitens jenen Teil des Landes, über den zusätzliche Kräfte der Nato zur Unterstützung unserer Verteidigungsfähigkeit ins Land kommen können, und drittens — den Hauptstab oder einen anderen für die Verteidigung wichtigen Ort“.

    „Gewöhnlich sind für den Schutz eines jeden dieser Punkte drei Batterien erforderlich“, konkretisierte Waszczykowski.

    Daraufhin angesprochen, ob Warschaus Absicht, zusätzliche Patriot-Batterien zu stationieren, mit  Moskaus Plänen verbunden seien, die Raketenbrigaden im Gebiet Kaliningrad neu auszurüsten, sagte er: „Die russischen Raketen sind dort bereits stationiert, wir aber haben bislang keine Flugabwehrsysteme, um uns im Falle eines möglichen Angriffs zu schützen.“

    „Wir unternehmen keine Schritte als Erste – wir reagieren auf das, was wir sehen. Umso mehr, wo die Patriot-Systeme es nicht erlauben, irgendein Land zu überfallen – in diesem Sinne  sind es nutzlose Systeme. Dagegen können die Iskander-Systeme für einen Angriff genutzt werden, indem sie mit Atomsprengköpfen bestückt werden“, sagte der polnische Minister.

    Polen wird im Jahr 2022 erste Luftabwehrraketen vom Typ „Patriot“ aus den USA erhalten. Einen entsprechenden Vertrag unterzeichneten beide Staaten am 6. Juli am Rande des Warschau-Besuchs von US-Präsident Donald Trump.

    Polen hatte bereits vor zwei Jahren Kaufinteresse an acht Patriot-Raketensystemen bekundet. Die Verhandlungen zu dem auf fünf Milliarden Euro geschätzten Deal wurden Ende 2015 ausgesetzt, weil die Parteien uneinig über den Preis waren.

    Russland hatte Boden-Boden-Raketen vom Typ Iskander, auf die sich der polnische Außenminister beruft, in seiner Ostsee-Exklave Kalininrad aufgestellt, um im Kriegsfall den US-Raketenschild in Europa, mit dem sich die USA einseitige strategische Vorteile verschaffen, neutralisieren zu können.

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    Tags:
    US-Flugabwehrraketen Patriot, Witold Waszczykowski, USA, Polen