22:46 22 Oktober 2017
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    Indischer Grenzsoldat an der Grenze zu China (Archivbild)

    „Hühnerhals” treibt Indien und China zu No-Return-Point

    © AFP 2017/ Diptendu Dutta
    Politik
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    Der Konflikt im Himalaya zwischen zwei Verbündeten Russlands hat sich kurz vor dem BRICS-Gipfel zugespitzt. Chinas Staatschef Xi Jinping und den indischen Premier Narendra Modi erwartet eine äußerst angespannte Zusammenkunft, berichtet die Zeitschrift „Expert“ in ihrer Onlineausgabe.

    Der Konflikt entflammte Mitte Juni im Länderdreieck Bhutans, Indiens und Chinas. Der schmale Siliguri-Korridor, auch als „Hühnerhals“ bekannt, verbindet die nordöstlichen indischen Staaten mit dem kontinentalen Indien, weshalb er von großer strategischer Bedeutung ist. Der formelle Grund des Konfliktes ist der Bau einer Straße zum Doklam-Plateau durch die Chinesen. Sie wird durch das umstrittene Territorium verlaufen, das von China und Bhutan beansprucht wird.

    Bhutan bat seinen alten Verbündeten Indien um Hilfe. Neu-Delhi schickte Hunderte bis zu mehreren Tausend Soldaten an die Grenze. Peking warf Indien Provokationen und Grenzverletzungen vor.

    Indische und chinesische Militärs befinden sich auf unterschiedlichen Seiten eines sehr schmalen Tals, das Indien von Bhutan trennt und das China den Zugang zum „Hühnerhals“ ermöglicht. Beide Seiten zeigen derweil keine Merkmale der Bereitschaft zu einem Kompromiss. Nehmen wir beispielsweise die jüngste Militärparade in Peking. Das chinesische Außenministerium warf in seiner letzten Pressemitteilung den indischen Streitkräften das Ergreifen des chinesischen Territoriums vor.

    Neu-Delhi wiederholte mehrmals seine lautstarken Erklärungen: Die Straßenarbeiten an diesem strategisch wichtigen Ort bedrohten den Status quo in der Region.

    In den letzten Jahren wurden ähnliche Konflikte in der Region ziemlich schnell durch einen gegenseitigen Truppenrückzug von der Trennungslinie gelöst. So war es beim letzten Ausbruch des Konfliktes 2014, kurz vor dem seltenen Besuch des chinesischen Staatschefs in Indien.

    Schüsse an der indisch-chinesischen Grenze waren seit mehr als 50 Jahren nicht zu hören – seit 1952, als es zwischen Neu-Delhi und Peking zu einem kurzen Krieg kam.

    Während die Diplomaten versuchen, eine Vereinbarung zu erreichen, schüren die Medien in beiden Ländern die nationalistische Stimmung. Chinesische Staatsmedien berichten über mögliche gewaltsame Aktionen. Auch die indische Presse setzt auf kriegerische Rhetorik.

    Das chinesische Verteidigungsministerium warnte Neu-Delhi in der vergangenen Woche, dass Indien keine Illusionen in Bezug auf die Bereitschaft der chinesischen Militärs haben solle, das Territorium Chinas zu verteidigen. Die chinesische Armee strebe vielleicht keinen Krieg an, doch habe nicht das Recht, Schwäche zu zeigen. Trotz mehrerer Aufrufe Pekings, die Truppen von der Grenze abzuziehen, gab es keine Änderungen in Doklam. Die indische Seite setzt anscheinend auf langes Warten.

    „Neu-Delhi beschloss, Härte auf dem Boden und Vernunft in der Diplomatie zu zeigen“, kommentierte der indische Militärexperte Nitin Gokhale.

    Es gibt ausreichend Gründe für die schlechten Beziehungen zwischen Indien und China – auch ohne Territorialstreitigkeiten. China weigert sich, den Beitritt Indiens zur Gruppe der Kernmaterial-Lieferländer (NSG) zu unterstützen. Indien weigerte sich hingegen, am Projekt „Ein Gürtel, eine Straße“ teilzunehmen, und will zusammen mit Japan eine eigene Seidenstraße entwickeln, die südlich der chinesischen Straße verlaufen soll.

    In der indischen Stadt Dharamsala lebt außerdem seit mehr als 50 Jahren Dalai Lama, der in Peking als gefährlicher Provokateur und Separatist betrachtet wird. Neu-Delhi befürchtet das Auftauchen chinesischer Militärstützpunkte in Pakistan und auf Sri Lanka, in die China viel Geld investiert.

    Die politischen Spannungen zeigen sich auch in der Wirtschaft. So blockierte Neu-Delhi die Übernahme des indischen Pharmaunternehmens Gland Pharma durch die Shanghaier Fosun Pharmaceutical Group für 1,3 Milliarden US-Dollar.

    Beide Länder sind Verbündete Moskaus. Indien ist die drittstärkste Macht in Asien, weshalb gute Beziehungen zu Peking für Russland äußerst wichtig sind. Jedenfalls ist ein Konflikt zwischen China und Indien sowohl im Himalaya als auch in anderen Gebieten nicht vorteilhaft. Allerdings würde ein Kampf zwischen zwei asiatischen Tigern als Kräftemessen, nach einem halben Jahrhundert aktiven Wachstums in jedem der beiden Länder, aus der Sicht der historischen Logik und der Vielzahl solcher Vorfälle natürlich aussehen. Allerdings herrschten früher keine nuklearen Zeiten. China und Indien verfügen über einen realen Atommachtstatus.

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    Tags:
    Möglichkeit, Konflikt, Auseinandersetzungen, Eskalation, Streit, Grenzen, Butan, China, Indien
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