09:02 19 Juni 2018
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    „Keine Aufnahme mehr“: Serbien als Geisel der Eurointegration

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    Politik
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    EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker hat sich dieser Tage gegen eine baldige Aufnahme westlicher Balkanstaaten in die EU ausgesprochen. Zugleich warnte er davor, dass sich wegen der fehlenden Europerspektive für diese Staaten das Szenario der 1990er Jahre wiederholen könnte – Gewalt und Krieg.

    „Die bekannteste Geisel der Politisierung der EU-Mitgliedschaft ist wohl die Türkei. Aber ein markantes Beispiel dafür bleibt doch noch Serbien, dem man klar zu verstehen gibt, dass ein EU-Beitritt ohne Verzicht auf das Kosovo sowie strategische Beziehungen zu Russland und zur Republika Srpska undenkbar wäre“, sagte Aleksandar Mitic vom Belgrader Zentrum für strategische Alternativen in einem Sputnik-Interview.

    Der andere Belgrader Politologe – Djordje Vukadinovic – meinte in einer Stellungnahme zu Junckers Erklärung, dass der EU-Kommissionspräsident genau das aufrichtig sagt, was die Gemüter der meisten führenden Repräsentanten der wichtigsten EU-Länder bewegt.

    „Der ganze Rummel um die Erfüllung der EU-Standards als Voraussetzung für den Beitritt sind Märchen für naive Balkan-Kinder – örtliche politische Eliten —, die daran aufrichtig glauben oder so tun, als ob sie glauben“, betonte Vukadinovic.

    Ihm zufolge wurden doppelte Standards in den letzten zehn bis 15 Jahren gerade gegenüber Serbien angewandt. Und Mitic fügte hinzu, dass objektive Standards ausschließlich gegenüber Ländern gelten, die außenpolitisch und kulturologisch mit dem euroatlantischen Raum verbunden sind.

    „Objektive Standards hätten zum Beispiel für die Schweiz, Island oder Norwegen gegolten. Aber diese Länder haben es nicht eilig, Teil der Europäischen Union zu werden. Andererseits hatten wir am Beispiel Bulgariens und Rumäniens gesehen, wie die Geopolitik die Oberhand über objektive Kriterien gewinnt“, sagte Mitic.

    Vukadinovic zufolge ist der sogenannte „Kosovo-Faktor“ das Hauptkriterium der Bereitschaft Serbiens zum EU-Beitritt. „Die Unabhängigkeit des Kosovo und alles, was für die Erlangung der Selbstständigkeit durch diesen sogenannten Staat förderlich ist, ist das wichtigste Kriterium, mit dem ein Fortschritt Serbiens auf dem Weg in die EU gemessen wird. Alles andere ist mehr oder weniger zweitrangig.“

    „Spricht man von den USA, die sich ebenfalls nicht selten zu den Europerspektiven für Serbien und den Balkan äußern, sind für Washington in diesem Zusammenhang die Beziehungen zwischen Belgrad und Moskau ausschlaggebend“, schlussfolgerte der Experte.

     

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    Tags:
    doppelte Standards, Beitritt, EU, Serbien
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