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01:34 19 August 2019
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    Übungen der südkoreanischen und US-Marineinfanteristen auf der koreanischen Halbinsel (Archivbild)

    Atommacht Nordkorea: Lässt sich ein Weltkrieg noch vermeiden?

    © AFP 2019 / Jung Yeon-Je
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    Nordkorea steht an der Schwelle zur Atommacht, sagt der Experte für internationale Sicherheit Hans-Joachim Schmidt. Sollten nicht alle Beteiligten endlich zum Dialog finden, könnte dies im schlimmsten Fall zum dritten Weltkrieg führen, warnt er im Sputnik-Interview.

    Nachdem der letzte Atomtest 2016 gezeigt habe, dass die Demokratische Volksrepublik Korea erfolgreich eine Atombombe zur Explosion bringen kann, sei der Weg zur Atommacht nicht mehr weit, erklärt der Politologe vom Leibniz-Institut Hessische Stiftung Friedens- und Konfliktforschung. Es sei allerdings unklar, über wieviel waffenfähiges spaltbares Material, Plutonium und hochangereichertes Uran, das Land verfüge. Schmidt führt aus:

    „Seriöse Schätzungen gehen von Spaltmaterial für bis zu 20 Bomben aus. Weiterhin ist unklar, ob Nordkorea schon in der Lage ist, einen Nuklearsprengkörper soweit zu verkleinern,  dass er in eine Bombe oder auf eine Rakete passt. Ich persönlich glaube das noch nicht. Außerdem hat der letzte Test einer Interkontinentalrakete gezeigt, dass Nordkorea die Entwicklung eines sicheren Wiedereintrittskörpers zum Schutz des Atomsprengkopfes vor der Hitze beim Eintritt in die Erdatmosphäre noch nicht abgeschlossen hat. Er ist nämlich in der letzten Flugphase zerfallen. Aber es ist nur eine Frage der Zeit, bis Kim Jong-un diese Probleme lösen wird.“

    Auch bei den Raketen gebe es große Fortschritte, so der Militärexperte. Das Regime habe erfolgreich mit der Entwicklung einer U-Boot-gestützten-Rakete begonnen und erfolgreich Raketen mit mittlerer und interkontinentaler Reichweite getestet. Für die Entwicklung von zuverlässigen Raketen mit interkontinentaler Reichweite werde Nordkorea aber noch einige Jahre brauchen, trotz der jüngsten Erfolge.  

    Als Reaktion auf die jüngsten Raketentests hat das japanische Verteidigungsministerium einen neuen Bericht veröffentlicht. Dort heißt es, das illegale Atomwaffenprogramm des Nachbarlandes Nordkorea befinde sich in einer „neuen Phase“. Als Reaktion darauf plant Japan nun offenbar eine Abkehr von seiner bisherigen defensiven Militärstrategie. Schmidt glaubt, dass Japan damit vor allem den Druck auf China erhöhen will, Nordkorea zur Aufgabe seines Atomprogramms zu bewegen. China sei zu 90 Prozent der Hauptlieferant für Versorgungsgüter, die Nordkorea benötige. Auf Dauer sei die Verteidigung gegen Raketen auch deutlich teurer als die Entwicklung von Angriffsraketen, und schließlich sei die neue Strategie auch eine Antwort auf die Unberechenbarkeit der neuen Trump-Regierung. Als Folge davon würden aber natürlich auch die Spannungen und die Risiken in der Region steigen. 

    Dass China den neuen Sanktionen gegen die Demokratische Volksrepublik Korea zustimmt, liegt laut Schmidt daran, dass die Volksrepublik die von den USA angedrohten Sanktionen (secondary sanctions) gegen seine Wirtschaft vermeiden will. Auch fürchte das Reich der Mitte angesichts der Unberechenbarkeit der Trump-Regierung die wachsende Diskussion in Japan und Südkorea über eine Bewaffnung mit Nuklearwaffen.  

    Die neuen Sanktionen würden zwar die Kosten für Nordkorea erhöhen, aber das werde Nordkorea hinnehmen und versuchen, seine Waffenprogramme trotzdem zu beschleunigen. Hans-Joachim Schmidt betont:

    „Die Spannungen können für alle Beteiligten weiter steigen, oder alle Beteiligten suchen endlich den Dialog und versuchen, über Gespräche das Problem zu managen, denn die von den USA, Japan und Südkorea geforderte umfassende und verifizierbare Abrüstung aller nordkoreanischen Nuklearwaffen halte ich für unrealistisch, zumindest kurz- und mittelfristig.“

    Sollte es allerdings ganz schlecht laufen, könnte die Situation in Nordostasien zum Beginn des dritten Weltkriegs führen, warnt der Experte. Die neue US-Regierung habe Anfang dieses Jahres militärische Angriffsszenarios diskutiert, aber wegen der hohen Eskalationsrisiken verworfen. Schmidt hofft, dass dies so bleibt, und dass die ehemaligen Generäle Masters und Kelly ihrem Präsidenten in den Arm fallen, sollte er tatsächlich etwas derartig Verrücktes und Gefährliches beabsichtigen.

    Das komplette Interview zum Nachhören:

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    Tags:
    Experte, Raketenschlag, Atomprogramm, Wahrscheinlichkeit, Dritter Weltkrieg, Nordkorea