20:18 17 Dezember 2017
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    Graffiti mit Baschar al-Assad in Damaskus (Archivbild)

    Strategie für Syrien: „Die USA werden für Assads Abgang bezahlen“

    © Sputnik/ Walerij Melnikow
    Politik
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    Analysten der Brookings Institution haben eine Strategie zur Nachkriegsregelung in Syrien vorgestellt. Sie skizzieren Wege zum wirtschaftlichen Wiederaufbau – und zum Abgang von Baschar Assad. Die russische Zeitschrift „Expert“ nimmt die Vorschläge unter die Lupe.

    Die Zeitschrift titelt in ihrer Onlineausgabe: „Die USA werden für Assads Abgang bezahlen.“ Sie bezieht sich dabei auf eine neue Syrien-Strategie, die von den Experten der Brookings Institution, Michael O'Hanlon und US-General a.D. John Allen, angeboten und vom „National Interest“ veröffentlicht wurde.

    Mit Blick auf die Diskussion über mögliche Lösungen für den Stopp des syrischen Bürgerkriegs schreibt der „Expert“: „Die Autoren der neuen Strategie suchen eine Antwort im Wirtschaftsbereich und schlagen vor, einen kollektiven westlich-arabischen Wirtschaftshebel zu betätigen.“

    „Die Hauptaufgabe der wirtschaftlichen Strategie besteht darin, Baschar Assad zur Machtübergabe an einen Nachfolger zu bewegen, den er mit wählen könnte. Die zentrale Forderung: Der Nachfolger soll eine mehr oder weniger reine Weste haben“, erläutert die russische Zeitschrift im Hinblick auf die Vorschläge.

    „Als einziges Gebiet, das derzeit für den Bezug von wirtschaftlicher Hilfe reif wäre, betrachten Allen und O'Hanlon den kurdischen Norden Syriens. Ein weiterer potenzieller Anwärter wären die östlichen Gebiete, wo die Niederlage des ‚Islamischen Staates‘ ein Macht-Vakuum verursacht hat. Mit diesen Gebieten gibt es aber einen Haken, denn Damaskus und Teheran versuchen aktiv, das Macht-Vakuum dort auszufüllen. Die Strategie sieht indes wirtschaftliche Hilfen beim Wiederaufbau von Wirtschaft und Infrastruktur nur für jene Gebiete vor, die unter Kontrolle prowestlicher Kräfte stehen“, so der Kommentar.

    „Der Unterschied in Sachen Lebensqualität, der mit Hilfe westlicher und arabischer Milliarden schnell erzielt werden soll, wird es nach Ansicht der Strategie-Autoren den Syrern ermöglichen, die Notwendigkeit eines Machtwechsels einzusehen. Möglicherweise wird dieser Unterschied auch Assad zu einer Machtübergabe bewegen, denn es wird problematisch sein, in Moskau oder in Teheran Geld für einen Wiederaufbau des Landes zu finden“, gibt der „Expert“ den Sinn der Strategie wieder. 

    Zwar solle die Regierung in Damaskus ebenfalls humanitäre Hilfen für jene Gebiete bekommen, wo die Kampfhandlungen gestoppt wurden. Doch die Maßnahmen im Sinne der Strategie müsse ihr einen zusätzlichen Anlass liefern, um den Bürgerkrieg möglichst schnell zu beenden, erklärt die russische Zeitschrift den Gedanken der Vorschläge weiter.

    Wie der „Expert“ schreibt, erfordert die Strategie von allen Akteuren Zugeständnisse und Kompromisse – etwa müssten die USA und ihre Verbündeten sich mit Assads Beteiligung an der Wahl eines Nachfolgers abfinden. Nach Ansicht der Autoren sollten unter anderem Sunniten und Kurden dem neuen syrischen Kabinett angehören. Dieses solle die Christen und die nationalen Minderheiten schützen.

    Die Autoren der Strategie, so der Kommentar weiter, wollen den Iran daran hindern, seinen Einfluss im Osten Syriens nach dem Krieg zu erhöhen. In diesem Zusammenhang bescheinigen sie der Türkei die Hauptrolle beim Widerstand gegen Teherans Pläne.

    Generell schlussfolgert die russische Zeitschrift: „Die neue Strategie lässt die Frage nach einem Machtwechsel in Syrien in den Hintergrund rücken. Dabei sieht sie vor, dass Assad nicht auf militärischem, sondern auf finanziell-wirtschaftlichem Wege von jemand anderem abgelöst wird.“

    Um die aktuellen Verhältnisse in Syrien zu veranschaulichen, bezieht sich der „Expert“ auf statistische Daten der Weltbank. Demnach hat der seit sechs Jahren andauernde Konflikt mehr als 320.000 Todesopfer gefordert, mehr als die Hälfte der syrischen Bevölkerung musste ihre Häuser verlassen. Zerstört bzw. beschädigt sind 27 Prozent des Wohnraumbestands und rund die Hälfte aller medizinischen und Lehranstalten. Mehr als drei Viertel der erwerbsfähigen Bevölkerung sind arbeitslos.

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    Tags:
    Strategie, Einfluss, Sanktionen, Blockade, Rücktrittsforderung, Terrormiliz Daesh, Baschar al-Assad, Iran, USA, Syrien
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