23:50 14 Dezember 2017
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    Militärparade anlässlich des 70. Jahrestages des Sieges in PekingChinesische Seestreitkräften (Archivbild)

    Spannungen auf koreanischer Halbinsel: China spricht Klartext zu USA und Nordkorea

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    China hat scharf auf die gegenseitigen Androhungen zwischen den USA und Nordkorea reagiert. Die staatliche chinesische Zeitung Global Times hat in einem Redaktionskommentar sowohl Washington als auch Pjöngjang klar zu verstehen gegeben, dass China einen Konflikt an seinen Grenzen nicht tolerieren und sich auch nicht hineinziehen lassen wird.

    Demnach sollen beide Konfliktparteien die chinesische Position unmissverständlich vor Augen haben. Pjöngjang solle nicht auf Pekings Hilfe setzen, sollte sich Nordkorea für einen Erstschlag gegen US-amerikanische Einrichtungen entscheiden.

    Die USA ihrerseits sollten einsehen, dass China einen US-amerikanischen Militärschlag auf der koreanischen Halbinsel mit dem Ziel eines Regimewechsels in Nordkorea ebenfalls nicht zulassen wird.

    In einem Interview mit Sputnik China erklärte der Leiter des chinesischen Forschungszentrums für Nord-Ost Asien der Jilin-Universität, Ba Dianjun, man müsse die Äußerungen des Blattes nicht automatisch mit Pekings Regierungsdoktrin gleichsetzen.

    Dennoch, in der Frage möglicher chinesischer Reaktion auf eine Eskalation des Konfliktes könnte das Blatt durchaus der offiziellen Pekinger Position nahe kommen.

    Peking und Pjöngjang seien zwar über den 1961 abgeschlossenen Beistandspakt zur gegenseitigen militärischen Hilfe verpflichtet, dieser könnte aber unter aktuellen Bedingungen nicht gültig sein. Der Pakt verlange im Falle eines Angriffs auf einen der beiden Staaten, dass Hilfe und militärischer Beistand geleistet werden müsse. Sollte aber Nordkorea selbst einen Erstschlag gegen US-Militärbasen durchführen, würden die Vertragsbedingungen nicht greifen.

    Gleichzeitig werde China auch mit allen Mitteln gegen eine amerikanische Militärintervention vorgehen. Ein US-Schlag gegen Nordkorea wäre zudem für die USA selbst kaum von Vorteil. Er würde einen Flächenbrand in der gesamten Region auslösen und zweifelsohne auch einen immensen Schaden an US-Verbündeten verursachen – allen voran Japan und Südkorea. Das könne nicht im Interesse der USA sein.

    Damit sei die chinesische Position klar an alle Beteiligten in Washington und Pjöngjang dargelegt: man werde weder Nordkorea im Falle eines Angriffs beistehen, noch einen amerikanischen Militäreinsatz in der Region tolerieren.

    Dennoch, der Experte stellt zunehmende Eskalation des Konfliktes fest, die stark an die Lage kurz vor der amerikanischen Invasion im Irak erinnere. Auch damals war die Hauptargumentation der amerikanischen Falken, man müsse Saddam Hussein, den „wahnsinnigen, blutigen Tyrann“ so schnell wie möglich beseitigen, damit er nicht seine Raketen zünden könne. Man solle angreifen, bevor der andere angreift: die Parallelen zur Irak-Invasion seien laut dem Politologen nicht zu übersehen.

    Diese Meinung sei zudem anschaulich von einer in Los Angeles durchgeführten Umfrage bestätigt worden. So gut wie keiner der Befragten konnte auf einer Weltkarte Nordkorea aufzeigen, die meisten waren sich aber sicher, dass ein Militärschlag gegen das Land notwendig sei.

    Beängstigend sei in dieser Situation auch, dass weder Trumps Administration noch das nordkoreanische Regime anscheinend die Erfahrung haben, solche gefährlichen Provokationsspiralen frühzeitig zu erkennen und abzuspringen – und genau dies mache die Gefahr einer realen militärische Eskalation realer als es den meisten Beobachtern lieb wäre.

    Unter diesen Bedingungen ist das klare Darlegen der chinesischen Position, die sich aus dem Kommentar der Global Times unmissverständlich herauslesen lässt, extrem wichtig sowohl für die Konfliktparteien als auch für die gesamte Welt.

    Der Redaktionskommentar erschien bei Global Times, nachdem Trump erklärt hatte, er werde auf die nordkoreanischen Drohungen mit „Feuer und Wut antworten, die die Welt noch nicht gesehen hat.“ Daraufhin hatte Nordkorea unverzüglich gemeldet, die Armee bereite Pläne für einen Präventivschlag gegen die amerikanischen Einrichtungen auf Guam vor. 

    Zuletzt meldete Trump wiederum, alle amerikanischen Waffen seien „scharf und entsichert“ für einen Militärschlag.

    Die Geschwindigkeit und die Wucht der Eskalationsspirale seitdem hat selbst Kenner der Region überrascht und hält die internationale Gemeinschaft in Atem.

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    Tags:
    Raketenangriff, Eskalation, Donald Trump, Nordkorea, USA