17:56 14 Dezember 2017
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    Soldaten vom Syriens Heer (Archivbild)

    Experte zu drei Länder-Lösung für Syrien-Konflikt: Ideal aber höchst unwahrscheinlich

    © AFP 2017/ George OURFALIAN
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    Nach der Einrichtung von Deeskalationszonen in Syrien sollen Einheiten der bewaffneten Opposition in politische Kräfte umgewandelt werden, so der Orientalist Boris Dolgow. Eine Zusammenarbeit zwischen den USA, Russland und der Türkei in Syrien hält der Experte jedoch kaum für möglich.

    „Die Anwesenheit von Zehntausenden von bewaffneten Kämpfern in Syrien ist nicht der beste Hintergrund für eine politische Regelung. Die Einrichtung von Deeskalationszonen ist daher wirklich eine wichtige Aufgabe aber das ist eine Aufgabe für die erste Phase“, sagte der Experte des Zentrums für arabische und islamistische Studien bei einem Runden Tisch von Rossiya Segodnya in Moskau.

    In der zweiten Phase soll dem Experten zufolge die bewaffnete Opposition in politische Kräfte umgewandelt werden. Erstmals in der Geschichte habe man derartige Verhältnisse in Kolumbien gesehen. Dort habe es eine bewaffnete Gruppierung gegeben, die Jahrzehnte lang gegen die Regierung kämpfte, aber sie sei letztendlich in eine politische Kraft umgewandelt worden. Dabei betonte Dolgow, dass eine solche Variante „ideal“ wäre, aber für Syrien sei sie „noch nicht in Sicht.“

    Der Experte sieht die Einrichtung von Deeskalationszonen als positiv, warnt aber vor den Folgen eines solchen Schrittes, sollte der Prozess in die Länge gezogen werden.

    „In diesen Zonen bildet sich die Struktur einer lokalen Regierung. Es gibt bereits Gebiete, die von lokalen Gruppen bewacht werden. Das ist eine Enklave, die abgesondert nach eigenen Gesetzen lebt. Sollten diese Zonen lange bestehen, kommt es in Folge zu einer Tendenz der Absonderung dieser Zonen, wenn nicht zu deren Spaltung. Russland ist aber für die Stabilisierung in Syrien und für die Aufrechterhaltung der syrischen Staatlichkeit.“

    Eine mögliche Zusammenarbeit zwischen den USA, Russland und der Türkei in Syrien sei laut Dolgow aus zwei Gründen höchst unwahrscheinlich. Erstens hätten alle drei Länder unterschiedliche Interessen im Nahen Osten. Zweitens sind die neuen US-Sanktionen auf eine Konfrontation mit Russland ausgerichtet. Daher könne von einer gemeinsamen Operation zwischen Russland, der Türkei und den USA keine Rede sein, betonte der Experte.

    Ende August solle eine weitere Verhandlungsrunde zum Syrien-Friedensprozess in Astana stattfinden.

    Am 8. und 9. August haben in Teheran Beratungen von Experten aus Russland, dem Iran und der Türkei stattgefunden – der Garantiestaaten für den Verhandlungsprozess in Astana.

    Die Vertreter des russischen Verteidigungsministeriums und der gemäßigten syrischen Opposition hatten am 31. Juli bei ihrem Treffen in Kairo das Funktionieren der dritten Deeskalationszone nördlich der Stadt Homs vereinbart.  Die neue Zone besteht aus 84 Ortschaften mit über 147.000 Einwohnern.

    Der bewaffnete Konflikt in Syrien dauert seit März 2011. Nach UN-Angaben sind darin bis dato mehr als 220.000 Menschen ums Leben gekommen.

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    Tags:
    Deeskalationszonen, Krieg, Frieden, Türkei, Syrien, USA, Russland
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