18:33 19 Oktober 2017
SNA Radio
    Hwasong-14-Rakete beim Start am 29. Juli 2017 in Nordkorea

    „Schutz vor Narren“: Ist Russland gegen „verirrte“ nordkoreanische Raketen gefeit?

    © REUTERS/ KCNA
    Politik
    Zum Kurzlink
    31960573

    Die russische Luftabwehr ist im Zusammenhang mit der Lage auf der Korea-Halbinsel in erhöhte Kampfbereitschaft versetzt worden. Das teilt Viktor Oserow, ehemaliger Chef des Verteidigungs- und Sicherheitsausschusses des Föderationsrates, Journalisten mit.

    Medienberichten zufolge hat Nordkorea es geschafft, einen verhältnismäßig kleinen nuklearen Gefechtskopf zu entwickeln, der mit einer ballistischen Rakete zum Ziel befördert werden könnte. Aber von einer technischen Perfektion ist noch keine Rede. Sollte sich die Lage auf der Korea-Halbinsel weiter zuspitzen, könnten einige nordkoreanische Raketen entgegen Pjöngjangs Plänen zufällig an einem falschen Ort einschlagen.

    Für den Schutz des russischen Himmels in der Region sind die 11. Luftwaffenarmee und die Luftabwehr mit Stab in Chabarowsk zuständig. Es handelt sich um eine der stärksten Formationen im Land. In der Großstadt Wladiwostok, die am nächsten zur nordkoreanischen Grenze liegt, ist die 93. Division der Luftabwehr stationiert, die über rund 50 Startanlagen für Raketen S-300 und S-400 verfügt. Allem Anschein nach dürfte diese Division als erste reagieren, falls eine nordkoreanische Rakete in eine „falsche“ Richtung fliegen würde.

    Zudem ist in der Stadt Komsomolsk am Amur die 25. Luftabwehr-Division mit etwa 80 Startanlagen für gleiche Raketen stationiert.

    Auch die Pazifikflotte verfügt über Mittel der Luftabwehr. Allein das Flaggschiff der Flotte – Raketenkreuzer „Warjag“ – ist mit Fla-Komplexen „Fort“ bewaffnet, die im Grunde eine seegestützte Modifikation der S-300-Raketen darstellt. „Fort“ ist in der Lage, Ziele auf einer Entfernung von bis zu 200 Kilometern in einer Höhe von bis zu 27.000 Metern zu zerstören.

    „Russland hat im Fernen Osten kein Potential der strategischen Raketenabwehr, die interkontinentale ballistische Raketen abfangen könnte“, sagt Militärexperte Michail Chodarjonok. „Zugleich sind die in der Region stationierten S-300- und S-400-Komplexe in der Lage, nordkoreanische operativ-taktische Mittelstreckenraketen abzufangen.“

    Chodarjonok zufolge wäre es noch verfrüht, von einer Erhöhung der Kampfbereitschaft der russischen Luftabwehrgruppierung im Fernen Osten zu sprechen. „Derartige Schritte werden unternommen, falls es eine reale Gefahr eines bewaffneten Konflikts oder gar eines groß angelegten Krieges gibt. Ich möchte betonen, in der Geschichte sei bislang nie registriert worden, dass über einen geplanten Schlag im Voraus informiert worden wäre. In der Regel setzt man erst nach dem Angriff davon in Kenntnis.“ Als Beispiel führte der Experte die US-Attacke auf den syrischen Luftstützpunkt Schairat unter Einsatz von Tomahawk-Raketen an.

    Indes lassen direkte Drohungen von Nordkoreas Staatschef Kim Jong-un, US-Militärobjekte mit ballistischen Raketen anzugreifen, eine militärische Lösung des Problems immer näher heranrücken. Solche Drohungen sind für den Frieden in der Region eindeutig nicht förderlich.

    „Seoul liegt nur 24 Kilometer von der (nordkoreanischen) Grenze“, sagt Oberst a. D. Michail Timoschenko. Im Großraum Seoul leben bis zu 20 Millionen Menschen. Man braucht keine Atombombe, um eine Katastrophe auszulösen. Ein Dutzend Salven mit großkalibrigen Artilleriegeschossen würde ausreichen“, sagte der Militär.

    Nordkorea konzentriert an der 38 Parallele eine extrem starke Artilleriegruppierung von etwa 8.000 Geschützen und Mehrfachraketenwerfern. Die Hälfte dieser Waffen könnte Seoul erreichen. Dieser Faktor spielt sogar eine größere Abschreckungsrolle als ein möglicher Besitz startbereiter ballistischer Raketen mit Atomsprengköpfen durch Nordkorea. Sollte sich die nordkoreanische Führung zum Erstschlag entscheiden, dürfte die Situation ganz schnell aus der Kontrolle geraten. Dann breitet sich das Kriegsfeuer in der gesamten Region aus.

     

    Tags:
    Kapazitäten, Raketenabwehr, Michail Timoschenko, Michail Chodarjonok, Nordkorea, Russland
    GemeinschaftsstandardsDiskussion
    via Facebook kommentierenvia Sputnik kommentieren