14:08 26 Juni 2019
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    Novak Vukoje und Muammar al-Gaddafi

    „Ich geh erst mithilfe der Revolution“ – Gaddafis Arzt zu Libyen im Exklusiv-Gespräch

    © Sputnik / Privatarchiv von Novak Vukoje
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    Der serbische HNO-Arzt und weltbekannte Experte für Schlafapnoe und Schnarchen, Novak Vukoje, hat in einem Sputnik-Interview über die Bettler auf den Straßen Libyens, den Kriegsbeginn und den Langzeitherrscher Muammar al-Gaddafi, den er operiert hatte, gesprochen.

    „Erstmals habe ich Gaddafi im Januar 2006 besucht. Ich habe mit ihm viel Zeit verbracht und stehe auch heute noch im Kontakt mit seiner Tochter Aisha“, erzählt Vukoje. Aisha wohne derzeit in Oman mit ihren drei Kindern und ihrer Mutter Safaja. Sie habe ihm vor Kurzem in einer Mail mitgeteilt, sie wolle für das Amt des Präsidenten in Libyen kandidieren. 

    „Zu Gaddafis Zeit wohnte man in Libyen sehr gut. Ich bin praktisch durch die ganze Welt gereist. Libyen ist aber der einzige Staat, wo ich keine Bettler auf den Straßen gesehen habe“, so der Arzt. Der Staat habe jedem geholfen, würdig zu leben. In Libyen wohnten fünf Millionen Menschen und einige Millionen ausländischer Gastarbeiter. Dies habe jedoch jemanden gestört. 

    „Und dann der Domino-Effekt: Man findet drei Unzufriedene, diese finden drei weitere und dann kommen noch drei von der Seite. So hat dieser geplagte Krieg begonnen.“ Ihm habe ein General, der ihn während seiner Libyen-Reisen begleitet habe, erzählt, dass die Leute heute einfach nichts zu essen hätten. Es gebe kein Wasser, kein Benzin – „ein Albtraum“. 

    Novak Vukoje und Muammar al-Gaddafi
    © Sputnik / Privatarchiv von Novak Vukoje
    Novak Vukoje und Muammar al-Gaddafi

    Er sei stolz darauf, Gaddafi kennengelernt zu haben. Sie haben einander erstmals 2006 in einem Zelt getroffen. Gaddafi habe die TV-Sender eingeladen, um das Gespräch mit dem Arzt aufzunehmen. „Keiner fühlt sich sorglos vor einer OP und er sagte: ‚Ganz Libyen zappelt vor mir und ich zapple vor einem serbischen Chirurgen‘.“ 

    Vukoje behandelte eigenen Worten zufolge vor Kurzem einen sehr einflussreichen Mann, der jedoch nicht genannt werden wolle. Dieser habe ein Foto von Vukoje mit Gaddafi an der Wand gesehen und gefragt, wann er den getöteten libyschen Staatschef zum letzten Mal getroffen habe.

    Das sei am 4. November 2010 gewesen, erinnert sich Vukoje. Laut dem Mann habe er gemeinsam mit zwei weiteren Menschen Gaddafi einen Monat danach besucht und ihm vorgeschlagen, so viel Geld wie er wolle zu nehmen und das Land zu wählen, wo er wohnen wolle. „Er antwortete aber: Ich bin an die Macht mit Hilfe der Revolution gekommen, mit ihrer Hilfe werde ich auch weggehen“, erzählte Vukoje. 

     

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    Interview, Krieg, Revolution, Arzt, Muammar al-Gaddafi, Novak Vukoje, Serbien, Libyen