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    Hiroshima 1945 (Archivbild)

    Zurück zu Hiroshima: Was wollen die USA mit hochpräzisen Mini-Nukes?

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    Politik
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    Die Einsatzschwelle von Atomwaffen zu senken – darüber hat man früher höchstens hinter vorgehaltener Hand gesprochen. Heute sprechen Pentagon-Strategen diese Absicht ganz offen aus, wie das Portal lenta.ru berichtet. Die Spitze des US-Militärs will nämlich kleinere Bomben bauen lassen, um bei Atomschlägen freie Hand zu haben.

    Der Einsatz von Atomwaffen sei natürlich schrecklich, sagte der US-Luftwaffengeneral Paul Selva, Vize-Chef des Generalstabs der US-Streitkräfte, auf einer Konferenz von Luft- und Raumfahrtexperten. Doch wie schrecklich der auch sei, müsse man sich die Möglichkeit verschaffen, „rational, flexibel und mehrstufig“ auf das Vorgehen des Gegners zu reagieren.

    Andernfalls habe das Pentagon einfach kein adäquates Mittel zur Hand:

    „Wenn Superleistungswaffen mit einem hohen Maß an ungezielter Vernichtung das Einzige sind, das wir dem Präsidenten anbieten können, dann haben wir ihm im Grunde nichts zu bieten“, so der Vize-Generalstabschef. Man müsse doch alles auf den Tisch legen können, was es gebe, forderte er, „von konventionellen Ansätzen bis zu radikal neuen Methoden.“

    Darunter versteht der US-Luftwaffengeneral die Entwicklung kleinerer, taktischer Atomwaffen. Sie sollen eine tragende Säule im globalen Gleichgewicht der atomaren Kräfte werden. Nur so würden die Vereinigten Staaten Russland, China und die „neuen Atommächte“ Nordkorea und Iran im Zaum halten können, ist Selva überzeugt – allen Bedenken zum Trotz: Schließlich waren auch die Bomben von Hiroshima und Nagasaki nach heutigem Maßstab Mini-Nukes.

    Über taktische Atomwaffen verfügen die Vereinigten Staaten indes schon seit den 1960er Jahren, schreibt das Portal: die Bombe B61 samt ihrer bunkerbrechenden Variante B-61-11 (einige davon seien auf US-Basen in Europa stationiert). Derzeit entwickelt werde die B-61-12: eine Allzweckbombe, die alle anderen Versionen der B-61 – taktische und strategische – ablösen soll. Die Neuentwicklung erhalte den kleinsten Sprengkopf der ganzen Atombombenfamilie von rund 50 Kilotonnen Sprengkraft.

    Wie lenta.ru ferner schreibt, ist die vergleichsweise geringe Wucht der B-61-12 aber nicht ihre einzige Besonderheit. Auch bei dieser Bombe steckt offenbar der Teufel im Detail. So soll sie mit einem Seitenruder im Heck und möglicherweise einer GPS-Steuerung ausgerüstet werden. Die Treffsicherheit steige dadurch enorm: von 180 Metern Zielabweichung bei freifallenden Bomben auf bis zu fünf Meter bei der GPS-gesteuerten B-61-12.

    Und weil diese Bombe dann kein Fallschirmsystem mehr benötige, um ins Ziel zu navigieren, passe sie auch in den Waffenschacht des kleineren F-35-Jägers. Dieser Flugzeugtyp soll beim US-Militär künftig zum Hauptträgersystem taktischer Atomwaffen werden, so das Portal.

    Ist es aber ein Problem, wenn durch mehr Zielgenauigkeit und kleinere Sprengköpfe Kollateralschäden und der Fall-out nach einer nuklearen Explosion wenn nicht vermieden, so doch erheblich eingeschränkt werden? Der Haken an der Forderung des Pentagon-Strategen Paul Selva ist laut lenta.ru: Mit der neuen Bombe wolle das US-Militär auch ein neues Einsatzkonzept einführen, das es ermöglichen soll, auch in Lokalkonflikten zu Atomwaffen zu greifen – und diese dann auch gegen Länder einzusetzen, die keine Atommächte und einem Atomschlag schutzlos ausgeliefert sind.

    Im Grunde werden wir also Zeugen einer geschichtlichen Entwicklung: Statt einer Bombe des Jüngsten Gerichts fordert das US-Militär eine Präzisions-Atomwaffe für lokale Einsätze. Diese Waffe könnte dann von Politik und Gesellschaft fast unbemerkt eingesetzt werden und würde daher nicht geächtet. Jahrzehntelang war eine derartige Senkung der Einsatzschwelle von Atomwaffen ein politisches Tabu, jetzt findet vor unseren Augen ein Paradigmenwechsel statt.

    Die Logik des Militärs bleibt dabei jedenfalls konstant, heißt es bei lenta.ru: Eine Waffe ist ein Instrument. Ist es erstmal da, kann es auch benutzt werden – und zwar auf jede erdenkliche Weise.

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    Tags:
    Atomwaffen, B-61, US-Streitkräfte, Pentagon, Paul Selva, USA