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    Der Iran wird eher das Atomabkommen nicht aufkündigen, weil niemand daran interessiert ist, wie der Leiter des Zentrums für den Nahen und Mittleren Osten beim russischen Institut für strategische Forschungen, Wladimir Fitin, sagte.

    „Was die Atomvertrag-Aufkündigung angeht, so bin ich der Meinung, dass dies auf keiner realen Grundlage beruht, weil außer den USA die anderen Teilnehmer kein Interesse daran haben, dieses Dokument zu sprengen, das so viel Arbeit, Zeit, Abstimmungen in Anspruch genommen hat…“, sagte Fitin.

    In diesem Zusammenhang hätten die Europäer, die auf den iranischen Markt streben, milliardenschwere Deals über die Lieferung ihrer Technik geschlossen: China, Russland und der Iran seien nicht an der Zerstörung dieses Abkommens interessiert.

    „Das ist meiner Meinung nach eine Fortsetzung der kämpferischen Rhetorik, hinter der keine realen Handlungen stehen können“, so der Experte weiter.

    Die USA würden auch ihrerseits den Atomvertrag nicht aufkündigen. „Sie konsultieren sich in der letzten Zeit sehr wenig mit ihren europäischen Partnern, aber in diesem Fall sollten sie dies tun, weil die Verhandlungen gemeinsam geführt worden sind, und man bräuchte eine EU-Genehmigung, um dieses Abkommen mit dem Iran zu zerstören. Dies ist aber kaum glaublich“, erläuterte Fitin.

    Der Experte verband die kriegerischen Erklärungen aus Washington mit der neuen US-Administration: „Dieser Austausch von kriegerischen Erklärungen…(dies sehen wir auch am Beispiel Nordkorea) mit dem Iran hat nach dem Machtantritt der neuen US-Administration begonnen, als der amerikanische Präsident Donald Trump den Iran offiziell zum Hauptgegner der USA und der sogenannten zivilisierten Welt erklärt hatte.“

    Fitin verwies darauf, die USA seien gezwungen gewesen, anzuerkennen, dass der Iran alle Verpflichtungen zum Atomprogramm erfülle, trotzdem habe Washington neue Sanktionen gegen Teheran verhängt, weil es seine Raketen weiter teste.

    „Der Iran hält dies für unbegründet. Dies betrifft nicht den umfassenden Aktionsplan, den der Iran und die Sechser-Gruppe verabschiedet haben, und deswegen hat Teheran umgekehrt erklärt, dass es zusätzliche 520 Millionen US-Dollar für die Entwicklung seines Raketenbauprogramms ausgeben wird“, so Fitin abschließend.

    Zuvor hatten die USA 18 iranische Unternehmen und Personen auf eine Sanktionsliste gesetzt. Dabei hatte Washington früher bestätigt, dass der Iran die Bedingungen des Atomabkommens erfülle.

    Der Gemeinsame Umfassende Aktionsplan (JCPOA), verabschiedet von dem Iran sowie China, Frankreich, Deutschland, Russland, dem Vereinigten Königreich und den Vereinigten Staaten von Amerika unter Mitwirkung der Hohen Vertreterin der Europäischen Union für Außen- und Sicherheitspolitik, vom 14. Juli 2015 konzipiert einen gemeinsamen, umfassenden Handlungsplan, dessen Erfüllung zur Aufhebung der Wirtschaftssanktionen führen sollte, die der UN-Sicherheitsrat, die USA und die EU früher gegen den Iran verhängt hatten.

    Laut dem Abkommen garantiert der Iran unter anderem einen friedlichen Charakter seines Atomprogramms und verpflichtet sich, in den kommenden 15 Jahren nicht mehr als 300 Kilogramm auf 3,67 Prozent angereichertes Uran zu besitzen. Teheran darf weder hochangereichertes Uran noch atomwaffenfähiges Plutonium herstellen. Der abgebrannte Kernbrennstoff soll unter Kontrolle der internationalen Vermittler entsorgt werden.

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    Experte, Interesse, Ausstieg, Atomabkommen, China, Russland, Europa, USA, Iran